Mit seinem ebenso kuriosen wie gefährlichen Verhalten hat ein Mann mehrere Autofahrer in der Demminer Frauenstraße erschreckt. Der Mann ist am 4. Oktober gegen 19.30 Uhr vor fahrende Autos gesprungen und blieb dann auf der Straße liegen.
Gleich mehrere Bürger meldeten den Vorfall bei der Polizei. Weitere Zeugen sollen den Mann zuvor dabei beobachtet haben, wie er sich an geparkten Fahrzeugen zu schaffen machte. Claudia Berndt, Sprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg, vermutete am Dienstag, der Mann habe versucht, die Autos zu öffnen, um damit wegzufahren.
Verletzt wurde bei den Vorfällen glücklicherweise niemand. Die betroffenen Verkehrsteilnehmer kamen nach Angaben des Polizeipräsidiums Neubrandenburg mit dem Schrecken davon.
Weder Alkohol noch Drogen festgestellt
Die Beamten nahmen den Mann mit auf das Polizeirevier. Dort wurde der Fall noch rätselhafter: Laut Polizei war der Mann weder alkoholisiert, noch stand er unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln. Hinweise auf einen psychischen Ausnahmezustand habe es ebenfalls nicht gegeben.
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Da der Mann kein Deutsch sprach und keine Ausweisdokumente vorlegen konnte, ließ sich seine Identität zunächst nicht feststellen. Ein Arzt bescheinigte ihm die Gewahrsamstauglichkeit. In Absprache mit der Justiz blieb er deshalb bis zum folgenden Vormittag im Polizeigewahrsam.
Schließlich stellte sich heraus, dass es sich um einen 43 Jahre alten slowakischen Staatsangehörigen handelt. Doch auch mit Übersetzungshilfe ließ sich nicht klären, warum er sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr gebracht hat.
Ähnlicher Fall 2025 in Binz
In Mecklenburg-Vorpommern gab es bereits einen ähnlich kuriosen Fall: Am 30. November 2025 sprang ein 41-Jähriger am Klünderberg in Binz auf Rügen mit einem langen Stock vor Fahrzeuge. An dem Stock war eine Kamera befestigt.
Der Polizei erklärte der Mann, er filme nicht, sondern sende die Aktion live. Die Kamera wurde sichergestellt, gegen ihn wurde wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ermittelt.
Keine Hinweise auf eine Social-Media-Challenge
Das ungewöhnliche Verhalten des Slowaken erinnert auf den ersten Blick an gefährliche Mutproben, die in sozialen Netzwerken verbreitet werden. Doch für einen solchen Hintergrund gibt es in diesem Fall nach Angaben der Polizei keine Anhaltspunkte.
„In Hinsicht auf eine Challenge haben wir überhaupt keine Hinweise. Es wurde keine Kamera bei ihm, in seinem Rucksack oder an den geparkten Fahrzeugen gefunden, an denen er sich vorher zu schaffen gemacht hat“, sagt Claudia Berndt, Sprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg.
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Damit gibt es nach dem derzeitigen Ermittlungsstand weder Hinweise auf eine Videoaufnahme noch auf einen Livestream oder den Versuch, den Vorfall für soziale Netzwerke zu inszenieren. Vollständig geklärt ist das Motiv damit allerdings noch nicht.
Gefährliche Challenges aus dem Ausland bekannt
Dass Menschen für Aufnahmen in sozialen Netzwerken absichtlich vor fahrende Fahrzeuge springen, ist kein völlig unbekanntes Phänomen. Besonders große Aufmerksamkeit erregte in Indonesien die sogenannte „Malaikat Maut“- oder „Angel of Death“-Challenge.
Bei dieser Mutprobe stellten sich vor allem Jugendliche vor fahrende Lastwagen. Das Ziel bestand darin, das Fahrzeug zum Anhalten zu zwingen oder erst im letzten Moment auszuweichen. Die Aktionen wurden gefilmt und unter anderem auf TikTok verbreitet. Mehrere Versuche führten zu schweren Verletzungen oder endeten tödlich. Im Juni 2022 kam bei Tangerang ein 18-Jähriger ums Leben, nachdem er vor einen Lastwagen gesprungen war.
Auch die Polizei in Belton im US-Bundesstaat Missouri warnte 2025 vor einem möglicherweise durch soziale Netzwerke verbreiteten Trend. Kinder waren dort nach Behördenangaben dabei beobachtet worden, wie sie sich gegenseitig filmten und vor fahrende Autos sprangen. Die Polizei betonte allerdings, dass ein Zusammenhang mit einer konkreten Challenge lediglich vermutet wurde.
Eine Verbindung zwischen diesen Vorfällen und dem Geschehen in Demmin besteht nicht. Im Demminer Fall sprechen insbesondere die fehlende Kamera und die bislang nicht festgestellte Videoaufnahme gegen eine solche Erklärung.
Polizei hofft auf Erklärung im Anhörungsbogen
Möglicherweise äußert sich der 43-Jährige noch schriftlich zu seinem rätselhaften Verhalten. Verpflichtet ist er dazu allerdings nicht.
„Vielleicht klärt sich sein Motiv bei den Ermittlungen. Er bekommt ja noch einen Anhörungsbogen zum Ausfüllen. Als Beschuldigter ist er jedoch nicht dazu verpflichtet, sich zu äußern“, sagt Claudia Berndt am Dienstag.
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Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und der Nötigung. Die Staatsanwaltschaft werde sich den Fall ansehen und entscheiden, ob ein Verfahren eingeleitet werde.
„Falls das nicht passiert, wird es wohl für immer sein Geheimnis bleiben, warum er das getan hat.“
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