Ein Flugzeug ohne klassische Rumpfform, dafür mit deutlich geringerem Treibstoffverbrauch: Das US-Start-up JetZero arbeitet nach eigenen Angaben an einem Passagierjet, der den Kerosinverbrauch im Vergleich zu heutigen Flugzeugen um bis zu 50 Prozent senken soll. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, entsteht derzeit in der Mojave-Wüste in Kalifornien erstmals ein flugfähiger Demonstrator in Originalgröße. Der erste Testflug ist für Ende kommenden Jahres geplant.
Der geplante Jet bietet Platz für mehr als 200 Passagiere und richtet sich an das Marktsegment, das früher vor allem von den Boeing-Modellen 757 und 767 bedient wurde und heute überwiegend von vergleichbaren Flugzeugen von Boeing und Airbus geprägt wird. Sollte der Test erfolgreich verlaufen, will JetZero die Serienproduktion ab 2030 an einem neuen Standort im US-Bundesstaat North Carolina vorbereiten.
Das US-Start-up JetZero will mit seinem neuartigen Passagierjet ab 2030 Airbus und Boeing Konkurrenz machen. Der erste Testflug des Demonstrators ist für Ende 2027 geplant.
© JetZero
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Flügel und Rumpf verschmelzen zu einer Einheit
Anders als herkömmliche Verkehrsflugzeuge besitzt das Modell keinen röhrenförmigen Rumpf. Stattdessen gehen Flügel und Kabine fließend ineinander über. Luftfahrtingenieure sprechen von einem sogenannten „Blended Wing Body“. Die ungewöhnliche Form soll den Luftwiderstand deutlich verringern und damit den Treibstoffverbrauch erheblich senken.
Auch im Innenraum wären Veränderungen möglich. Nach Angaben des Unternehmens bietet die breite Kabine mehr Spielraum für neue Sitzanordnungen, größere Fenster sowie flexiblere Bereiche für Küchen und Toiletten. Die Triebwerke sitzen oberhalb des hinteren Flugzeugteils, wodurch zugleich die Lärmbelastung am Boden sinken soll.
NASA erforscht das Konzept seit Jahrzehnten
Die Idee ist nicht neu. Die US-Raumfahrtbehörde NASA untersucht das Konzept bereits seit mehr als 30 Jahren. Ein Verkehrsflugzeug in Originalgröße wurde jedoch bislang nie gebaut. „Niemand hat das zuvor gemacht“, sagte JetZero-Chef Tom O'Leary Reuters. Man greife auf bestehende Technologien und jahrzehntelange NASA-Forschung zurück.
Der Demonstrator wird mit Unterstützung der US-Luftwaffe entwickelt und von der Northrop-Grumman-Tochter Scaled Composites gebaut. Als Antrieb dienen Pratt-&-Whitney-Triebwerke, wie sie auch bei der Boeing 757 eingesetzt werden.
Airlines investieren bereits Millionen
Obwohl das Projekt noch in der Erprobungsphase steckt, haben mehrere große Fluggesellschaften bereits investiert. United Airlines und Alaska Airlines gehören zu den Unterstützern des Unternehmens. United sicherte sich zudem eine Option zum Kauf von bis zu 100 Flugzeugen sowie weitere Kaufrechte für zusätzliche Maschinen.
Im Januar sammelte JetZero in einer Finanzierungsrunde nach Unternehmensangaben 175 Millionen US-Dollar ein. Weitere Investoren sind Northrop Grumman und RTX Ventures.
Experten sehen Chancen – aber auch enorme Risiken
In der Luftfahrtbranche gilt das Vorhaben als äußerst ambitioniert. Luftfahrtexperte Richard Aboulafia von AeroDynamic Advisory sagte Reuters, JetZero habe viele Beobachter überrascht. Nun müsse das Unternehmen jedoch zunächst beweisen, dass die versprochenen Effizienzgewinne tatsächlich erreichbar seien. Anschließend stünden milliardenschwere Investitionen und ein jahrelanger Zertifizierungsprozess bevor.
Auch Bjorn Fehrm vom Analysehaus Leeham News äußerte sich zurückhaltend. Das Konzept eigne sich möglicherweise besser für Militärflugzeuge als für den zivilen Passagierverkehr. Ob Reisende tatsächlich schon in wenigen Jahren mit einem solchen Flugzeug fliegen werden, lasse sich derzeit noch nicht beurteilen.
Sollte der erste Testflug erfolgreich verlaufen, könnte JetZero jedoch erstmals seit Jahrzehnten ernsthaft in den Markt der großen Passagierflugzeuge vorstoßen – ein Bereich, der bislang nahezu vollständig von Airbus und Boeing dominiert wird.
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