In der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ hat der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter am Donnerstagabend seinem eigenen Bundeskanzler direkt eine zentrale Führungseigenschaft abgesprochen. Auf die Nachfrage des Moderators, ob Friedrich Merz das nötige politische Fingerspitzengefühl habe, antwortete Kiesewetter, dass der Kanzler dieses bislang nicht gezeigt habe.
Anlass war die Suche nach einer Nachfolge für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Eigentlich sollten die US-Zwischenwahlen das große Thema des Abends sein.
Petschner-Multari hält Aigner für gesetzt
Der Politikberater und CSU-Politiker Armin Petschner-Multari zeigte sich sicher, dass Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner die nächste Bundespräsidentin werde. Er berief sich dabei auf verlässliche Quellen und eigene Rückschlüsse und sagte, es sei die CSU-Linie und eigentlich entschieden.
Markus Lanz hakte mehrfach nach, ob er sich wirklich sicher sei. Petschner-Multari blieb dabei: „Ich weiß es, aber es gibt nie eine hundertprozentige Sicherheit.“ Die anwesende Zeit-Journalistin Anna Sauerbrey wusste nach eigener Aussage von keiner Entscheidung.
Machtkampf in der Union um das Vorschlagsrecht
Bundeskanzler Merz hat angekündigt, für die Steinmeier-Nachfolge eine gemeinsame Kandidatin der politischen Mitte vorzuschlagen. Während CSU-Chef Markus Söder für Aigner wirbt, pocht Merz auf das Vorschlagsrecht der CDU – wer die Kandidatin wird, ist weiter offen.
Kiesewetter wünscht sich ein klares Signal des Kanzlers. Er sagte, er fände es gut, wenn es Aigner werde, und hoffe auf ein eindeutiges Bekenntnis von Merz am Montag. Damit könne der Kanzler aus seiner Sicht nur gewinnen.
Statt sich festzulegen, brachte Merz zuletzt einen weiteren Namen ins Spiel: Ines Claus. Die hessische CDU-Fraktionschefin wird als mögliche Kandidatin gehandelt, doch ihre eigene Fraktion soll davon überrascht worden sein.
Petschner-Multari konnte diesen Vorstoß nach eigener Aussage weder rational noch prozessual herleiten. Lanz fragte in die Runde, warum der Kanzler so etwas mache. Kiesewetters Antwort: Das fragten sich alle.
Kiesewetter spricht von verpasster Chance
Kiesewetter kritisierte, die Debatte um das höchste Staatsamt werde zunehmend parteipolitisch geführt. Merz habe bereits im Sommer gesagt, er könne sich eine Frau im Amt vorstellen – anschließend habe Söder die Monate genutzt, um mit Aigner einen konkreten Vorschlag zu machen, während eine frühe Festlegung des Kanzlers ausgeblieben sei.
Söders Plan mit Aigner: Er denkt schon an die Zeit nach Merz
Kanzler um jeden Preis: Herr Merz, wie viel CDU soll noch übrig bleiben?
„Es ist eine ziemlich verstolperte, handwerklich schwierige Phase, die wir da gerade erleben“, sagte Kiesewetter und fügte hinzu: „Für so ein Spitzenamt, wo wir ganz schwierige Bundestagswahlen vor uns haben, dann so zu dilettieren und zu verzögern, das ist bitter.“
Der Außenpolitiker warf seiner Partei vor, bei einem Spitzenamt zu dilettieren und zu verzögern. Entscheidend sei, dass Merz Deutschland bis zu den Bundestagswahlen 2029 so aufstelle, dass die Menschen wieder Vertrauen in die politische Mitte fassten. Zugleich zeigte er sich zuversichtlich, dass der Kanzler an seinen Fehlern reifen werde.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]