DFB

Die Form steht über allem: Klopp holt Füllkrug zurück und lässt Adeyemi daheim

Mit seiner zweiten Kadernominierung als Bundestrainer bestätigt Jürgen Klopp weitestgehend das Leistungsprinzip beim DFB – doch es gibt auch Ausnahmen.

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Bundestrainer Jürgen Klopp sorgt mit seiner Nominierung für wenige Überraschungen.

Bundestrainer Jürgen Klopp sorgt mit seiner Nominierung für wenige Überraschungen.

© Christian Charisius/dpa

Jürgen Klopp musste in den vergangenen Tagen einige schwere Entscheidungen treffen. Statt 44 Spielern nominierte er für sein zweites Camp als Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft nur noch 24 Spieler für die anstehenden Länderspiele in Serbien (13.11.) und gegen die Niederlande (16.11.) im Berliner Olympiastadion. Dabei belohnt er jene Spieler, die während seiner ersten Spiele der Nations League besonders herausgestochen haben oder sich seitdem im Verein in den Vordergrund gespielt haben.

„Form schlägt alles andere“, sagte er im Interview beim offiziellen Sender des DFB, in dem er seinen Kader erklärte. Und in den meisten Fällen bestätigten seine Nominierungen diese Worte.

Klopp holt Füllkrug zurück und überrascht mit Mohya

Klopp belohnte etwa Niclas Füllkrug für seinen starken Saisonbeginn. Der Stürmer von Werder Bremen führt mit neun Toren die Torjägerliste der Bundesliga an. „Wenn morgen die Europameisterschaft wäre, würden wir ihn natürlich mitnehmen. Unter dem Aspekt war die Nominierung dann relativ leicht“, erklärte Klopp.

Niclas Füllkrug jubelt über sein Tor zum 1:0 gegen TSG 1899 Hoffenheim.

Niclas Füllkrug jubelt über sein Tor zum 1:0 gegen TSG 1899 Hoffenheim.

© Carmen Jaspersen/dpa

Neu dabei ist außerdem Wael Mohya von Borussia Mönchengladbach, der sich im bisherigen Saisonverlauf in den Vordergrund gespielt hat. „Es gibt jetzt nicht viele 17-Jährige, die aktuell Bundesliga spielen, das allein ist ja schon ein herausragendes Merkmal, aber er macht es auch gut, er macht es wirklich gut“, lobte der Bundestrainer.

Ähnliches gilt für den drei Jahre älteren Said el Mala vom 1. FC Köln und den 18-Jährigen Lennart Karl vom FC Bayern oder Younes Ebnoutalib bei Eintracht Frankfurt, die sich vor allem über ihre Vereinsleistungen für den DFB empfehlen konnten.

Ex-Herthaner Scherhant bekommt Heimspiel in Berlin

Im DFB-Dress überzeugten vor allem Rechtsverteidiger Philipp Treu und sein Vereinskollege vom SC Freiburg, Derry Scherhant. „Derry war die positive Überraschung des ersten Camps“, lobte Klopp den ehemaligen Spieler von Hertha BSC, der am 16. November in Berlin in seiner Geburtsstadt spielen könnte.

Diese Spieler haben sich durch ihre Leistungen im Verein oder unter Klopp beim DFB eine Nominierung verdient, genau wie jene, an denen ohnehin kein Vorbeikommen ist, Joshua Kimmich oder Nico Schlotterbeck, die längst etabliert sind.

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Warum Adeyemi nicht nominiert ist

Gemessen an seinen eigenen Worten, nach denen die Form entscheidend sei, ist außerdem konsequent, dass Karim Adeyemi dieses Mal nicht im Kader steht. Der 24-Jährige zeigte im September noch einen guten Auftritt beim DFB, auch wenn er dabei im Abschluss etwas unglücklich agierte. Auch im Verein, beim FC Barcelona, lief es in der Anfangsphase der Saison. Nun aber wartet der Angreifer seit Mitte September auf eine Torbeteiligung und sieht immer weniger Spielzeit auf dem Platz.

Karim Adeyemi saß beim FC Barcelona in der Champions League gegen Aston Villa zuletzt 90 Minuten auf der Bank.

Karim Adeyemi saß beim FC Barcelona in der Champions League gegen Aston Villa zuletzt 90 Minuten auf der Bank.

© JOSEP LAGO/AFP

Klopps Ausnahmen vom Leistungsprinzip

Einige wenige Ausnahmen von seinem Prinzip machte Klopp aber auch. So fehlt Yann Aurel Bisseck im Kader, der sich bei Inter Mailand in der Innenverteidigung durchgesetzt hat. Stattdessen ist Malick Thiaw dabei, der zuletzt bei Newcastle aus der Startelf gefallen ist. Klopp erklärt die Entscheidung für den ehemaligen Schalke-Profi aber mit seinen Eindrücken aus dem vorherigen DFB-Camp: „Er hat es bei uns einfach so gut gemacht, dass wir den Jungen dabei haben wollen.“

Am kuriosesten erscheint unter Klopps Prämisse allerdings die Nichtnominierung von Ridle Baku zugunsten des Stuttgarters Finn Jeltsch. Baku traf zuletzt am vergangenen Mittwoch in der Champions League für RB Leipzig gegen Manchester City und spielt bisher eine sehr ordentliche Saison. In Abwesenheit des verletzten Josha Vagnoman erschien es logisch, dass Baku, der beim vorigen Camp nicht spielen durfte, nun seine Chance als Ersatz für Treu bekommen würde.

Klopp entschied sich anders. Der Bundestrainer zog Finn Jeltsch vor, einen Innenverteidiger vom VfB Stuttgart, dessen bisherige Saison nicht unbedingt die Erwartungen erfüllen konnte. „Jetzt geht es vielleicht mal gerade nicht so leicht von der Hand im Verein. Aber für uns ist die Idee einfach, ihn auf Rechtsverteidiger auch mal zu sehen“, sagte Klopp.

Mit der Variante Jeltsch könne er außerdem das Aufbauspiel flexibler gestalten als mit Baku. Gleiches gelte auf der anderen Verteidigungsseite, wo Klopp Maximilian Mittelstädt gegenüber David Raum bevorzugte.

Aufreger gibt es nicht

In der Summe, so scheint es auf den ersten Blick, hat Jürgen Klopp trotz dieser leicht kontroversen Entscheidungen einen Kader zusammengestellt, an dem nur wenige Fans und Experten etwas zu meckern haben dürften. In weiten Teilen war mit diesem Kader schon im Voraus zu rechnen. Spannender wird nun sein, wen Klopp in den Spielen in Serbien und gegen die Niederlande in die Startelf stellen wird. Und vor allem, wie die deutsche Nationalmannschaft in der zweiten Länderspielpause der Ära Klopp auftreten wird.

Das komplette deutsche Aufgebot

Tor: Alexander Nübel (Besiktas), Marc-André ter Stegen (Ajax Amsterdam), Jonas Urbig (Bayern München)

Abwehr: Waldemar Anton (Borussia Dortmund), Nathaniel Brown (Bayern München), Finn Jeltsch (VfB Stuttgart), Maximilian Mittelstädt (VfB Stuttgart), Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), Jonathan Tah (Bayern München), Malick Thiaw (Newcastle United), Philipp Treu (SC Freiburg)

Mittelfeld: Tom Bischof (Bayern München), Said El Mala (1. FC Köln), Brajan Gruda (RB Leipzig), Lennart Karl (Bayern München), Joshua Kimmich (Bayern München), Wael Mohya (Borussia Mönchengladbach), Felix Nmecha (Borussia Dortmund), Aleksandar Pavlovic (Bayern München), Derry Scherhant (SC Freiburg), Florian Wirtz (FC Liverpool)

Angriff: Younes Ebnoutalib (Eintracht Frankfurt), Niclas Füllkrug (Werder Bremen), Kai Havertz (FC Arsenal)

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