Luftverkehr

Nach Warteschlangen-Chaos an Flughäfen: EU verschiebt Reisegenehmigung ETIAS auf 2027

Der Start des Systems für visabefreite Reisende verzögert sich. Grund sind Probleme mit dem biometrischen Grenzsystem EES an europäischen Flughäfen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Auch am Flughafen Zagreb wurden automatisierte Grenzkontrollen eingeführt.

Auch am Flughafen Zagreb wurden automatisierte Grenzkontrollen eingeführt.

© Igor Soban/imago

Die Europäische Union verschiebt die Einführung ihrer neuen elektronischen Reisegenehmigung ETIAS auf 2027. Das berichtete die britische Wirtschaftszeitung Financial Times am Dienstag. Ursprünglich sollte das System für visabefreite Einreisen im letzten Quartal 2026 in Betrieb gehen.

Als Grund für die Verzögerung nennt das Blatt die anhaltenden Probleme mit dem bereits eingeführten biometrischen Ein- und Ausreisesystem EES, das an vielen europäischen Flughäfen zu stundenlangen Warteschlangen geführt hat. Auf dem offiziellen EU-Reiseportal wird als Starttermin bislang weiterhin das letzte Quartal 2026 genannt.

ETIAS steht für „European Travel Information and Authorisation System“ und soll für Reisende aus visabefreiten Ländern zur Pflicht werden, die in einen von 30 europäischen Staaten einreisen wollen. Die Genehmigung muss vor der Reise online beantragt werden. Sie ist nach Angaben der EU keine Aufenthaltserlaubnis und kein Visum, sondern eine zusätzliche Sicherheitsprüfung.

Warteschlangen von bis zu fünf Stunden

Hintergrund der Verschiebung sind die Erfahrungen mit dem seit Oktober 2025 schrittweise eingeführten und seit April 2026 voll laufenden Einreise-/Ausreisesystem EES. Dabei werden Fingerabdrücke und Gesichtsbilder von Nicht-EU-Bürgern digital erfasst, statt Pässe wie bisher abzustempeln.

In einem offenen Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vom 1. Juli warnten die Verbände ACI Europe, Airlines for Europe (A4E) und der internationale Luftverkehrsverband IATA, an den Grenzen entstünden inzwischen Wartezeiten von bis zu fünf Stunden. Passagiere verpassten Anschlussflüge, Maschinen starteten halb leer, das Personal stehe unter erheblichem Druck.

Die Verbände forderten die EU-Kommission auf, den Mitgliedstaaten für Juli und August die Möglichkeit einzuräumen, das EES bei Überlastung vollständig auszusetzen. Bis September solle zudem eine dauerhafte Regelung geschaffen werden, mit der die Grenzbehörden das System in Ausnahmefällen aussetzen können.

Nach Angaben der Verbände werden Flughäfen in der EU in den beiden Sommermonaten rund 40 Millionen Passagiere mehr abfertigen als in den zwei Vormonaten.

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Ryanair spricht von unausgereiftem System

Auch die irische Fluggesellschaft Ryanair verlangte laut dem britischen Guardian eine Aussetzung des Systems bis September in besonders betroffenen Ländern. Betriebschef Neal McMahon erklärte, Passagiere dürften nicht als „Versuchskaninchen“ für ein „unausgereiftes Kontrollsystem“ herhalten. Ryanair nannte sieben Flughäfen mit starken Beeinträchtigungen, darunter Teneriffa Süd, Palma, Alicante und Málaga in Spanien, Mailand-Bergamo, Krakau und Paris-Beauvais.

Die Chefin des Flughafens Berlin-Brandenburg, Aletta von Massenbach, sagte laut Guardian, Nicht-EU-Bürger stünden dort bis zu zwei Stunden an, die Lage sei über den Sommer nicht tragbar.

Die EU-Kommission verwies laut Guardian darauf, dass die Kontrollen im Schnitt 70 Sekunden dauerten und die meisten Flughäfen keine größeren Probleme meldeten. Von den geschätzten 200 bis 300 Millionen jährlichen Grenzübertritten seien bereits mehr als 100 Millionen erfasst.

Länder wie Frankreich, Italien und Griechenland setzen das EES bislang nur teilweise um. Nach den EU-Regeln sollten die Mitgliedstaaten das System ab September 2026 vollständig anwenden.

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