„Neue Beweise“

Anschlag auf Flugzeug mit 270 Toten im Jahr 1988: Lockerbie-Prozess in den USA vertagt

Der Prozess gegen einen Verdächtigen im Fall des Lockerbie-Anschlags ist in den USA verschoben worden. Grund sind neue Beweise, die die Verteidigung zunächst prüfen will.

3 Min
Im Dezember 1988 stürzte ein amerikanisches Flugzeug nach einem Bombenanschlag auf den schottischen Ort Lockerbie.

Im Dezember 1988 stürzte ein amerikanisches Flugzeug nach einem Bombenanschlag auf den schottischen Ort Lockerbie.

© Keystone/dpa

Der Prozess gegen den libyschen Ex-Geheimagenten Abu Agila Mohammad Masud ist verschoben worden. Die US-Bundesrichterin Dabney Friedrich vertagte das Verfahren am Montag (Ortszeit) und begründete den Schritt laut Nachrichtenagentur AFP mit „neu entdeckten Beweisen“ sowie „Beweisen, die sich in anderen Ländern befinden“.

Eigentlich hätte am Mittwoch die Auswahl der Geschworenen für den ersten US-Prozess zu dem Anschlag auf den Pan-Am-Flug 103 von 1988 beginnen sollen, berichtet AP. Ein neues Datum für eine Verhandlung steht AFP zufolge noch nicht fest – angesetzt sei zunächst nur eine Anhörung am 1. September, um den Stand des Verfahrens zu besprechen.

Anschlag mit 270 Toten

Die Maschine war am 21. Dezember 1988 auf dem Weg von London nach New York. Rund 38 Minuten nach dem Start explodierte laut AP eine Bombe an Bord, während das Flugzeug über der schottischen Kleinstadt Lockerbie flog.

Bei dem Anschlag kamen 270 Menschen ums Leben, darunter nach AFP-Angaben 190 US-Bürger. CBS berichtet, dass alle 259 Insassen sowie elf Menschen am Boden in Lockerbie starben, wo Trümmer einen ganzen Häuserblock zerstörten. Unter den Toten waren dem Bericht zufolge 35 Studierende der Syracuse University.

Was über die neuen Beweise bekannt ist

Über den Inhalt der neu entdeckten Beweise ist bislang wenig bekannt. Nach Angaben des US-Senders CBS, der sich auf die Anwälte des Angeklagten beruft, hatte die Staatsanwaltschaft die Verteidigung am Samstag über die Entwicklung informiert.

Die Verteidigung erklärte demnach, ihre „verfassungsmäßigen und ethischen Verpflichtungen“ machten eine Prüfung des neuen Materials nötig. Die zuständige Pflichtverteidigerin Laura Koenig wollte sich auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AP nicht näher äußern.

Die Anordnung der Richterin nannte laut CBS den komplexen Charakter des Falls, die neuen Beweise und die Notwendigkeit für die Verteidigung, die Verteidigungsstrategie festzulegen, als Gründe für die Verschiebung.

Der Angeklagte und die Vorwürfe

Masud wird vorgeworfen, die Bombe gebaut haben, die den Pan-Am-Flug 103 zum Absturz brachte, wie AP berichtet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und weiteren Personen dem Bericht zufolge zudem vor, im Auftrag des damaligen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi gehandelt zu haben.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft, die CBS wiedergibt, arbeitete Masud von etwa 1973 bis 2011 als Sprengstoffexperte für den libyschen Geheimdienst. Er soll einen Koffer mit einer Bombe an einem Flughafen auf Malta übergeben haben – von dort soll das Gepäckstück demnach über Frankfurt nach London an Bord des Flugzeugs gelangt sein.

Der Beschuldigte plädierte in den Anklagepunkten – unter anderem wegen „Zerstörung eines Flugzeugs mit Todesfolge“ – auf nicht schuldig, wie AFP berichtet. Sollte er verurteilt werden, könnte er eine lebenslange Freiheitsstrafe erhalten. Seit 2022 befindet sich Masud in US-Gewahrsam, nachdem er aus Libyen überstellt worden war.

In dem Fall gab es bislang nur eine Verurteilung. Der frühere libysche Geheimdienstoffizier Abdelbaset al-Megrahi erhielt laut AFP im Jahr 2001 eine lange Haftstrafe. 2009 wurde er aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus der Haft in Schottland entlassen. 2012 starb er in Tripolis. Bis zu seinem Tod erklärte er dem Bericht zufolge, er sei unschuldig gewesen. (mit AFP)

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner