Dem sonst als besonnen geltenden Innensenator Ehrhart Körting (SPD) wurde am Wochenende gleich mehrfach der Rücktritt nahe gelegt - unter anderem vom bayrischen CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. Körting hatte am 1. Mai durch eine missverständliche Aussage über Steinewerfer und Autonome die Stimmung zusätzlich angeheizt. "Das ist wie bei Sexualdelikten: Ist die Frau erst mal ausgezogen und vergewaltigt, denn fällt es anderen leichter, auch mitzumachen", sagte Körting mit Blick auf gewaltbereite junge Männer, wenige Stunden bevor die gewalttätige Demonstration loszog. CDU-Bundesgeneralsekretär Pofalla nannte den Vergleich abstoßend und forderte eine öffentliche Entschuldigung. Auch der Berliner CDU-Partei- und Fraktionschef Frank Henkel bekräftigte am Sonntag: "Wenn er sich nicht öffentlich entschuldigt, sollte der Regierende Bürgermeister ihn entlassen." SPD- Partei- und Fraktionschef Michael Müller teilte nach eigenen Angaben Körting mit, dass er diesen Satz für "nicht vertretbar" hielt. Und auch Linke-Landeschef Klaus Lederer sprach von einem "unangebrachten Vergleich". Körting ruderte schließlich zurück. "Der Vergleich ist schief, ich möchte ihn so nicht aufrechterhalten", sagte Körting. Dies sei aber keine Entschuldigung. Mit seinem Vergleich habe er eine "moralische Verurteilung der Steinewerfer" zum Ausdruck bringen wollen. Dieses Statement reicht der CDU aber nicht aus.Für Unmut sorgte zudem, dass ein Politiker der Linkspartei als Anmelder der gewalttätigen Demonstration fungierte. Der 21-jährige Kirill Jermak sitzt für die Linke als Kulturpolitiker in der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg. Auf Anfrage der Berliner Zeitung wies er eine Mitverantwortung für die Gewalttätigkeiten von sich. Zunächst habe die Polizei den Demonstrationszug behindert, sagte er. SPD-Parteichef Müller zeigte sich darüber verärgert: "Die Partei hat schon eine Verantwortung dafür, wen in politische Ämter bringt", sagte Müller sagte mit Blick auf Jermak und die Linke-Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch, die Kreischefin der Partei in Lichtenberg ist. "Frau Lötzsch muss sich fragen lassen, wieso ihre Partei einen solchen Mann für das Bezirksparlament aufstellt", sagte Müller. Gesine Lötzsch betonte, dass Jermak die Demonstration als Privatperson angemeldet habe. Man werde sich mit ihm ernsthaft auseinandersetzen müssen, offenbar sei er von Linksautonomen instrumentalisiert worden. "Ich erwarte, dass Herr Jermak bei der 1.-Mai-Demonstration im nächsten Jahr nicht mehr als Anmelder in Erscheinung treten wird", sagte Lötzsch. Auch Parteichef Lederer distanzierte sich ausdrücklich. "Einzelne Mitglieder dürfen nicht die Gesamtpartei in Mithaftung nehmen." Die Linke-Abgeordnete Evrim Baba, die bei der Anti-NPD-Demonstration am 1. Mai in Köpenick selbst von der Polizei weggetragen wurde, kritisierte indes den Einsatz physischer Gewalt auf Polizeiseite.CDU-Parteichef Frank Henkel hingegen sieht "eine fehlende Distanz der Linken zu den Krawallmachern". Für ihn ist klar, wer Mitverantwortung für die Gewalttätigkeit trägt: "Im Vorfeld wollten Innensenator Körting und sein Polizeipräsident nicht erkennen, was auf sie zukommt." Körting bezeichnete die Debatte um mögliche soziale Unruhen im Vorfeld des 1. Mai als nicht hilfreich. "Das war das falsche Stichwort, denn der Begriff legitimiert im Kern auch Gewalttätigkeit", sagte Körting. Vor sozialen Unruhen hatte auch Gesine Schwan gewarnt, Kandidatin der SPD für das Amt der Bundespräsidentin.------------------------------Foto: In der Kritik: Innensenator Ehrhart Körting.------------------------------Foto: (2) 1.-Mai-Randale in Kreuzberg: Polizisten setzen Pfefferspray ein, Demonstranten entzünden am Kottbusser Tor einen Müllcontainer.
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