Der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt steht vor massiven Verschiebungen: Klassische Tätigkeiten in der Landwirtschaft, im Metallbau und in Teilen der Industrie verlieren an Gewicht, während Berufe in IT, Naturwissenschaften, Gesundheit und Technik zulegen. Das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor, welches zur Bundesagentur für Arbeit gehört. Sachsen-Anhalt ist demnach stärker betroffen als die Nachbarländer Sachsen und Thüringen.
Die Forscher haben die Beschäftigungsentwicklung in Mitteldeutschland von 2013 bis 2024 ausgewertet und eine Prognose bis 2040 erstellt. Ihr Befund: Der Wandel äußert sich nicht als schlichter Abbau industrieller Arbeitsplätze, sondern als Verschiebung hin zu moderneren, stärker spezialisierten Tätigkeiten. „Der Strukturwandel zeigt sich nicht als einfacher Abbau von Industrie, sondern als tiefgreifende Veränderung der Tätigkeiten und Anforderungen", erklärte Per Kropp vom IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen. Entscheidend sei deshalb vor allem Qualifizierung und Weiterbildung.
Laut der Studie ist der Bereich IT und Naturwissenschaften das einzige Segment, das bis 2040 tatsächlich wachsen soll. Auch technische Berufe in Mechatronik, Elektrotechnik sowie Forschung und Entwicklung gewinnen an Gewicht. Gleichzeitig werden Arbeitsplätze im Bau, im Handel, in der Produktion und in der Verwaltung anteilig zurückgehen. Im Dienstleistungsbereich – insbesondere in Gesundheits-, Sozial- und Kulturberufen – entstehen dagegen neue Stellen. Allerdings liegt Sachsen-Anhalt bei IT- und naturwissenschaftlichen Berufen weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt.
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Geringere Zahl an Brufstätigen
Die Gesamtzahl der Berufstätigen in Sachsen-Anhalt wird sich durch den demografischen Wandel ohnehin deutlich verringern: von derzeit rund einer Million auf voraussichtlich knapp 900.000 im Jahr 2040. Digitalisierung und Klimaschutz verändern zusätzlich zahlreiche Tätigkeitsprofile.
Auch auf regionaler Ebene gibt es erhebliche Unterschiede. Städte wie Suhl und Erfurt in Thüringen stechen durch besonders starke Veränderungen hervor. Das Anforderungsniveau in Sachsen-Anhalt ist laut den Autoren im zurückliegenden Jahrzehnt insgesamt gesunken. Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, verwies auf die Rolle der Weiterbildungsagenturen in beiden Bundesländern. Arbeitgeber suchten zunehmend Fachkräfte und müssten ihre Beschäftigten weiterentwickeln. Sein Appell: Unternehmen und Beschäftigte sollten die bestehenden Angebote nutzen, um sich frühzeitig auf künftige Anforderungen einzustellen.
Der Arbeitgeberpräsident von Sachsen-Anhalt, Marco Langhof, selbst IT-Unternehmer in Halle und Barleben, nannte den Trend „nicht überraschend" und sieht im IT-Bereich einen „nachgewiesenen Jobmotor". Allerdings warnte er vor übermäßigem Optimismus: Die derzeit schwierige Lage der Chemieindustrie im Süden des Landes hätten die Studienautoren noch gar nicht einpreisen können.
„Verunsicherung ist mit Händen zu greifen“
Mit Blick auf die anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt forderte Langhof die Parteien auf, Zukunftsstrategien zu entwickeln. „Die Menschen in Sachsen-Anhalt erwarten, dass ihnen Perspektiven geboten werden. Die Verunsicherung ist mit Händen zu greifen", sagte er.
Beim Thema Bildung wurde Langhof ebenfalls deutlich. Auf die Frage, ob Informatik und Naturwissenschaften in der Schule stärker gewichtet werden sollten, antwortete er zurückhaltend. Viele Unternehmen bemängelten seit Längerem, dass Schulabgänger grundlegende Kompetenzen nicht mehr beherrschten. „Lesen, Schreiben und Rechnen würde schon reichen", so der Arbeitgeberpräsident.
Unter den Auszubildenden in Sachsen-Anhalt bleibt derweil der Beruf des Verkäufers am beliebtesten. Fachinformatiker findet sich erst auf Platz acht. Bei den Studienanfängern gewinnt Informatik zwar an Zuspruch und liegt auf Rang fünf, erreicht aber noch nicht die Einschreibungszahlen von Lehramt oder Betriebswirtschaftslehre.
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