Gewahrsam

Dresdner Straßenfamilie Rednik: Jetzt meldet sich der Vater aus der geschlossenen Psychiatrie

Der Richter hat entschieden. Sechs Wochen wird Michael Rednik in der geschlossenen Psychiatrie auf dem Weißen Hirsch in Dresden bleiben. Seine Ankunft hat er in einem Video dokumentiert.

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Nach elf Wochen auf der Straße trat Michael Rednik am 2. November in den trockenen Hungerstreik. Der wurde am Freitag mit einem Polizeieinsatz beendet.

Nach elf Wochen auf der Straße trat Michael Rednik am 2. November in den trockenen Hungerstreik. Der wurde am Freitag mit einem Polizeieinsatz beendet.

© Ines Mallek-Klein für die Ostdeutsche Allgemeine

Die Diagnose, die ihm 2017 und 2018 schon zweimal die Freiheit brachte, sorgt nun dafür, dass Michael Rednik stationär untergebracht wurde. Er ist zurzeit in der geschlossenen Abteilung des Zentrums für Psychische Gesundheit auf dem Weißen Hirsch in Dresden. Von hier meldet sich der Vater mit einem Video.

Am Freitagmorgen waren Behördenmitarbeiter und zahlreiche Polizisten in die Stephensonstraße nach Dresden-Leuben gefahren. Dort lebt die sechsköpfige Familie seit mehr als elf Wochen an einer Straßenkreuzung, schläft teilweise unter freiem Himmel und auf der Rückbank eines Autos, das Freunde zur Verfügung gestellt haben. Bereits für Dienstag voriger Woche war eine Begutachtung von Mike und Anett Paul durch einen Psychiater angeordnet worden. Den Termin ließen beide Eltern verstreichen und verwiesen darauf, dass die betreffenden Personen nicht mehr existent sind und sie die Namen Annette und Michael Rednik tragen.

Nun kam, wie vom Amt bereits angekündigt, die Polizei zum Einsatz. Tochter Anna hat das Geschehen mit ihrem Handy aufgezeichnet. In dem Video sieht man, wie Michael Rednik, noch sitzend, den Beschluss des Richters zunächst wegwirft. Auf ihm soll die Unterschrift gefehlt haben. Wenige Minuten später steht der 58-Jährige allerdings selbstständig auf und wird von Beamten zum Polizeiauto begleitet. „Ich hab Dich lieb, Papa“, ruft Anna ihrem Vater hinterher, der bereits eingestiegen ist. Sie weint. Kurz darauf wird die Mutter Annette von drei Beamten angesprochen. Sie steigt ebenfalls widerstandslos in ein zweites Polizeifahrzeug. Das alles ist in einem ersten Video zu sehen, das der Ostdeutschen Allgemeinen vorliegt.

Zwei Stunden Gespräch im Ordnungsamt Leuben

In einem zweiten Beitrag, den die Familie auch auf ihren Youtube-Kanal gestellt hat, erzählt Michael Rednik, was an dem Tag weiter passiert ist. Er sei zum Ordnungsamt nach Leuben gebracht worden und habe dort ein zweistündiges Gespräch mit einer Psychiaterin und einem Mitarbeiter des Amtes geführt. Es habe weder Essen noch Trinken gegeben. Von Leuben sei er dann in die Psychiatrie gebracht worden. Nach der Durchsuchung seiner Sachen habe man ihn in einem Behandlungszimmer sitzen lassen. Eine ärztliche Untersuchung habe er abgelehnt, dennoch sei ihm mit Gewalt Blut abgenommen worden.

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Er bat um ein Handtuch, um sich zu duschen. Danach habe er nach einem großen Teller Spaghetti mit Käse gefragt. „Das hier ist doch kein Hotel“, sei die Antwort gewesen. In der Küche habe er dann einen kleinen, übriggebliebenen Joghurt bekommen. Später zum Kaffeetrinken gab es auf sein Drängen hin drei statt ein Stück Kuchen und zwei Tassen Kaffee. „Das ist Hungerbrechen unter ärztliche Aufsicht“, sagt Michael Rednik und äußert die Vermutung, dass es gar nicht um seinen Gesundheitszustand nach fünf Tagen im trockenen Hungerstreik gehe.

Der Richter sei am Nachmittag gekommen. Mit dabei waren auch ein Verfahrensbeistand und eine Ärztin. „Beide hatte ich noch nie zuvor gesehen“, so Michael Rednik. Nach einem Gespräch entschied der Richter, den Familienvater für zunächst sechs Wochen stationär unterzubringen. Michael Rednik erklärte, dass der Kampf seiner Familie damit vorbei sei. Man habe alle Mittel ausgeschöpft, um das versteigerte und schließlich zwangsgeräumte Haus wieder zurückzubekommen. Die Familie schuldet der Stadt Dresden seit 2015 Grundsteuer. Die sei verfassungswidrig und müsse nicht gezahlt werden, so die Auffassung der Familie, die zudem den Staat ablehnt und das System nicht mit Geld unterstützen möchte.

Zum Abschluss des Videos zeigt Michael Rednik noch mehr als ein halbes Dutzend Liegestütze, um seine körperliche Fitness unter Beweis zu stellen.

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