Konflikt

Hunger, Massenarbeitslosigkeit, Inflation: Iran steuert nach acht Monaten Krieg auf neue Unruhen zu

Die Verbraucherpreise sind binnen eines Jahres um fast 90 Prozent gestiegen. US-Finanzminister Bessent sagt einen Wirtschaftseinbruch von mehr als 25 Prozent voraus.

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Eine Frau am Tadschrisch-Platz in Teheran. Gerade junge Menschen sind von Arbeitslosigkeit stark betroffen.

Eine Frau am Tadschrisch-Platz in Teheran. Gerade junge Menschen sind von Arbeitslosigkeit stark betroffen.

© Vahid Salemi/AP/dpa

Während sich die internationale Diplomatie um eine Beilegung des Konflikts bemüht, verschärft sich im Iran die wirtschaftliche Not der Bevölkerung infolge des seit Ende Februar andauernden Krieges mit den USA deutlich. Die Verbraucherpreise lagen im September nach offiziellen Angaben rund 90 Prozent über dem Vorjahresniveau, die jährliche Inflationsrate stieg laut staatlichen Medien auf 73,6 Prozent.

Besonders stark verteuerten sich Lebensmittel und Getränke mit einem Plus von 121,8 Prozent, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf offizielle Daten berichtete.

Der Konflikt war am 28. Februar durch Angriffe der USA und Israels auf den Iran ausgelöst worden. In der Folge sperrte Teheran die Straße von Hormus, Washington verhängte eine Blockade iranischer Häfen am Persischen Golf. Ölexporte, Handel und Staatseinnahmen brachen ein, zudem wirken nach Angaben von Reuters jahrzehntelange Sanktionen nach.

Löhne reichen nicht mehr für Grundbedarf

Nach Recherchen von Reuters berichteten mehr als zwei Dutzend befragte Iraner, dass sie sich Nahrung, Wohnen, Gesundheitsversorgung und Bildung kaum noch leisten könnten. Offizielle Schätzungen beziffern die Lebenshaltungskosten für eine dreiköpfige Arbeiterfamilie auf etwa 336 US-Dollar im Monat – mehr als das Dreifache des durchschnittlichen Monatslohns von rund 92 Dollar zum Wechselkurs des freien Marktes.

Die iranische Währung Rial hat im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Die Mieten lagen im September 32,8 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Die offizielle Arbeitslosenquote stieg im Frühjahr auf 9,1 Prozent, bei den 15- bis 24-Jährigen ist fast ein Viertel ohne Arbeit.

Wirtschaftsminister Ali Madanizadeh entschuldigte sich laut staatlichen Medien am Dienstag für die steigenden Lebenshaltungskosten. Rentner, Arbeiter und Staatsbedienstete trügen die Hauptlast. Zentralbankchef Abdolnasser Hemmati wies Mitte Oktober Darstellungen aus Washington zurück, wonach die iranische Wirtschaft zusammenbreche. Diese seien „eine Illusion“.

Bessent sagt Einbruch um mehr als 25 Prozent voraus

US-Finanzminister Scott Bessent sagte in einem am Montag veröffentlichten Interview mit dem Sender Iran International, die iranische Wirtschaft werde zwischen März 2026 und März 2027 um mehr als 25 Prozent schrumpfen – „mehr, als die Sowjetunion nach ihrem Zusammenbruch geschrumpft ist“. Die kommenden acht Wochen der US-Sanktionskampagne „Operation Economic Outcast“ würden „noch intensiver“ ausfallen.

Bessent riet den Iranern, Vorräte an Heizöl anzulegen und ihre Benzintanks jetzt zu füllen, da ein großer Mangel drohe. Washington sei weiter zu Verhandlungen bereit, der Iran dürfe aber keine Atomwaffen besitzen und müsse die Finanzierung regionaler bewaffneter Gruppen einstellen.

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Neue Proteste liegen in der Luft

Die wirtschaftliche Lage birgt nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Eric Lob vom Thinktank Carnegie Endowment for International Peace mit Hauptsitz in Washington erhebliches Potenzial für neue Unruhen. In einer am Montag veröffentlichten Analyse schreibt Lob, der Krieg und die US-Marineblockade iranischer Häfen hätten die wirtschaftlichen Bedingungen verschärft, die bereits die landesweiten Proteste vom Dezember 2025 und Januar 2026 ausgelöst hätten.

Damals seien nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Activists News Agency (HRANA) bis zum 15. Februar mindestens 7015 Menschen getötet und mehr als 53.000 festgenommen worden.

Ohne grundlegende Reformen werde sich der Kreislauf aus Mobilisierung und Repression fortsetzen, so Lob. Je länger der Konflikt andauere und je schlechter die Wirtschaftslage werde, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit erneuter sozialer Unruhen.

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