US-Vizepräsident JD Vance hat offenbar einen neuen Versuch gestartet, die festgefahrenen Verhandlungen mit dem Iran wiederzubeleben. Nach Berichten des Wall Street Journal und der New York Times wandte er sich in einem Brief an Mohsen Resai, den Generalsekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats des Irans. Der frühere Kommandeur der Revolutionsgarden gehört zu den einflussreichen Vertretern des iranischen Sicherheitsapparats.
Vance habe direkte Gespräche vorgeschlagen und angeboten, die amerikanische Delegation persönlich zu führen, berichtet die New York Times unter Berufung auf einen hochrangigen US-Beamten und einen iranischen Regierungsvertreter. Der Brief sei über katarische Vermittler übermittelt und am Sonntag, dem 25. Oktober, an Resai übergeben worden.
Nach Darstellung des iranischen Vertreters habe Teheran die Initiative positiv aufgenommen. Eine offizielle Antwort Resais werde für Donnerstag erwartet. Gespräche könnten bereits kommende Woche in Katar oder der Türkei beginnen. Bestätigt ist das bislang nicht. Der Brief selbst ist nicht öffentlich.
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Warum Vance ausgerechnet Irans Sicherheitschef kontaktiert
Resai, der früher die iranischen Revolutionsgarden befehligte, gilt als einflussreicher Vertreter der harten Linie und hat direkten Zugang zum Obersten Führer Modschtaba Chamenei. Nach Angaben der New York Times wollen die USA damit Unterstützung innerhalb des iranischen Sicherheitsapparats gewinnen.
Dem Wall Street Journal zufolge geht es zunächst um einen Rahmen für neue Verhandlungen, nicht um ein ausgearbeitetes Friedensabkommen. Axios berichtet unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter über eine Bedingung: Das iranische Atomprogramm müsse von Beginn an Gegenstand der Gespräche sein. Washington fordert Zugeständnisse in der Atomfrage, während der Iran zunächst eine Lockerung der amerikanischen Blockade und wirtschaftliche Erleichterungen verlangt.
Trump bestätigt Kontakt, erklärt den Brief aber anders
Präsident Donald Trump bestätigte am Mittwoch, dass Vance den Kontakt mit ihm besprochen habe. Sein Vizepräsident habe ihn gefragt, ob er den Brief schreiben solle. Er habe ihm daraufhin freie Hand gelassen. Den Inhalt schilderte Trump jedoch anders als die Medienberichte: Es gehe vor allem darum, dem Iran bei der Beschaffung von Medikamenten und anderen Hilfsgütern zu helfen.
Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund neuer möglicher Angriffe der USA und Israels auf den Iran. Das Wall Street Journal berichtete, Washington habe mehrere arabische Golfstaaten aufgefordert, sich auf einen kurzen, intensiven Militäreinsatz nach den US-Zwischenwahlen am 3. November einzustellen. Eine endgültige Entscheidung über Angriffe habe Trump aber noch nicht getroffen.
Nach Angaben von Axios werden unter anderem Angriffe auf iranische Führungsstrukturen, Atom- und Energieanlagen erwogen.
Katar sucht Kompromiss bei iranischen Atomanlagen
Parallel zu Vances Brief bemühen sich Katar und weitere regionale Vermittler um eine Vereinbarung. Nach Axios-Informationen drängen sie den Iran, Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde wieder Zugang zu bombardierten Atomanlagen zu gewähren. Im Gegenzug stehen Erleichterungen bei Sanktionen, Ölexporten und eingefrorenen Geldern im Raum.
Bei den parallelen Vermittlungsbemühungen gibt es jedoch Widerstand. Während die New York Times von einer positiven Aufnahme des Briefes berichtet, wies ein hochrangiger iranischer Vertreter gegenüber Reuters die jüngsten Vorschläge der katarischen Vermittler zurück. Er bezeichnete sie als inakzeptabel. Die Kritik richtete sich nicht ausdrücklich gegen Vances Brief.
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Irans Außenminister Abbas Araghtschi bekräftigte am Mittwoch die Gesprächsbereitschaft seines Landes. Die Streitkräfte seien zur Verteidigung bereit, doch der Iran gebe der Diplomatie weiterhin eine Chance, schrieb er auf X. Man stehe in engem Kontakt mit Vermittlern und prüfe Vorschläge, den iranischen Sieben-Tage-Plan sogar schneller umzusetzen.
Der Plan sieht eine schrittweise Verständigung mit den USA und eine Wiederöffnung der Straße von Hormus vor, sofern Washington iranische Bedingungen erfüllt. Dazu gehören die Aufhebung der amerikanischen Seeblockade und die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte. Trump hatte einen früheren Entwurf abgelehnt.
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