Die LNG-Lieferungen aus Katar in die EU sind wegen des Iran-Kriegs massiv eingebrochen. Das belegen neue Daten des Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA). Demnach sind die LNG-Importe der EU aus dem Emirat zwischen März und Mai von 3,7 Milliarden Kubikmetern im Vorjahr auf 1,2 Milliarden gesunken.
Gleichzeitig erreichten in den ersten fünf Monaten des Jahres 114 LNG-Ladungen aus dem russischen Yamal-Projekt die EU-Terminals. Wie aktuelle Schiffverfolgungsdaten von Kpler zeigen, bezog die EU zwischen Januar und Mai 2026 insgesamt 8,37 Millionen Tonnen Flüssigerdgas aus der russischen Anlage in der Arktis – ein Anstieg von 17,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Und das, obwohl die EU den Import von russischem Gas ab 2027 komplett verbieten will.
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Der Iran-Krieg hat Katars LNG-Infrastruktur hart getroffen. Die weltweit größte Anlage für verflüssigtes Erdgas (LNG) im katarischen Ras Laffan wurde durch einen iranischen Angriff Anfang März schwer beschädigt, die Produktion wurde anschließend eingestellt. Die Auswirkungen auf den Markt sind gravierend. Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten LNG stammt aus Ras Laffan. In den letzten Wochen haben laut Bloomberg nur zwölf LNG-Tanker aus Katar ihre Lieferungen aufgenommen. Die Schiffe hatten nach der Beladung in Ras Laffan wegen der Blockade der Straße von Hormus teils Monate im Persischen Golf festgesteckt.
Der LNG-Mangel aus Katar stellt Europa vor große Herausforderungen, die Berliner Zeitung berichtete ausführlich. „Das könnte die LNG-Industrie grundlegend verändern, ähnlich wie der Anschlag auf Nord Stream, oder vielleicht sogar noch schlimmer“, sagte Susan Sakmar, Gastdozentin am University of Houston Law Center. „Die Lieferungen aus Katar könnten monatelang, im schlimmsten Fall sogar jahrelang ausfallen“, erklärte Arne Lohmann Rasmussen, Chefanalyst bei Global Risk Management. Die Krise auf dem Gasmarkt werde selbst mit einem Ende des Krieges und der Wiederöffnung der Straße von Hormus nicht so schnell enden, warnte er.
Spanien erhöht russische LNG-Importe um 45 Prozent
Die fehlenden Lieferungen aus Katar kompensiert die EU nun offenbar unter anderem durch verstärkte Importe aus Russland. Die 114 LNG-Ladungen in den ersten fünf Monaten entsprechen etwa einem Tanker alle 1,3 Tage. Europa war in diesem Zeitraum für 96,7 Prozent der Yamal-Exporte verantwortlich, während lediglich vier Ladungen nach China geliefert wurden. Allein im Mai wurden 23 von 25 Yamal-LNG-Ladungen mit einem Gesamtvolumen von 1,7 Millionen Tonnen an EU-Häfen geliefert – 20,7 Prozent mehr als im Mai 2025.
Vor allem Spanien bezieht immer mehr russisches LNG. Das Land ist im Mai erstmals seit Juli 2024 wieder zum größten Importeur von Yamal-LNG geworden. Laut den Kpler-Daten hat Spanien im vergangenen Monat acht Lieferungen aus der russischen Anlage mit einem Gesamtvolumen von 586.279 Tonnen erhalten. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 importierte Spanien 2,13 Millionen Tonnen Yamal-LNG in 29 Lieferungen – ein Anstieg von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
In den ersten fünf Monaten des Jahres hat die EU 114 LNG-Ladungen aus dem russischen Yamal-Projekt (siehe Bild) importiert – 17,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
© Maksim Blinov/imago
Mehr LNG aus Russland: Greifen die EU-Sanktionen nicht?
Der Anstieg der Importe ist deswegen brisant, weil Europa zahlreiche Sanktionen gegen russisches LNG plant oder bereits eingeführt hat. Ab 2027 will die EU alle Gaslieferungen aus Russland verbieten. Zudem dürfen europäische Unternehmen seit dem 25. April keine sogenannten Spotkäufe und kurzfristigen Lieferverträge für russisches Flüssigerdgas mehr abschließen. Und: Im Rahmen ihres neuen Sanktionspakets will die EU den Verkauf von LNG-Tankern an Russland verbieten.
„Das kurzfristige Vertragsverbot hat bisher keine sichtbaren Auswirkungen gezeigt, da eine zeitliche Lücke in den Regeln seine Wirkung abschwächt“, kritisierte Sebastian Rötters, Sanktionsexperte bei Urgewald. „Das ist enttäuschend.“ Gemäß den EU-Vorschriften wurden Importe im Rahmen von Kurzzeitverträgen, die vor dem 17. Juni 2025 abgeschlossen wurden, ab dem 25. April dieses Jahres verboten. Neue Importverträge für russisches LNG sind seit dem 18. März untersagt. Analysten gehen davon aus, dass eine Lücke zwischen diesen Daten es ermöglicht hat, dass weiterhin ein erhebliches Kaufvolumen zustande kam.
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Auch ein Beispiel aus Dänemark zeigt, dass die westlichen Sanktionen teilweise verpuffen. Die Werft Fayard in Munkebo (Dänemark) übernimmt nach wie vor Wartungsarbeiten an sogenannten Arc7-Eisbrecher-Tankern, die für Russlands LNG-Handel in der Arktis von großer Bedeutung sind – die Berliner Zeitung berichtete. Allein im vergangenen Jahr wurden fünf Tanker aus der Yamal-Flotte in der dänischen Werft gewartet. In diesem Sommer sollen offenbar sechs weitere Reparaturen anstehen.
Wie die EU die fehlenden Mengen ab 2027 ersetzen will, ist derzeit noch unklar. Allerdings verdichten sich die Anzeichen, dass Europa angesichts der weltweiten LNG-Lieferengpässe und der hohen Marktpreise infolge des Iran-Kriegs große Mühe hat, sich konsequent von russischem Flüssigerdgas zu verabschieden.
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