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Interkulturelles Sommerfest in Magdeburg: Wenn die Tanzfläche zur Brücke wird

In der Festung Mark wurde Magdeburg am 10. Juni zum Treffpunkt internationaler Studierender – mit Tanz, Musik und Begegnungen auf und neben der Bühne.

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Zwischen Beats, Streetfood und bunten Tanzkreisen kamen zum interkulturellen Sommerfest in der Festung Mark internationale Studierende der Stadt aus aller Welt zusammen.

Zwischen Beats, Streetfood und bunten Tanzkreisen kamen zum interkulturellen Sommerfest in der Festung Mark internationale Studierende der Stadt aus aller Welt zusammen.

© Michael Hünerbein

Die Musik setzt ein, innerhalb weniger Sekunden strömen junge Menschen vor die Bühne. Ein großer Kreis entsteht auf der Rasenfläche. Einige kennen die Schritte aus ihrer Heimat, andere machen einfach mit. Hände greifen ineinander, Zuschauer zücken ihre Handys, Jubel brandet auf. Für einen Moment scheint es nebensächlich, wer aus Magdeburg kommt und wer erst vor wenigen Monaten aus Indien, Syrien oder Kuba hierhergezogen ist.

Am 10. Juni fand in der Festung Mark das zweite Interkulturelle Sommerfest statt – ein Fest für Studierende der Stadt, vor allem aber für internationale Studierende. Auf der Bühne wechselten sich an diesem Abend unterschiedliche musikalische und tänzerische Beiträge ab: eine Band aus Indonesien, traditionelle Klänge aus Pakistan, spontane Gitarrenmomente eines indischen Musikers.

Rund um das Gelände präsentierte sich ein kulinarisches Panorama: Falafel, griechische Pita, lateinamerikanisches Streetfood und indische Spezialitäten. Auch Initiativen und Organisationen waren vertreten, darunter der CSD Magdeburg, eine internationale Entwicklungsorganisation sowie die Magdeburg-City-Com.

Eine Tanzfläche ohne Abstand

Gokul und Varun aus Indien studieren Digital Engineering an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg. Mit einem Bier in der Hand stehen die beiden am Rand, unterhalten sich und beobachten das Geschehen. Ihre Motivation, heute herzukommen, formulieren sie deutlich: Sommer, Spaß haben, Freunde treffen. Über das Fest haben sie Kontakte geknüpft – unter anderem zu Studierenden aus dem Iran. Begegnungen, die ohne solche Veranstaltungen vermutlich nicht zustande gekommen wären. Magdeburg brauche mehr davon, sagen beide.

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Auffällig ist, wie voll die Tanzfläche den gesamten Abend über ist. Solange Musik läuft, wird getanzt. Es gibt wenig bis keine Berührungsängste, den Studierenden steht die Freude buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Als eine indische Tanzgruppe in traditionellen Saris auftritt, eskaliert die Stimmung im positiven Sinne: Applaus, Jubel, Handys in der Luft. Die indische Community in Magdeburg ist sichtbar stark vertreten – und feiert entsprechend emotional mit.

„Begegnung muss möglich gemacht werden“

„Es geht darum, Menschen zusammenzubringen, Begegnungen überhaupt möglich zu machen und Brücken zu bauen zwischen internationalen und einheimischen Menschen“, sagt Christian Szibor, Geschäftsführer der Festung Mark. „Es reicht nicht, ein Fest zu machen und zu erwarten, dass sich danach alle in den Armen liegen. Man muss Begegnungen ermöglichen“, erklärt er.

Er sagt nicht „Wir sind alle gleich“, denn das stimme so auch gar nicht. Jeder hier hat eine andere Heimat, andere Interessen, eine andere Kultur. Unterschiedliche Herkunft, Erfahrungen und Kulturen sollen sichtbar bleiben – und gerade dadurch in Beziehung treten. Miteinander entstehe, wenn Menschen neugierig aufeinander werden, sagt er.

Blick auf die volle Tanzfläche: Beim Interkulturellen Sommerfest in der Festung Mark feiern Studierende und Besucher gemeinsam vor der Bühne.

Blick auf die volle Tanzfläche: Beim Interkulturellen Sommerfest in der Festung Mark feiern Studierende und Besucher gemeinsam vor der Bühne.

© Michael Hünerbein

Das interkulturelle Sommerfest ist nicht zu verwechseln mit dem, im zweijährigen Turnus stattfindenden, Fest der Kulturen. Bei diesem sind mehr oder weniger die Internationals die Veranstalter. Sie präsentieren an vielen Ständen ihr Herkunftsland. „Heute sollen die internationalen Studierenden nicht Gastgeber sein, sondern einfach Gäste, die gemeinsam feiern können“, so Szibor.

Der Moderator des Abends, Max Nehrig, der zwischendurch die Menge anheizt und die nächsten Programmpunkte ankündigt, beschreibt das Fest als eine bunte Mischung aus allem – sowohl die kulinarische, musikalische und tänzerische Vielfalt als auch das internationale Publikum machen diesen Abend zu etwas ganz Besonderem. „Interkulturell bedeutet für mich, dass aus allen Kulturen weltweit alle zusammenkommen, sich an einem Ort treffen und zeigen, wie vielfältig und bunt die Kultur der Welt ist“, erklärt er.

Geschichte auf der Festungsmauer

Das Highlight des Sommerfestes wartet nur darauf, dass die Sonne langsam untergeht und den Wall der Festung in Schatten taucht. Während im Vordergrund die Band Banda Comunale ihre letzten Songs singt, beginnt sich die Außenwand der Festung zu verändern. Kleine Kästchen werden präzise auf die Fassade ausgerichtet. Dahinter steckt der Magdeburger Künstler Stefan Haberkorn, der das Projection Mapping vorbereitet – ein multimediales Lichtkunstwerk, das die Geschichte der Stadt erzählen wird. „Das Besondere bei meinen Sachen ist, dass ich verschiedenstes miteinander verbinde“, erklärt er seine Arbeit.

Die Festungsmauer wird zur Leinwand: Das Projection Mapping von Stefan Haberkorn zeigt Szenen der Zerstörung und des Wiederaufbaus Magdeburgs.

Die Festungsmauer wird zur Leinwand: Das Projection Mapping von Stefan Haberkorn zeigt Szenen der Zerstörung und des Wiederaufbaus Magdeburgs.

© Michael Hünerbein

Als es losgeht, wird das schnell deutlich. Haberkorn vereint bei seinem visuellen, projizierten Mapping 3D-Effekte, künstliche Intelligenzen und viel Spiel mit Farben und Licht miteinander. Auf der Mauer entfaltet sich die Geschichte Magdeburgs in eindringlichen Bildern: Zerstörung im Jahr 1631, Wiederaufbau, erneute Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Einschläge, Trümmer, der Dom, die Magd von Magdeburg – alles erscheint in Bewegung auf der historischen Mauer.

Im Anschluss folgt der Wiederaufbau. Aus den Bildern der Zerstörung entstehen neue Strukturen, Formen, Stadtentwürfe. Die Projektion wird abstrakter, versöhnlicher – ein visuelles Nachzeichnen von Heilung und Veränderung. Während die Projektion langsam zur Ruhe kommt und die Mauer der Festung wieder nur eine Mauer ist, wandern nach und nach die Besucher und Studenten ins Innere der Location, wo bereits die nächste Tanzfläche der Aftershow-Party wartet.

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