Die Deutsche Marine treibt den Kauf der israelischen Rakete LORA voran. Nach dem ersten Test eines ballistischen Flugkörpers von einem Überwasserschiff sollen die Beschaffungspläne nun beschleunigt werden, teilte die Marine mit. Abgefeuert wurde die Rakete in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch im Nordatlantik zwischen Irland und Island, von der Fregatte „Sachsen-Anhalt“ der Klasse F125.
Der staatliche israelische Rüstungskonzern Israel Aerospace Industries (IAI), Hersteller des Systems, bestätigte die Erprobung in einer eigenen Mitteilung. Nach Angaben des Unternehmens spielte die Marine zwei Einsatzszenarien durch. In beiden Fällen habe der Flugkörper seine geplante Flugbahn erreicht, den Kurs zum Ziel geflogen und dieses mit der geforderten Präzision getroffen, teilte IAI mit.
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Der Test lief im Rahmen der Reihe Operational Experimentation (OPEX) und in Zusammenarbeit mit dem Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding. Nach Darstellung des Marinesprechers waren zwei deutsche Fregatten in das Seegebiet verlegt worden. Die Vorbereitungen liefen weitgehend verdeckt. Schiffs- und Luftverkehr in dem Gebiet seien jedoch bereits 45 Tage im Voraus gewarnt worden.
Dauerhaft bewaffnet sind die vier F125-Fregatten mit LORA noch nicht. Für den Test brachte die Marine Startgerät und Führungstechnik nur zusätzlich an Bord.
Was kann die LORA-Rakete?
LORA steht für Long Range Artillery. Der Flugkörper stammt von IAI und zählt zur Kategorie der ballistischen Kurzstreckenraketen. Transportiert wird er in einem versiegelten Startcontainer, was den Einsatz von Bord aus vergleichsweise einfach macht. Das System ist für Ziele an Land wie auf See ausgelegt und lässt sich von mobilen Startgeräten oder von Schiffen aus abfeuern.
Nach Herstellerangaben erreicht LORA eine Reichweite von rund 400 Kilometern bei einer Zielgenauigkeit von etwa zehn Metern. Bei der deutschen Erprobung sei jedoch eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern gemessen worden, berichteten das Portal Defence Network unter Berufung auf Marinekreise sowie Reuters. IAI selbst machte keine Angaben zu Zielentfernung oder Flugzeit.
Boaz Levy, Vorsitzender von IAI, sprach nach Angaben des Unternehmens von einer beispiellosen Leistung für den Konzern und das israelische Verteidigungsministerium. Der Test habe ausgerechnet in Deutschland stattgefunden, dem Land, in dem die erste ballistische Rakete der Welt entwickelt worden sei. Er zeige Israels technologische Stärke und die Zusammenarbeit beider Staaten. IAI-Geschäftsführer Guy Bar Lev erklärte, der Konzern sei stolz, die strategische Kooperation zwischen Israel und Deutschland zu stärken. LORA zähle zu den fortschrittlichsten und im Einsatz erprobten ballistischen Systemen weltweit.
Marineinspekteur Vizeadmiral Jan Christian Kaack ordnete den Test als Zäsur ein. Man habe mit dem erfolgreichen Schuss Marinegeschichte geschrieben, erklärte er nach Angaben von T-Online und dpa. Das System lasse sich von deutschen Einheiten aus einsetzen, die erzielte Reichweite übertreffe alles bislang Bekannte. Für den Schutz Deutschlands und seiner Verbündeten markiere der Test ein neues Kapitel der Abschreckung und Verteidigungsbereitschaft zur See.
Beschaffung im Zwölf-Milliarden-Rahmen
Auf Grundlage des Tests will die Bundeswehr die Beschaffung von LORA nun vorantreiben. Der Kauf ist Teil eines mehrschichtigen Vorhabens zum Ausbau deutscher Tiefschlagfähigkeiten, für das nach Angaben von Defence Network rund zwölf Milliarden Euro im Raum stehen. Mit LORA hätte die Bundeswehr neben dem Marschflugkörper Taurus eine zweite kurzfristig verfügbare Waffe gegen weit entfernte Landziele. Mehrere Beobachter ordnen den möglichen Kauf als Teil der Aufrüstung im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ein, mit der die Nato-Partner Russland abschrecken wollen.
LORA ist kein neues System. IAI hatte die Rakete bereits 2020 auf offener See getestet, eine von zwei Raketen auf eine Distanz von 400 Kilometern.
Das sechste U-Boot verlässt Kiel Richtung Haifa
Fast zeitgleich zum Raketentest verließ die „INS Drakon“ die Werft von Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) in Kiel in Richtung Israel. Bei einer Zeremonie sei die israelische Flagge an Bord gehisst worden, teilten die israelischen Streitkräfte (IDF) und das Verteidigungsministerium mit. Die „Drakon“ ist Israels sechstes U-Boot und das dritte und letzte der Dolphin-2-Klasse mit außenluftunabhängigem Antrieb. Mit der Übergabe endet das gemeinsame Bauprogramm beider Länder.
Israels Marinechef, Vizeadmiral Eyal Harel, würdigte das Boot nach Angaben des israelischen Nachrichtenportals Ynet als zentralen Baustein der künftigen U-Boot-Flotte, gemeinsam mit den drei geplanten Booten der Dakar-Klasse. Die Besatzungen würden künftig verdeckt, in der Dunkelheit und in Stille operieren, oft fern der Heimat. An der Zeremonie in Kiel nahmen nach Angaben israelischer Medien unter anderem der Chef der israelischen Beschaffungsbehörde, Zeev Landau, der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, sowie der deutsche Marineinspekteur Jan Christian Kaack teil.
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Die „Drakon“ ist mehr als 70 Meter lang, verdrängt über 2000 Tonnen und gilt damit als größtes in Deutschland gebautes U-Boot seit dem Zweiten Weltkrieg. Medienbrichten zufolge liegt der Kaufpreis bei rund 550 Millionen Euro. Israel habe den Bau 2022 im Rahmen eines Drei-Milliarden-Euro-Programms mit TKMS vereinbart, an dem sich die Bundesregierung nach bisherigen Angaben mit etwa 20 Prozent beteilige. Die drei Boote der Nachfolgeklasse Dakar sollen ab den frühen 2030er-Jahren die ältesten Dolphin-Boote der israelischen Marine ersetzen, die seit rund 2000 im Dienst sind. Ein Staatsakt zur Ankunft ist am Marinestützpunkt Haifa geplant, das Boot wird dort binnen Wochen erwartet.
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