Chemieindustrie

Leuna: Domo-Chemiewerk wird in letzter Sekunde gerettet

Das Chemiewerk Domo in Leuna ist gerettet. Eine Auffanggesellschaft übernimmt den insolventen Standort und sichert 436 der 500 Arbeitsplätze.

OAZ
3 Min
Ein Mitarbeiter von Domo Chemicals steht während des turnusmäßigen Turnarounds vor Silos.

Ein Mitarbeiter von Domo Chemicals steht während des turnusmäßigen Turnarounds vor Silos.

© Jan Woitas/dpa

Die drohende Stilllegung des Chemiewerks Domo Caproleuna im sachsen-anhaltischen Leuna ist abgewendet. Der insolvente Betrieb wurde zum 1. April an eine neu gegründete Auffanggesellschaft übertragen, wie Insolvenzverwalter Lucas Flöther mitteilte. Damit bleibt einer der wichtigsten Industriestandorte im mitteldeutschen Chemiedreieck erhalten.

Die neue Erwerbergesellschaft übernimmt den Standort samt Immobilie sowie 436 der zuletzt rund 500 Beschäftigten. Für 39 Beschäftigte gab es betriebsbedingte Kündigungen. Der Kaufvertrag wurde am 31. März notariell beurkundet, der Betriebsübergang erfolgte bereits einen Tag später. Laut Informationen der Mitteldeutschen Zeitung handelt es sich um ein lokales Übernahmeangebot, das noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen steht. Bereits zuvor hatte sich abgezeichnet, dass Nachbarunternehmen im Chemieverbund Leuna das Unternehmen über eine Auffanggesellschaft retten wollen (Die OAZ berichtete).

„Das war eine Rettung in letzter Minute in einem in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Verfahren“, sagte Flöther, der den Geschäftsbetrieb seit Ende Dezember fortgeführt hatte. In der insolventen Gesellschaft sei praktisch kein Geld für die Finanzierung des laufenden Betriebs vorhanden gewesen, weshalb das Werk unter normalen Umständen bereits im Januar hätte stillgelegt werden müssen.

Notbetrieb als Mittel der Gefahrenabwehr

Genau das war jedoch aus praktischen Gründen nicht möglich: Bei winterlichen Temperaturen ließen sich die Anlagen nicht ohne Umweltgefahren sicher herunterfahren. Das Land Sachsen-Anhalt ordnete deshalb im Rahmen einer sogenannten Ersatzvornahme an, die Anlagen in einem reduzierten Notbetrieb maximal bis Ende März weiterzufahren und zu sichern. Die Landesregierung finanzierte diesen Notbetrieb aus Mitteln der Gefahrenabwehr. Dadurch wurde die entscheidende Zeit gewonnen, um nach einer dauerhaften Lösung zu suchen.

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Domo Caproleuna ist einer von drei deutschen Standorten des belgischen Chemieunternehmens Domo Chemicals. In Leuna wird vor allem Kunststoff hergestellt, der unter anderem in der Automobilindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikbranche weiterverarbeitet wird. Der Standort ist eng in den sogenannten Stoffverbund des Chemieparks Leuna eingebunden, in dem mehrere Unternehmen in einer Zulieferkette miteinander verflochten sind.

Aus Sicht des Standortbetreibers Infraleuna war genau dieser Verbund in Gefahr. „Mit der Übernahme ist es gelungen, einen erheblichen Schaden vom Chemiestandort Leuna abzuwenden. Der Standort- und Stoffverbund kann weiter aufrechterhalten werden“, erklärte Infraleuna-Geschäftsführer Christof Günther. Damit bleibe die industrielle Funktionsfähigkeit des Standortes erhalten – eine zentrale Voraussetzung für dessen weitere Entwicklung.

Chemiebranche in der Krise

Noch deutlicher äußerte sich Klaus Paur, Geschäftsführer des Partnerunternehmens Leuna-Harze: „Unser oberstes Ziel war es, eine Industrieruine zu verhindern. Die Investition in die neue Gesellschaft war dafür notwendig und richtig.“ Der Kunststoffhersteller ist auf die Funktionsfähigkeit des Chemieverbunds angewiesen.

Die Insolvenz von Domo Caproleuna steht dabei nicht isoliert da. Die deutsche Chemieindustrie steckt seit Jahren in einer schwierigen Lage: Hohe Energiekosten, US-Zölle, eine schwache Konjunktur und Überkapazitäten am Weltmarkt belasten die Branche. Der Iran-Konflikt hat die Situation zusätzlich verschärft, da die energieintensive Chemieproduktion vom Anstieg der Öl- und Gaspreise besonders betroffen ist. Große Konzerne wie BASF haben bereits Sparprogramme mit Stellenabbau angekündigt und teilweise Anlagen stillgelegt. Diese Entwicklung trifft auch das mitteldeutsche Chemiedreieck in Sachsen-Anhalt, in dem sich über Jahrzehnte eine spezialisierte Zulieferindustrie etabliert hat.

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