Mit der Thüringer Porzellanmanufaktur Kahla verschwindet nach 182 Jahren Unternehmensgeschichte weit mehr als eine traditionsreiche Marke – es ist das greifbare, bittere Symptom einer Realitätsverweigerung in der deutschen Wirtschafts- und Energiepolitik. Wenn ein industrielles Aushängeschild vor allem deshalb schließen muss, weil die Grundlagen des Standorts systematisch entzogen wurden, hinterlässt das ein tiefes Misstrauen in die Handlungsfähigkeit der Politik.
Es fehlte am Ende schlicht jede wirtschaftliche Grundlage für eine dauerhafte Fortführung des traditionsreichen Unternehmens. Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Allein die monatlichen Gaskosten beliefen sich zuletzt auf 150.000 bis 180.000 Euro. Nimmt man die Ausgaben für Strom dazu, sind es insgesamt 200.000 Euro.
Fehlende Brückenlösung für den Mittelstand
Dass eine energieintensive Herstellung von Porzellan unter solchen Bedingungen in Deutschland nicht mehr kostendeckend zu betreiben ist – zumal notwendige Preiserhöhungen am Markt von den Kunden nicht akzeptiert werden –, ist die logische, wenn auch traurige Konsequenz.
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Vor diesem Hintergrund wirken die jüngsten und wiederkehrenden Äußerungen der ehemaligen Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt, Bündnis 90/Die Grünen, beinahe zynisch, wenn sie den Verlust von „einem Stück Heimat, Generationen von Handwerk und Tradition“ beklagt. Sie hat Recht.
Hier geht etwas unwiederbringlich verloren. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass ihre Partei dafür eine Mitverantwortung trägt. Sie hat die ideologisch getriebene Energiewende maßgeblich forciert, ohne tragfähige, bezahlbare Brückenlösungen für den Mittelstand und die Industrie in Deutschland zu sichern. Und Brennöfen lassen sich mit ihren Temperaturen von bis zu 1400 Grad Celsius nun mal nicht wetterabhängig mit firmeneigenen Windkraft- oder Solaranlagen betreiben.
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Wer über Jahre hinweg Rahmenbedingungen schafft, die die Energiepreise explodieren lassen, darf am Ende nicht über die unweigerlichen Resultate dieser Politik „jammern“. Diese Krokodilstränen helfen den noch verbliebenen 96 Beschäftigten, die nun zum Jahresende endgültig ihre Arbeitsplätze verlieren, reichlich wenig.
Besonders schmerzhaft ist das Aus, weil es nicht an ihnen lag. Die Verbundenheit der Belegschaft mit ihrem Werk, das schon zwei Insolvenzen überstanden hat, ist so groß, dass der Erfurter Insolvenzverwalter Rolf Rombach sie ausdrücklich in seiner Erklärung betont. Ein ehemaliger Produktionsleiter wurde eigens aus dem Ruhestand zurückgeholt, in der Hoffnung, das Ende von Kahla Porzellan noch abwenden zu können.
Das bittere Fazit: Ein Traditionsbetrieb stirbt – in Würde und unter großer Anteilnahme seiner langjährigen Kunden, die sich jetzt im Werksverkauf noch Erinnerungsstücke sichern und dafür lange in Warteschlangen ausharren. Doch die politischen Akteure, die diesen wirtschaftlichen Kahlschlag mitzuverantworten haben, lassen jegliche Selbstreflexion vermissen. Dabei ist Kahla Porzellan kein Einzelfall, sondern ein mahnendes Beispiel für die fortschreitende Deindustrialisierung eines Landes, der die Politik derzeit nur sehr wenig entgegenzusetzen hat.
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