Politik

„Absolute Tragödie“, „schwerer Verlust“: Reaktionen auf den plötzlichen Tod von Hubert Aiwanger

Der Vize-Ministerpräsident Bayerns starb überraschend am Mittwoch. Sein Tod löst bundesweite Anteilnahme aus.

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Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie von Bayern, ist plötzlich gestorben.

Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie von Bayern, ist plötzlich gestorben.

© Lennart Preiss/dpa

Der plötzliche Tod des Freie-Wähler-Chefs und bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger hat bundesweit Bestürzung ausgelöst. Der Vize-Ministerpräsident wurde am Mittwoch im Alter von 55 Jahren leblos in einem Berliner Hotelzimmer gefunden.

Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft wurde Aiwanger am frühen Abend in seinem Zimmer im Hotel Neuer Fritz nahe dem Bahnhof Friedrichstraße entdeckt. Zuvor hätte er bei der Eröffnung eines Hauptstadtbüros seiner Partei eine Rede halten sollen, sagte aus gesundheitlichen Gründen aber ab und ließ sich vertreten. Danach war er nicht mehr erreichbar.

Staatsanwaltschaft prüft Todesursache

Die Ermittler haben ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Es soll die genaue Todesursache und den Ablauf klären sowie ein mögliches Fremdverschulden ausschließen. Zur konkreten Situation beim Auffinden wollte sich die Behörde aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst nicht äußern.

Aiwanger lebte mit der Freie-Wähler-Landrätin Tanja Schweiger zusammen und hatte zwei Kinder. Vertreten lassen hatte er sich an jenem Nachmittag bei einem Parteitermin, nachdem er sich krankgemeldet hatte.

Söder, Özdemir und Weidel reagieren über Parteigrenzen hinweg

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte sich am Donnerstag zum Tod Aiwangers. Merz habe sich „tief betroffen“ vom Tod von Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger gezeigt. „Die Bundesrepublik verliert einen streitbaren Politiker, der leidenschaftlich für seine Überzeugungen eingetreten ist“, erklärte Kanzler-Sprecher Stefan Kornelius am Donnerstag in Berlin.

Mit Aiwangers Tod verlieren die Freien Wähler ihre prägende Figur. Er war erst vor einem Jahr erneut zum Landesvorsitzenden gewählt worden und wollte sich am 14. November als Bundesvorsitzender bestätigen lassen. Ob dieser Bundesparteitag stattfindet, blieb zunächst offen. Die Partei kündigte an, ihre Arbeit in seinem Sinne fortzuführen.

Die Freien Wähler in Bayern erklärten auf X: „Mit seinem Tod verliert Bayern einen Politiker, der wie kaum ein anderer für eine Politik aus der Mitte der Gesellschaft stand.“

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Der stellvertretende Vorsitzende der Freien Wähler in Bayern schrieb: „Hubert Aiwanger war für mich und uns ein persönlicher Freund mit manchmal durchaus auch unterschiedlichen Ansichten. Und genau das war gut so. Denn genau darin lag seine Stärke. Unterschiedliche Meinungen aufzunehmen und etwas Gemeinsames entstehen zu lassen, unter dem sich viele versammeln können.“

Der Tod des Politikers löste parteiübergreifend Bestürzung aus. Ministerpräsident Markus Söder schrieb auf X von einer „absoluten Tragödie“ und betonte, alle seien zutiefst geschockt. Baden-Württembergs Regierungschef Cem Özdemir nannte ihn einen Politiker mit Ecken und Kanten, der für seine Überzeugungen gekämpft habe.

AfD-Chefin Alice Weidel sprach von einer „sehr traurigen Nachricht“. FDP-Politiker Wolfgang Kubicki würdigte Aiwanger als volksnah und erklärte, seine Stimme werde in der deutschen Politik fehlen. Fraktionschef Florian Streibl von den Freien Wählern sagte, Bayern werde ohne ihn „ein anderes sein“.

Wirtschaft trauert um einen „Vollblutpolitiker“

Auch die bayerische Wirtschaft reagierte betroffen. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, bezeichnete Aiwanger als „Vollblutpolitiker“ und energischen Streiter für die Interessen der Unternehmen im Freistaat.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) ließ über Instagram mitteilen: „Sein völlig unerwarteter Tod ist ein schwerer Verlust für den Bayerischen Landtag und für die gesamte Politik in Bayern.“

Auch der Grünen-Europaabgeordnete Erik Marquardt reagierte auf X bestürzt. Er sprach von einer „schockierenden Meldung“ und wünschte den Hinterbliebenen Kraft. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Sepp Müller bekundete ebenfalls sein Beileid.

Der sächsische Landtagsabgeordnete Matthias Berger, der 2024 als Parteiloser für die Freien Wähler ins Parlament einzog, erinnerte gegenüber dieser Zeitung an politische Differenzen mit Aiwanger. Der bayerische Landesverband habe von ihm verlangt, sich von der AfD zu distanzieren. Das habe er abgelehnt. Daraufhin habe Aiwanger ihm schriftlich mitgeteilt, dass er nicht mehr unter dem Namen der Freien Wähler auftreten dürfe.

„Ungeachtet unserer politischen Differenzen bedauere ich seinen Tod“, sagte Berger. Seine aufrichtige Anteilnahme gelte Aiwangers Familie und Angehörigen.

„Menschlich ist es eine Tragödie“: Landeschef der Freien Wähler

Matthias Binner, seit Sommer 2026 Landesvorsitzender der Freien Wähler in Sachsen, erfuhr während eines Fußballspiels in Leipzig vom Tod Aiwangers. „Mich hat die Nachricht durch den internen Buschfunk erreicht. Ich dachte zuerst, das sei Fake“, sagte er entgeistert am Telefon. „Das ist für uns ein mörderlicher Verlust. Wir verlieren mit ihm eine prägende Figur. Menschlich ist es eine Tragödie.“

Aiwanger sei jemand gewesen, der von der Partei getragen wurde. „Ich habe ihn ein paar Mal getroffen. Er war immer freundlich, hatte stets ein offenes Ohr für die Interessen der Ost-Landesverbände“, so Binner weiter.

Auch der frühere FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki würdigte Aiwanger auf X als streitbaren und volksnahen Politiker. Mit seiner unkonventionellen Art habe er die Politik in Bayern geprägt. „Seine Stimme und Persönlichkeit werden in der deutschen Politik fehlen“, schrieb Kubicki. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) reagierte ebenfalls auf X: „Zu früh. In Gedanken bei der Familie.“

Unionsfraktionschef Thorsten Frei äußerte sich am Donnerstagmorgen ebenfalls. Aiwanger sei „ein vergleichsweise junger Mann“ gewesen, der „von einer Sekunde auf die nächste tot“ gewesen sei, sagte der CDU-Politiker in der Sendung „Frühstart“ von RTL und ntv. „Und deswegen ist es natürlich vor allen Dingen eine menschliche Tragödie für seine Frau, für seine Kinder, für die Familie. Und es ist ein schreckliches Ereignis, persönlich unglaublich traurig.“

X-Beitrag sorgt für Kritik

Der X-Account „stinkjugend solid“, der sich als Satire- und Parodieprofil der Linksjugend präsentiert, verbreitet makabre Behauptungen über den Tod von Hubert Aiwanger. Eine inzwischen als hilfreich bewertete Community Note bezeichnet die darin geschilderten Todesumstände ausdrücklich als frei erfunden.

Viele Nutzer kritisieren dies scharf, darunter Thorsten Alsleben, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), der die Verantwortlichen als „menschenverachtende Ekelpakete“ bezeichnete.

In seiner Profilbeschreibung bezeichnet sich der Account ausdrücklich als Satire und Parodie. Als Standort nennt er das Karl-Liebknecht-Haus, zudem verlinkt er die Website jugendwiderstand.de, die auf die offizielle Internetseite der Linksjugend ['solid] weiterleitet. Ob der Jugendverband selbst hinter dem Account steht, ist unklar. Mittlerweile ist der Account auf X vorübergehend eingeschränkt, Beiträge sind nicht mehr abrufbar.

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