BERLIN. So hatten sich die Grünen den Tag nach der Wahl nicht vorgestellt. Eigentlich wollten die Spitzenkandidaten Renate Künast und Jürgen Trittin den anderen Parteien Sondierungsgespräche über eine Koalitionsbildung anbieten und einen Länderrat darüber entscheiden lassen. Doch daraus wurde nichts. Statt in der Regierung sind die Grünen wieder in der Opposition gelandet, der Länderrat am Wochenende wurde kurzerhand abgesagt. Bei aller Freude über die eigenen Stimmengewinne sei es sehr bitter, dass nun eine Koalition aus Union und FDP regiere, räumte Parteichefin Claudia Roth gestern ein."Kein linkes Lager"Obwohl sie im Bundestag also erneut die kleinste Fraktion stellen, haben die Grünen nun keck die Führerschaft im Oppositionslager reklamiert. "Wir nehmen den Wettbewerb in der Opposition auf", sagte Künast. Während sich die SPD noch neu erfinden müsse und die Linkspartei einen Selbstfindungsprozess vor sich habe, seien die Grünen gut aufgestellt. "Diesen Vorsprung wollen wir nutzen", betonte sie. Eine linke Koalition in der Opposition werde es jedenfalls nicht geben. "Es gibt ein Oppositionslager aber kein linkes Lager", stellte Künast klar. "Wir setzen auf grün, und zwar nur auf grün."Die Grünen haben bei der Bundestagswahl zwar von 8,1 auf 10,7 Prozent zugelegt und ihr bislang bestes Ergebnis im Bund erzielt. Sie verfehlten allerdings ihr Ziel, zur drittstärksten Kraft zu werden. Sie sind künftig mit 68 (statt bisher 51) Abgeordneten im Parlament vertreten. Davon wurden mehr als ein Drittel, nämlich 26, neu gewählt. Darunter finden sich sowohl Vertreter der grünen Jugend, gestandene Landespolitiker sowie einige langgediente Grüne, die jetzt auf die bundespolitische Bühne zurückkehren. Zu den prominenten Neulingen gehört etwa der ehemalige UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Tom Koenigs, der ehemalige NRW-Landeschef und Europaabgeordnete Frithjof Schmidt sowie der Klimaexperte des renommierten Wuppertal-Instituts, Hermann Ott.Die neue Fraktion, die heute erstmals im Bundestag zusammentritt, spiegelt den Linksruck der Partei in den letzten vier Oppositionsjahren wider. "Die parlamentarische Linke darf sich über den einen oder anderen Zugang freuen", meinte Spitzenkandidat Trittin, der selbst dem linken Flügel angehört. Trittin werden auch deswegen gute Chancen eingeräumt, den Realpolitiker Fritz Kuhn an der Spitze der Fraktion abzulösen und diese gemeinsam mit der eher in der Parteimitte verorteten ehemaligen Verbraucherministerin Künast anzuführen. Die neue Fraktionsspitze soll allerdings erst in der nächsten Woche gewählt werden. Gegenkandidaturen gibt es bislang keine.------------------------------Foto: Parteichef Jürgen Trittin will grüne Kernanliegen verteidigen.
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