Im Fall des 2019 gestorbenen amerikanischen Millionärs Jeffrey Epstein ist offenbar ein bislang unbekannter mutmaßlicher Abschiedsbrief unter Verschluss gehalten worden. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf Gerichtsunterlagen und Interviews.
Demnach soll ein damaliger Zellengenosse Epsteins den handgeschriebenen Zettel wenige Tage nach einem ersten Vorfall im Gefängnis entdeckt haben, bei dem Epstein bewusstlos in seiner Zelle gefunden worden war. Der Brief wurde später im Zusammenhang mit einem anderen Strafverfahren versiegelt und liegt seither in einem Gerichtsarchiv in New York. Die Zeitung beantragte nun die Freigabe des Dokuments.
Brief soll Formulierung „time to say goodbye“ enthalten
Laut dem ehemaligen Zellengenossen Nicholas Tartaglione soll auf dem Zettel unter anderem gestanden haben: „Time to say goodbye.“ Außerdem habe Epstein sinngemäß geschrieben, Ermittler hätten monatelang gegen ihn ermittelt und „nichts gefunden“.
Ob der Brief tatsächlich von Epstein stammt, ist bislang nicht öffentlich bestätigt. Die New York Times erklärt, sie habe das Dokument selbst nicht einsehen können. Auch das amerikanische Justizministerium teilte dem Bericht zufolge mit, den Brief nie gesehen zu haben. Gerichtsunterlagen deuten jedoch darauf hin, dass Anwälte Tartagliones den Zettel durch Handschriftexperten prüfen ließen. Demnach sei das Schreiben später offenbar als echt eingestuft worden. Details dazu bleiben jedoch unklar.
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Zettel landete später in Gerichtsarchiv
Eine interne Chronologie aus den inzwischen veröffentlichten Epstein-Unterlagen beschreibt laut der Zeitung auch, wie der mutmaßliche Abschiedsbrief schließlich unter Verschluss geriet. Demnach informierte Tartaglione seinen Anwalt Bruce Barket wenige Tage nach dem Vorfall im Juli 2019 über den Fund des Zettels. Weil ihm der Zugang zu seiner Zelle zeitweise verwehrt worden sei, habe später ein weiterer Anwalt, John Wieder, das Schriftstück entgegengenommen.
Laut den Unterlagen versuchten die Anwälte zunächst mehrfach erfolglos, die Echtheit des Dokuments überprüfen zu lassen. Ende 2019 oder Anfang 2020 sei die Notiz dann offenbar doch authentifiziert worden. Wie genau dies geschah, bleibt offen.
In einem Podcast sagte Tartaglione später, seine damaligen Anwälte hätten Handschriftexperten hinzugezogen, um sicherzustellen, dass der Zettel nicht von ihm selbst stamme. Der Richter Kenneth Karas ordnete schließlich an, das Schriftstück beim Gericht zu hinterlegen. Der Anwalt Wieder bestätigte der New York Times, den Brief persönlich bei einem Gerichtsmitarbeiter abgegeben zu haben. Warum das Dokument anschließend versiegelt wurde, ist weiterhin unklar.
Brief spielte offenbar keine Rolle bei Ermittlungen
Auffällig ist laut dem Bericht, dass der mutmaßliche Brief in offiziellen Untersuchungen zu Epsteins Tod offenbar keine Rolle spielte. Auch ein Bericht der Generalinspektion des US-Justizministeriums aus dem Jahr 2023 erwähnt ihn demnach nicht.
Epstein war am 10. August 2019 tot in seiner Gefängniszelle in Manhattan gefunden worden. Die offizielle Todesursache lautet Suizid. Der Fall löste jedoch weltweit Spekulationen und Zweifel aus – auch wegen zahlreicher Pannen und Widersprüche rund um die Überwachung des Gefängnisses.
So war bekannt geworden, dass Sicherheitsprotokolle teilweise fehlerhaft oder gefälscht waren. Zudem gab es Diskussionen über Überwachungsvideos, Autopsiebefunde und die Frage, ob Epstein vor seinem Tod ausreichend überwacht wurde.
Zellengenosse weist Vorwürfe zurück
Der ehemalige Zellengenosse Tartaglione bestreitet seit Jahren Vorwürfe, Epstein angegriffen zu haben. Nach einem Vorfall im Juli 2019 hatte Epstein zunächst erklärt, sein Zellengenosse habe ihn verletzt. Wenige Tage später soll er laut Gefängnisunterlagen wiederum angegeben haben, keine Probleme mit Tartaglione zu haben.
Tartaglione, ein früherer Polizist, wurde inzwischen in einem anderen Fall wegen vierfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Er bestreitet die Vorwürfe und versucht weiterhin, gegen das Urteil vorzugehen.
Nach eigener Darstellung fand er den mutmaßlichen Epstein-Brief in einem Comicbuch in der gemeinsamen Zelle versteckt. Seine Anwälte hätten das Dokument später an ein Gericht übergeben. Warum der Brief bis heute unter Verschluss blieb, ist unklar. Ein Gerichtssprecher wollte gegenüber der New York Times die Existenz versiegelter Dokumente nicht kommentieren.
Das System Epstein
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