Stadtentwicklung

Krach über Expo 2035: „Warum können wir in Berlin nicht mal die Nummer eins sein?“

Die Bundesregierung sendet ein deutliches Signal für eine Expo 2035 in Berlin. Steffen Krach will nicht länger warten – zumal mit Donald Trumps Miami ein Konkurrent bereitsteht.

4 Min
Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat für die Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses, spricht bei der neuen Veranstaltungsreihe „Deutschland 2035 – Das Zukunftsforum“ der EXPO 2035 Berlin GmbH.

Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat für die Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses, spricht bei der neuen Veranstaltungsreihe „Deutschland 2035 – Das Zukunftsforum“ der EXPO 2035 Berlin GmbH.

© Carsten Koall/dpa

Berlin bekommt bei einer möglichen Bewerbung um die Expo 2035 Rückendeckung aus der Bundesregierung. Bundesfinanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil stellte am Donnerstagabend beim Auftakt des „Zukunftsforums Deutschland 2035“ eine Unterstützung des Bundes in Aussicht. Eine Finanzierungszusage machte er allerdings ausdrücklich nicht.

Bundeskanzler Friedrich Merz habe bereits deutlich gemacht, dass die Bundesregierung das Vorhaben „wohlwollend“ begleite, sagte Klingbeil. Zunächst müssten Berlin und Brandenburg entscheiden. Mit deren Zustimmung rechnet der Finanzminister offenbar: „Ich gehe mal fest davon aus, dass es hier auch zu einem positiven Votum kommt.“

Danach wäre der Bund am Zug. „Ich kann dir nur fest zusagen, dass ich als Finanzminister, aber auch wir als Bundesregierung insgesamt diesen Prozess weiter positiv begleiten“, sagte Klingbeil an den Berliner SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach gerichtet.

Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen und Vizekanzler, spricht bei der neuen Veranstaltungsreihe „Deutschland 2035 – Das Zukunftsforum“ der EXPO 2035 Berlin GmbH.

Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen und Vizekanzler, spricht bei der neuen Veranstaltungsreihe „Deutschland 2035 – Das Zukunftsforum“ der EXPO 2035 Berlin GmbH.

© Carsten Koall/dpa

Krach: „Bewerbung läge schon lange in Paris“

Krach geht das bisherige Tempo nicht schnell genug. Nur wenige Stunden, nachdem er sich auf einer Pressekonferenz ausführlich zu den gegen ihn laufenden Ermittlungen geäußert hatte, kritisierte er beim Expo-Termin die bisherige Zurückhaltung Berlins.

„Wenn es nach mir geht, läge unsere Bewerbung schon lange in Paris“, sagte Krach. Die Motivation „auf der Gegenseite“ sei bislang „nicht besonders ausgeprägt“ gewesen. Dass Berlin zunächst abwartet, welche anderen Bewerber antreten, hält er für falsch: „Warum können wir in Berlin nicht mal die Nummer eins sein? Warum können wir nicht mal vorangehen und sagen: Wir wollen?“

Krach sieht die Weltausstellung dabei als Mittel, um Projekte in einer für ihre Langsamkeit bekannten Stadt zu beschleunigen. Verwaltung und Digitalisierung, Gesundheitsversorgung, Mobilität und bezahlbarer Wohnraum könnten von dem festen Termin profitieren. „Berlin braucht so ein Großprojekt“, sagte Krach.

Vorstellung der Expo 2035: Lars Klingbeil (l) und Steffen Krach (m) werden anmoderiert.

Vorstellung der Expo 2035: Lars Klingbeil (l) und Steffen Krach (m) werden anmoderiert.

© Jana Hermann/Berliner Zeitung

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So steht es um die Expo-Bewerbung

Noch ist Deutschland nicht offiziell im Rennen. Berlin und Brandenburg haben einen gemeinsamen Prüfprozess zur finanziellen Machbarkeit gestartet. Eine Steuerungsgruppe erarbeitet derzeit einen Bericht, auf dessen Grundlage über eine Bewerbung entschieden werden soll. Die endgültige Entscheidung dürfte nach Angaben der Initiatoren erst nach der Berliner Wahl und der Regierungsbildung fallen.

Eine deutsche Kandidatur kann anschließend nur die Bundesregierung auf den Weg bringen. Sobald beim Bureau International des Expositions (BIE) in Paris die erste Interessenbekundung eines Landes eingeht, bleiben möglichen Konkurrenten rund sechs Monate, ebenfalls ihr Interesse anzumelden. Über den Austragungsort soll Ende 2027 oder Anfang 2028 entschieden werden.

Berlin gegen Trumps Miami?

Als bislang einziger öffentlich bekannter möglicher Konkurrent gilt Miami. Dort wurden bereits 1,3 Millionen Dollar für eine Machbarkeitsstudie bereitgestellt. US-Präsident Donald Trump hatte Anfang des Jahres angekündigt, die Expo 2035 in die Vereinigten Staaten holen zu wollen.

Krach könnte daraus einen politischen Wettbewerb machen. „Die Alternative aktuell, wenn ich das richtig verstehe, ist die Bewerbung von Donald Trump für die Stadt Miami“, sagte er. Berlin könne dagegen zeigen, „dass wir weltoffen sind, dass wir tolerant sind“ und Brücken nach Osteuropa, Polen und in die Ukraine bauen.

Während Berlin und Brandenburg also noch prüfen, macht Miami bereits Tempo. Krach will das ändern: Die Expo-Bewerbung habe seine „volle Unterstützung“. Auch Klingbeil hat nun Unterstützung signalisiert – nur die entscheidende Zusage, wer ein solches Projekt am Ende finanziert, steht weiterhin aus.

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