Drei Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat die SPD in einer ZDF-Umfrage die zuvor lange führende AfD überholt. In der am Donnerstag veröffentlichten Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen kommt die Partei von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig auf 37 Prozent.
Die AfD von Ministerpräsidentenkandidat Leif-Erik Holm kommt auf 36 Prozent. Der Abstand beträgt damit nur einen Punkt.
Umfrage in Mecklenburg-Vorpommern: SPD legt zu, AfD verliert leicht
Die Sozialdemokraten gewinnen in der Erhebung drei Prozentpunkte hinzu und liegen nun bei 37 Prozent. Die AfD verliert einen Punkt und rutscht auf 36 Prozent.
Über die vergangenen Wochen lagen beide Parteien in den Umfragen dicht beieinander. Die SPD wurde zuletzt bei 33 bis 37 Prozent gesehen, die AfD bei 36 bis 38 Prozent.
Befragt wurden von Montag bis Donnerstag 1395 Wahlberechtigte im Land. 79 Prozent von ihnen gaben an, ihre Entscheidung stehe bereits fest, 21 Prozent zeigten sich noch unentschlossen.
Linke, CDU, Grüne: Wie die kleineren Parteien abschneiden
Hinter dem Spitzenduo folgt die mitregierende Linke mit neun Prozent, einem Punkt weniger als in der Vorwoche. Auch die CDU verliert einen Punkt und kommt auf sechs Prozent.
Aktuelle Umfrage: So schneiden die Parteien ab
- SPD: 37 Prozent
- AfD: 36 Prozent
- Grüne: 5 Prozent
- Linke: 9 Prozent
- CDU: 6 Prozent
- BSW: 4 Prozent
- Sonstige: 3 Prozent
Die Grünen erreichen erneut fünf Prozent und müssen um den Wiedereinzug in den Landtag bangen. Die FDP taucht in der Umfrage nicht mehr gesondert auf und würde aus dem Parlament ausscheiden.
BSW bleibt unter der Fünfprozenthürde
Das BSW liegt unverändert bei vier Prozent. Damit bliebe die Partei nach der Umfrage außen vor. Für den Einzug in den Schweriner Landtag fehlt der Sprung über fünf Prozent.
„Wir halten diese Umfragewerte tatsächlich für interessant“, sagte die Spitzenkandidatin Sabine Firnhaber im ZDF-Morgenmagazin. „Das wird sich, glaube ich, am Sonntag zeigen, wie es tatsächlich ist.“ Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen hätten die Umfragen auch daneben gelegen.
Schwesig oder Holm: Wen die Menschen im Land bevorzugen
Bei der Frage nach der Wunsch-Regierungschefin liegt Schwesig klar vorn. 61 Prozent der Befragten hätten die 52-Jährige lieber als Ministerpräsidentin, 30 Prozent sprachen sich für Holm aus.
Holm ist Bundestagsabgeordneter und tritt allein als AfD-Direktkandidat an – im selben Schweriner Wahlkreis wie Schwesig. Spitzenkandidat der AfD-Landesliste ist Fraktionschef Enrico Schult.
Welche Koalitionen nach der Landtagswahl möglich sind
Rechnerisch und politisch wären der ZDF-Umfrage zufolge zwei Bündnisse denkbar: SPD, Linke und Grüne oder SPD, CDU und Grüne. Beide Varianten setzen voraus, dass die Grünen die Fünfprozenthürde überspringen.
Bislang regiert in Schwerin eine Koalition aus SPD und Linkspartei. Mit der AfD will keine Partei zusammenarbeiten. Sollten mit AfD, SPD, Linke, CDU, Grünen und BSW sechs Fraktionen einziehen, dürfte die Regierungsbildung schwierig werden. Das BSW wirbt für eine überparteiliche sogenannte Expertenregierung, wie schon in Sachsen-Anhalt.
Rückblick: So lief die Landtagswahl 2021
Bei der vorangegangenen Wahl im September 2021 gewann die SPD mit 39,6 Prozent klar vor der AfD mit 16,7 Prozent. Die CDU kam auf 13,3 Prozent, die Linke auf 9,9 Prozent.
Grüne und FDP zogen mit 6,3 beziehungsweise 5,8 Prozent in den Landtag ein. Das BSW trat damals noch nicht an. Sollte die AfD ihr Umfrageergebnis bestätigen, würde sie ihr Resultat von 2021 mehr als verdoppeln. Für die CDU wäre ein einstelliges Ergebnis der schlechteste Wert seit 1990.
Rund 1,3 Millionen Menschen sind zur Wahl aufgerufen. Erstmals dürfen in Mecklenburg-Vorpommern auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben, selbst gewählt werden können sie aber nicht.
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