Landwirtschaft

Müller kündigt Verträge in Brandenburg – Bauernbund warnt vor „echtem Problem“

Im Osten gehen regionale Milchstrukturen verloren. Ihr Wiederaufbau werde jetzt zunehmend schwieriger, warnt der Bauernbund. Auch aus dem Landtag kommt Kritik.

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Müllermilch gehört zur Unternehmensgruppe Theo Müller. Der Konzern hat Verträge mit Brandenburger Betrieben gekündigt.

Müllermilch gehört zur Unternehmensgruppe Theo Müller. Der Konzern hat Verträge mit Brandenburger Betrieben gekündigt.

© Manfred Segerer/imago

Zahlreiche Milchbauern in Brandenburg müssen sich ab jetzt auf die Suche nach einem neuen Abnehmer machen. Die Unternehmensgruppe Theo Müller hat nach Angaben des Landesbauernverbandes Brandenburg Lieferverträge mit mehreren Betrieben gekündigt.

Das könnte für einzelne Höfe zu einem „echten Problem“ werden, sagt Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg, auf Anfrage. Denn in Ostdeutschland gibt es inzwischen nur noch vergleichsweise wenige Molkereien, zwischen denen die Betriebe wählen können.

Landesbauernverband spricht von „hartem Schlag“

„Für die Milchviehbetriebe wird es jetzt notwendig, im Zeitrahmen der Kündigungsfristen eine neue Molkerei zu finden“, so Jung weiter. Eigentlich sei das „ein normaler Vorgang unter Marktpartnern“. Problematisch werde die Situation aber durch die Strukturen, die sich in den ostdeutschen Bundesländern entwickelt hätten. Da sowohl die Zahl der Milchviehbetriebe als auch die Zahl der Molkereien stark zurückgegangen seien, sei „die Auswahl nicht sehr groß“.

Auch der Landesbauernverband Brandenburg schlägt Alarm. Er bezeichnete die Kündigungen als „harten Schlag ins Kontor“. Die betroffenen Landwirte müssten nun kurzfristig neue Abnehmer finden und dabei womöglich niedrigere Milchpreise hinnehmen.

Wenige Molkereien, „gewaltige Transportentfernungen“

Durch die starke Konzentration in der Molkereibranche sei die Marktmacht der verbliebenen Unternehmen gewachsen, erklärt Jung. Gleichzeitig hätten in den vergangenen drei Jahrzehnten zahlreiche ostdeutsche Landwirtschaftsbetriebe ihre Milchviehhaltung aufgegeben. „Dabei ist es nicht so, dass ostdeutsche Landwirte nicht melken können.“ Vielmehr könnten sie es sich wegen ihrer Größe „eher leisten, auf diesen arbeitsintensiven Produktionszweig zu verzichten.“

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Die Folgen zeigen sich jetzt besonders deutlich: Die einzelnen Milchviehbetriebe und die verbliebenen Molkereistandorte liegen teilweise weit auseinander. „Die Transportentfernungen sind gewaltig“, sagt Jung. Für Milchbauern ist das entscheidend, weil Rohmilch regelmäßig abgeholt und zu einem Verarbeitungsbetrieb gebracht werden muss.

Warum Müller kündigt, bleibt offen

Zur Unternehmensgruppe Theo Müller gehören bekannte Marken wie Müllermilch, Weihenstephan und Landliebe. Die Kündigungen sollen zum Jahreswechsel wirksam werden. Betroffen seien vor allem mittelgroße Höfe mit etwa 400 bis 800 Kühen in Nord- und Ostbrandenburg. Wie viele Betriebe insgesamt betroffen sind, ist offen. Müller selbst hat die Gründe für die Kündigungen bislang nicht öffentlich erläutert.

Jung warnt davor, die aktuellen Kündigungen nur als Streit zwischen einzelnen Bauern und einer Molkerei zu betrachten. Dahinter stehe ein größeres Strukturproblem. Die Konzentration in der Verarbeitung und der Rückgang der Milchviehhaltung hätten gemeinsam dazu geführt, dass regional funktionierende Strukturen zunehmend verloren gegangen seien.

BSW fordert Bund und Land zum Handeln auf

Auch aus der Landespolitik kommt Kritik. Gunnar Lehmann, landwirtschaftspolitischer Sprecher der BSW-Fraktion im Brandenburger Landtag, erklärt gegenüber dieser Zeitung: „Die Vertragskündigungen zeigen, dass sich der Niedergang der heimischen Ernährungswirtschaft ungebremst fortsetzt.“ Brandenburg habe seit der Wende einen stetigen Rückgang der Rinderzahlen erlebt, die Milchwirtschaft sei wegen wiederkehrender Niedrigpreisphasen besonders schwierig. „Die Marktmacht einzelner Akteure in der Wertschöpfungskette ist zu groß geworden. Dagegen müssen Bund und Land angehen“, so Lehmann.

Eine Zukunft für die Milchproduktion sieht Reinhard Jung trotzdem. Milch sei weiterhin ein hochwertiges Naturprodukt. Der Wiederaufbau „gesunder Strukturen“ werde jedoch eine echte Herausforderung. Nach Ansicht Jungs müsse sich damit künftig auch die Wirtschaftsförderung beschäftigen.

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