Wer in Sachsen oder Thüringen aufgewachsen ist, sagt bis heute Pfefferkuchen. Lebkuchen klingt dort nach Nürnberg und nach Westpaket.
Das Kuriose: Pfeffer braucht das Gebäck in aller Regel nicht. Auch in Pulsnitz nicht, der sächsischen Kleinstadt, die sich seit Jahrhunderten Pfefferkuchenstadt nennt und an diesem Wochenende ihren Pfefferkuchenmarkt feiert.
Warum heißt er Pfefferkuchen, wenn kein Pfeffer drin ist?
Schuld ist das Mittelalter. Damals stand „Pfeffer“ für jedes exotische Gewürz, das über die Handelswege nach Europa kam, Zimt und Nelken eingeschlossen.
Schon 1296 ist in Ulm die Bezeichnung „Pfefferkuchen“ belegt. Der Name hat also mit dem Gewürzregal zu tun, nicht mit der Pfeffermühle.
Jens Förster, der in Pulsnitz die Manufaktur E. C. Groschky führt, kommt laut der Deutschen Handwerks Zeitung ganz ohne Pfeffer aus.
Pfefferkuchen und Lebkuchen: Gibt es einen Unterschied?
Im Kern nein. Es ist dasselbe Gewürzgebäck mit Honig, nur mit zwei Namen – je nachdem, wo man aufgewachsen ist.
Woher das Wort Lebkuchen stammt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Durchgesetzt hat es sich im Süden und Westen. In Sachsen und Thüringen blieb es beim älteren Pfefferkuchen.
Pulsnitz: Seit 1558 die Pfefferkuchenstadt
In Pulsnitz, rund 25 Kilometer nordöstlich von Dresden, ist das Handwerk seit 1558 nachweisbar. Heute backen dort acht Pfefferküchlereien und eine Lebkuchenfabrik. Der älteste Familienbetrieb, die Pfefferküchlerei Löschner, wurde 1813 gegründet.
Wie lange der Teig hält, zeigt ein alter Brauch, von dem Obermeister Peter Kotzsch der Handwerkszeitung erzählt. Kam in einer Pfefferküchlerfamilie ein Sohn zur Welt, wurde ein Lagerteig angesetzt.
Die erste Hälfte wurde zur Konfirmation verbacken. Die zweite erst zur Hochzeit.
Pfefferküchler in der DDR: Ein Beruf, den die Bundesrepublik nicht kannte
In der DDR war Pfefferküchler ein eigener Lehrberuf mit eigenem Meister. Förster hat seinen Betrieb 1999 von seinem Großvater übernommen, der noch diesen Titel trug. „Denn in der DDR gab es noch diesen Abschluss“, sagt er.
Förster selbst begann 1988 eine Bäckerlehre. Den Meister machte er nach der Wende, als Bäckermeister mit Spezialisierung auf Pfefferkuchen.
Lange waren die Pulsnitzer mit ihrer Ware konkurrenzlos. Ab 1990 mussten sie sich gegen die Lebkuchenfabriken aus Nürnberg und Aachen behaupten, und ihr Lehrberuf fehlte in der bundesdeutschen Handwerksordnung, wie eine Folge der MDR-Reihe „Der Osten – Entdecke wo du lebst“ erzählt.
Heute gibt es den Pfefferküchler als Fortbildung bei der Handwerkskammer.
Teig aus der alten Knetmaschine: Pfefferküchler Ferdinand Reim in der Pfefferküchlerei E. C. Groschky in Pulsnitz. Die Manufaktur besteht seit 1825 (Archivbild von 2014).
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Pulsnitzer Spitzen: Der Klassiker ist jünger als gedacht
Am bekanntesten sind die Spitzen, kleine gefüllte Pfefferkuchen mit Schokoladenüberzug. Sie wirken uralt, sind es aber nicht.
„In den 1960er-Jahren gab es einen Trend hin zu weicheren Pfefferkuchen“, sagt Förster. Der Siegeszug der gefüllten Sorten begann also mitten in der DDR.
Jeder Betrieb hütet sein eigenes Rezept. Geschützt ist auch der Name: Als „Pulsnitzer Pfefferkuchen“ darf nur verkauft werden, was in Pulsnitz gebacken wurde.
Pfefferkuchenmarkt Pulsnitz 2026: Termin und Sonderzug aus Berlin
Der Markt läuft vom 6. bis 8. November, zum 22. Mal und nach Angaben von Sachsen Tourismus als einziger Pfefferkuchenmarkt Deutschlands.
Aus Berlin fährt am Samstag, 7. November, um 8.45 Uhr ein Sonderzug nach Pulsnitz. Tickets gibt es ab 74 Euro.
Wer den Termin verpasst, bekommt Pulsnitzer Spitzen ab dem 25. November auch auf dem Dresdner Striezelmarkt. Gebacken werden sie ohnehin seit September.
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