Thüringen geht neue Wege, um dem zunehmenden Ärztemangel in ländlichen Regionen entgegenzuwirken. Im Rahmen der sogenannten Landarztquote können angehende Mediziner und Zahnmediziner erstmals ohne Numerus clausus (NC) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena studieren. Das Modell sieht vor, dass 17 Studienplätze in Humanmedizin und vier Plätze in Zahnmedizin für Bewerber reserviert werden, die sich verpflichten, nach ihrem Studium und Weiterbildung mindestens zehn Jahre in einem Thüringer Bedarfsgebiet tätig zu sein. Diese Regelung ist Teil des Haus- und Zahnärztesicherstellungsgesetzes, das 2024 vom Landtag verabschiedet wurde.
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Gesundheitsministerin Katharina Schenk (SPD) betonte, dass die Landarztquote ein wichtiger Schritt sei, um die medizinische Versorgung im Freistaat langfristig zu sichern. Auch die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen und die Kassenzahnärztliche Vereinigung begrüßten die Maßnahme. Laut Annette Rommel, Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, sei besonders wichtig, dass sich junge Menschen mit einer starken Bindung an Thüringen bewerben. „Wer hier verwurzelt ist, bleibt häufig und gestaltet die medizinische Versorgung langfristig mit.“
Die Bewerbungsphase für die Studienplätze läuft noch bis zum 31. März und erfolgt über das Thüringer Karriereportal. Das Auswahlverfahren gliedert sich in zwei Phasen: Zunächst werden die Qualifikationen und beruflichen Erfahrungen der Bewerber bewertet, anschließend folgen Auswahlgespräche. Bis Mitte Juli sollen die Verfahren abgeschlossen sein, damit die ersten Studenten zum Wintersemester 2026/2027 starten können.
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Erst langfristig spürbare Auswirkungen
Mit der Landarztquote erhalten Bewerber die Möglichkeit, ein Studium in den normalerweise zulassungsbeschränkten Fächern aufzunehmen, ohne die hohen NC-Vorgaben erfüllen zu müssen. Allerdings geht die Regelung mit einer verbindlichen Verpflichtung einher. Die angehenden Ärzte und Zahnärzte müssen bereits bei der Bewerbung einen Vertrag mit dem Land schließen, der ihre Tätigkeit in einem Thüringer Bedarfsgebiet für mindestens zehn Jahre regelt. Bei Vertragsbruch drohen Strafzahlungen von bis zu 250.000 Euro. Härtefallregelungen sollen jedoch individuelle Umstände berücksichtigen.
Der Weg vom Studienbeginn über das Staatsexamen bis zur Facharztausbildung dauert allerdings Jahre, sodass die Landarztquote erst langfristig spürbare Auswirkungen auf die medizinische Versorgung haben dürfte. Dennoch sehen Experten die Maßnahme als einen wichtigen Ansatz, um einem drohenden Versorgungsengpass insbesondere in ländlichen Regionen entgegenzuwirken. An der Universität Jena beginnen jährlich 286 Studenten ihr Medizinstudium und 57 ihr Zahnmedizinstudium.
Aktuell ist Thüringen mit einem deutlichen Ärztemangel konfrontiert. Allein 100 Hausärzte werden laut der Kassenärztlichen Vereinigung derzeit für die Niederlassung in Praxen gesucht. Auch in der Zahnmedizin hat sich die frühere Überversorgung in manchen Regionen in einen Mangel gewandelt. Mit der neuen Quote ist Thüringen eines der ersten Bundesländer, das auf diesen Trend mit verbindlichen Regelungen reagiert.
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