Die Huthi-Miliz im Jemen hat eigenen Angaben zufolge die größte Ölraffinerie Saudi-Arabiens angegriffen. Die Anlage in Ras Tanura am Persischen Golf sei mit einer ballistischen Rakete beschossen worden, erklärte der Militärsprecher der Huthis, Jahja Saree, am Dienstag laut der Nachrichtenagentur Reuters. Der Angriff habe einen Brand an der Anlage verursacht. Die saudischen Behörden bestätigten den Vorfall zunächst nicht.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg konnten die saudischen Einsatzkräfte in den frühen Morgenstunden des Dienstags einen Brand unter Kontrolle bringen. Dies berichtete eine mit dem Vorgang vertraute Person, die anonym bleiben wollte. Das Ausmaß der Schäden sei zunächst unklar gewesen. Die Pressestelle des Ölkonzerns Saudi Aramco und das Energieministerium hatten auf Anfragen von Bloomberg zunächst nicht reagiert.
Luftabwehr fängt Raketen ab
Saudi-Arabien erklärte nach Angaben von Bloomberg, die Luftabwehr habe drei ballistische Raketen abgefangen und zerstört, die die Huthis in Richtung der östlichen Region des Königreichs abgefeuert hätten.
Die Raffinerie Ras Tanura verfügt nach Angaben der AFP über eine Kapazität von 550.000 Barrel pro Tag. Am Standort im Osten des Landes befinden sich laut Bloomberg zentrale Anlagen, darunter die Exportinfrastruktur, die größte Raffinerie des Königreichs sowie zahlreiche Lagertanks. Fast die gesamten saudischen Ölausfuhren würden über die Häfen Ras Tanura und Yanbu am Roten Meer abgewickelt, berichtete Reuters. In den vergangenen Wochen wurden auch die Aramco-Zentrale, ein großes Ölfeld und Raffinerien im Westen des Landes attackiert.
Die Huthis erklärten nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP zudem, das saudiarabische Verteidigungsministerium in Riad angegriffen zu haben. Die Attacke sei mit einer ballistischen Rakete erfolgt, und diese habe ihr „Ziel erreicht“, schrieb Huthi-Sprecher Saree auf X. Journalisten der AFP hörten am Dienstag Explosionen in der Hauptstadt. Die Behörden fingen nach eigenen Angaben zwei in Richtung Riad abgefeuerte ballistische Raketen der Miliz ab und zerstörten sie.
Darüber hinaus nahmen die Huthis nach eigenen Angaben zwei militärische Transportflugzeuge im Süden Saudi-Arabiens ins Visier. Die Flugzeuge am Flughafen Nadschran sowie am König-Chalid-Luftwaffenstützpunkt in Chamis Muschait seien mit ballistischen Raketen angegriffen worden, schrieb Saree laut AFP. Die saudiarabischen Behörden hatten am Dienstag kurzzeitig vor einer Gefahrenlage in mehreren südlichen Regionen des Landes gewarnt, darunter in Nadschran und Chamis Muschait.
Der jemenitische Bürgerkrieg war im August wieder aufgeflammt, nachdem die USA und Israel Ende Februar den Iran angegriffen hatten. Seitdem sind laut Vereinten Nationen rund 260.000 Menschen vertrieben worden, die Weltgesundheitsorganisation berichtete diese Woche von fast 1600 Toten. Die Huthis attackieren seit Wochen die saudische Luftfahrt- und Energieinfrastruktur und haben dabei laut New York Times mindestens 22 Zivilisten getötet.
Kampagne gegen Kronprinz Mohammed bin Salman
Parallel zu den Angriffen führt die Huthi-Miliz nach Recherchen der New York Times eine Propagandakampagne gegen die Führung in Riad. Dabei greife die Gruppe auch auf Enthüllungen aus den vom US-Justizministerium freigegebenen Akten zum verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zurück. Den Akten zufolge sollen Vertraute des saudischen Königshauses Epstein, der säkularer Jude war, Wandbehänge geschickt haben, die zuvor die Kaaba in Mekka bedeckten. Die Kaaba ist das spirituelle Zentrum im Islam.
„Diejenigen, die Epstein die Hülle der Kaaba gaben, sind diejenigen, die Mekka angreifen“, erklärte der Huthi-Präsident Mahdi al-Maschat laut New York Times. Saudische Vertreter äußerten sich laut der Zeitung zu den Vorwürfen bislang nicht.
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