Rompreis

Villa Massimo bringt die Frage nach dem Wert von Kunst auf die Bühne

Das Festival „Wo die Citronen glüh’n“ bringt die Künstler der Residenz Villa Massimo nach Thüringen und lädt zum Dialog über Kunst und Gesellschaft ein.

4 Min
Die aktuellen Stipendiaten der Villa Massimo, die im Juli 2026 ihre Arbeiten in Weimar präsentieren.

Die aktuellen Stipendiaten der Villa Massimo, die im Juli 2026 ihre Arbeiten in Weimar präsentieren.

© Villa Massimo/Alberto Novelli

Wenn Ende Juli die Stipendiaten der Villa Massimo nach Weimar kommen, reisen nicht einfach Künstler aus Rom an, sondern ein Stück deutsche Kulturpolitik. Ein Modell, das seit Jahrzehnten auf eine fast altmodisch wirkende Idee setzt: dass Kunst Zeit, Freiheit und Vertrauen braucht. Wer heute durch die Gärten der Villa Massimo spaziert, bewegt sich durch einen Ort, der deutsche Kulturgeschichte mitgeschrieben hat. Namen wie Juli Zeh, Neo Rauch oder Herta Müller stehen auf der langen Liste ehemaliger Stipendiaten. Für viele Künstler ist ein Aufenthalt in der römischen Akademie vergleichbar mit einem Ritterschlag.

Während andernorts über Haushaltslöcher, Kulturkürzungen und gesellschaftliche Verwerfungen diskutiert wird, treffen vom 23. bis 26. Juli an der Bauhaus-Universität in Weimar einige der renommiertesten Künstlerinnen und Künstler Deutschlands auf ein Publikum, das mitten in den politischen Debatten der Gegenwart lebt. Die Villa Massimo, die Deutsche Akademie Rom, gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen für Kunstschaffende im Land, die alljährlich herausragende Künstlerinnen und Künstler mit einem zehnmonatigen Rom-Stipendium fördert. Der Aufenthalt bietet ausgewählten Talenten aus Architektur, Kunst, Literatur und Musik Raum für kreative Weiterentwicklung und internationalen Austausch ohne wirtschaftlichen Druck. Wer hier aufgenommen wird, erhält daher nicht nur Anerkennung, sondern vor allem etwas, das in vielen Bereichen knapp geworden ist: Freiraum.

Was ist Kunst heute wert?

Genau darin steckt die eigentliche Brisanz der Veranstaltung „Wo die Citronen glüh’n“. Denn das Festival erzählt nicht nur von Kunst. Es erzählt von der Frage, was uns Kunst in einer Zeit wert ist, in der vielerorts gespart werden muss.

Die Villa Massimo bietet ausgewählten Künstlern, Schriftstellern, Architekten und Komponisten für zehn Monate Raum für ihre Arbeit.

Die Villa Massimo bietet ausgewählten Künstlern, Schriftstellern, Architekten und Komponisten für zehn Monate Raum für ihre Arbeit.

© Villa Massimo/Alberto Novelli

Die Gästeliste liest sich wie ein Querschnitt durch die deutsche Gegenwartskultur. Mit Thomas Brussig, Ann Cotten, David Grossman und Lola Randl sind ebenso prägende literarische Stimmen vertreten wie die international erfolgreiche Künstlerin Alicja Kwade, Comiczeichnerin Barbara Yelin oder die Architekten Almut Grüntuch-Ernst und Armand Grüntuch. Dazu kommen Komponisten, Kuratoren und Künstler verschiedenster Disziplinen.

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In Deutschland wird derzeit intensiv darüber diskutiert, welche Aufgaben der Staat künftig noch finanzieren kann. Kommunen kämpfen mit knappen Kassen, Kulturinstitutionen warnen vor Einschnitten, gleichzeitig wächst der Druck, öffentliche Ausgaben stärker zu rechtfertigen. Die Forderung nach messbarem Nutzen macht längst nicht mehr vor Theatern, Museen oder Literaturhäusern Halt.

Die Villa Massimo steht gewissermaßen am anderen Ende dieser Debatte. Hier wird Kunst nicht nach Besucherzahlen, Reichweiten oder wirtschaftlicher Verwertbarkeit bewertet. Die Förderung folgt einer Überzeugung, die in Zeiten permanenter Effizienzdebatten beinahe radikal wirkt: dass Kunst ihren Wert nicht erst beweisen muss.

Wenn die Kunstblase auf die Wirklichkeit trifft

Doch wie wird diese Haltung wahrgenommen, wenn sie auf die gesellschaftliche Realität außerhalb des Kulturbetriebs trifft? Wie erklären Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeit Menschen, die sich fragen, ob öffentliche Mittel nicht dringender an anderer Stelle gebraucht würden? Und welche Rolle kann Kunst in einer Zeit spielen, in der politische Fronten verhärtet erscheinen und gesellschaftliche Debatten zunehmend polarisiert verlaufen?

Genau diese Fragen machen das Weimarer Festival interessant. Denn die Veranstaltung bringt Menschen zusammen, die sich im Alltag möglicherweise nie begegnen würden: international arbeitende Kunstschaffende, Besucher aus der Region, Kulturinteressierte, Skeptiker und Neugierige. Zwischen Ausstellungen, Lesungen, Konzerten und Gesprächen entsteht ein Raum, in dem nicht nur über Kunst gesprochen wird, sondern auch über die Gesellschaft, die sie hervorbringt und finanziert.

Darin liegt womöglich auch die eigentliche Bedeutung staatlicher Kulturförderung. Nicht darin, fertige Antworten zu liefern. Sondern Orte zu schaffen, an denen unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen können. Gerade in einer Zeit, in der viele Debatten immer schneller und lauter geführt werden.

Wenn die Villa Massimo Ende Juli nach Weimar kommt, reist deshalb mehr an als zeitgenössische Kunst aus Rom. Es kommt ein Stück der Frage, wie offen eine Gesellschaft für Gedanken bleiben will, die sich nicht sofort in Zahlen, Nutzen oder Wahlerfolgen messen lassen.


Wo die Citronen glüh'n: Villa Massimo zu Gast in Weimar: Festival der Rompreistragenden, Eröffnungswochenende 23. bis 26. Juli, Eröffnung um 11 Uhr in der Bauhaus-Universität, Geschwister-Scholl-Straße 8/15, 99423 Weimar, Weitere Infos und das gesamte Programm gibt es hier.

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