Ägyptologie

Luxor: Hundemumie auf Menschenpaar wirft Fragen zu altägyptischen Bestattungssitten auf

Eine Studie rekonstruiert den Übergang von einzelnen Sargbestattungen zu dicht gestapelten Beisetzungen der einbalsamierten Körper im alten Ägypten.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Ein Archäologe untersucht eine Mumie in einem Grab auf dem Westufer von Luxor, wo auch das in der Studie untersuchte Grab TT209 liegt.

Ein Archäologe untersucht eine Mumie in einem Grab auf dem Westufer von Luxor, wo auch das in der Studie untersuchte Grab TT209 liegt.

© Ahmed Gomaa/imago

Spanische Archäologen haben in einer Seitenkammer des thebanischen Grabes TT 209 nahe Luxor 17 mumifizierte Körper sowie einen weiteren Fund mit den Überresten von mindestens vier Personen dokumentiert. Das geht aus einer am Dienstag in der Fachzeitschrift Frontiers in Environmental Archaeology veröffentlichten Studie hervor.

Die Befunde reichen von der 25. Dynastie (754 bis 656 v. Chr.) bis in die ptolemäische Zeit (305 bis 30 v. Chr.) und zeigen einen tiefgreifenden Wandel der Bestattungspraxis.

Die Autoren wendeten eine archäothanatologische Methode an. Dabei werden Körperlage, Sarggebrauch, Schichtabfolge und die räumliche Lage der Toten zueinander ausgewertet, um die Abfolge der Beisetzungen zu rekonstruieren.

Von einzelnen Särgen zu gestapelten Körpern

Laut der Studie waren die frühesten Bestattungen, die vermutlich der 25. Dynastie zuzuordnen sind, vergleichsweise individuell gestaltet: Die Verstorbenen lagen in Särgen und in räumlich getrennten Bereichen der Kammer. Ab der späten 25. Dynastie sei diese Ordnung schrittweise aufgeweicht worden. Neue Beisetzungen seien in bereits belegten Bereichen erfolgt.

In persischer und ptolemäischer Zeit habe sich dieser Prozess verstärkt, heißt es in dem Fachartikel. Es sei ein vertikal aufgebautes System entstanden, in dem der Sarg seine frühere ordnende Funktion verloren habe.

An dessen Stelle sei eine Anordnung getreten, die durch die Körper selbst, Ablagerungsschichten und die Bauform der Kammer bestimmt worden sei. Die Forscher deuten diese Entwicklung nicht als Verfall der Bestattungsordnung, sondern als veränderte Logik der Beisetzung.

Mumifizierter Hund auf einem Paar

Besondere Aufmerksamkeit richten die Autoren auf einen Fund aus der ptolemäischen Phase: Im südöstlichen Bereich der Kammer lagen vier Mumien ohne Särge übereinander, darauf ein mumifizierter Hund.

Die Körper seien sorgfältig einbalsamiert und mit senkrecht stehenden Gefäßen kombiniert worden, die auf ein besonderes Ritual dieser Phase hindeuteten, sagte Mitautor Molinero Polo von der Universität La Laguna auf Teneriffa laut einem Bericht der spanischen Zeitung El País dem Wissenschaftsdienst SINC.

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Der Hund sei direkt auf den Mumien eines Mannes und einer Frau platziert worden, erklärte Carballo-Pérez. Dies könne auf eine enge Beziehung zwischen den Personen und dem Tier hinweisen.

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