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Merz-Regierung feiert „soziale“ E-Auto-Prämie – und fördert 74 Luxusmodelle über 100.000 Euro

Die Bundesregierung feiert ihre E-Auto-Prämie als sozialen Erfolg. Doch neue Bafa-Daten zeigen eine Kehrseite – und werfen Fragen zur Verteilung der Förderung auf.

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Die Merz-Regierung feiert ihre E-Auto-Prämie als Erfolg. Doch auch Modelle mit sechsstelligen Listenpreisen werden staatlich gefördert.

Die Merz-Regierung feiert ihre E-Auto-Prämie als Erfolg. Doch auch Modelle mit sechsstelligen Listenpreisen werden staatlich gefördert.

© Chris Emil Janssen/imago

Die Bundesregierung feiert ihre neue E-Auto-Prämie als Erfolg. Seit Mai können Privatleute die Förderung beantragen, inzwischen wurden nach Angaben von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) bereits 100.000 Anträge bewilligt. „Das Förderprogramm hat unsere Erwartungen weit übertroffen“, sagte Schneider der Bild-Zeitung. Das Geld komme Menschen zugute, die vorher nicht einmal daran gedacht hätten, sich ein E-Auto zu kaufen. „Besonders wichtig ist mir, dass die soziale Staffelung wirkt“, betonte er.

Doch ein neuer Zwischenbericht des zuständigen Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zeigt auch eine andere Seite der Förderung. Eine Auswertung der Berliner Zeitung ergibt: Mindestens 74 der geförderten Fahrzeuge entfallen auf Modelle, deren Grund- beziehungsweise Listenpreis bei mehr als 100.000 Euro liegt. Zudem dominieren ausländische Marken die Rangliste: Unter den zehn Marken mit den meisten Bewilligungen befinden sich mit Volkswagen und BMW lediglich zwei deutsche.

Tesla führt bei der E-Auto-Prämie

Zum Stichtag 1. Oktober weist das Bafa insgesamt 97.790 Bewilligungen und ausgezahlte Fördermittel von 432 Millionen Euro aus. 89.594 Fahrzeuge sind reine Elektroautos, 8196 Plug-in-Hybride. Mehr als 51.000 Bewilligungen gingen an Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen von höchstens 45.000 Euro. Damit erreicht die sozial gestaffelte Prämie tatsächlich viele Haushalte mit niedrigeren und mittleren Einkommen.

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Bei den Marken führt Tesla deutlich. Der US-Hersteller kommt auf 12.155 Bewilligungen, gefolgt von Škoda mit 7224, Cupra mit 6229, Leapmotor mit 5816 und BYD mit 5814. Volkswagen landet mit 5464 Fahrzeugen erst auf Rang sieben, BMW mit 4679 auf Platz zehn. Auf Konzernebene sieht das Bild anders aus: Weil unter anderem Škoda und Cupra zum VW-Konzern gehören, führt die Volkswagen Group mit 20.624 Bewilligungen vor Stellantis (unter anderem Opel, Peugeot, Citroën und Fiat) und Tesla.

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Dass ausländische Marken stark von der Prämie profitieren, hatten Autoexperten bereits im Sommer in der Berliner Zeitung kritisiert. „Mit der neuen Prämie stärkt man die ausländische Konkurrenz und erleichtert chinesischen Herstellern den Markteintritt“, sagte Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Berlin. Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) in Bochum bezeichnete die Förderung sogar als „Weihnachtsgeschenk“ für BYD und andere ausländische Hersteller. Wie BYD stammt auch der Viertplatzierte, Leapmotor, aus China.

Autoexperte: Luxusförderung „schwer vermittelbar“

Für Diskussionen dürfte auch sorgen, welche Autos gefördert werden. Eine Obergrenze für den Listenpreis gibt es nicht. Die Bafa-Daten enthalten unter anderem 15 Porsche Macan GTS, sieben Macan Turbo, mehrere Porsche-Taycan-Varianten sowie Modelle wie Audi RS e-tron GT, BMW i5 M60 xDrive und Mercedes G 580. Auch acht Tesla Model S und fünf Model X wurden gefördert.

Gemessen an fast 98.000 Bewilligungen machen diese Luxusmodelle nur einen sehr kleinen Anteil aus. Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA), bezeichnete die Förderung von Luxusautos mit sechsstelligen Preisen in der Berliner Zeitung dennoch als „schwer vermittelbar“. Gleichzeitig warnte er davor, die Größenordnung zu überzeichnen: Es handele sich „eher um ein Randphänomen“.

Grundsätzlicher fällt die Kritik Dudenhöffers aus. Die Prämie sei „von Anfang an falsch ausgelegt und noch dazu überflüssig“. Bereits im Januar hatte er vor „Mitnahmeeffekten“ gewarnt: „In der Schule würde man sagen: Thema verfehlt.“ Auch Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach befürchtete lediglich ein kurzfristiges „Strohfeuer“. Statt Kaufprämien auszuzahlen, sollte die Politik aus seiner Sicht stärker die hohen Ladestrompreise angehen.

Die Bundesregierung bewertet die Entwicklung dagegen positiv. Für das Programm stehen insgesamt drei Milliarden Euro bereit, mit denen rund 800.000 Fahrzeuge gefördert werden sollen. Umweltminister Schneider sieht sich durch die hohe Nachfrage bestätigt: Jedes zusätzliche Elektroauto mache Deutschland unabhängiger von teuren Ölimporten und internationalen Konflikten.

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