Die Zahl der Extremisten in Berlin ist im vergangenen Jahr in allen Bereichen gestiegen. Besonders Rechtsextremisten und Islamisten werben über soziale Medien gezielt um Jugendliche, der größte Anteil der Extremisten kommt laut Bericht aber von links.
Das verfassungsfeindliche Personenpotenzial in Berlin ist im Jahr 2025 in allen Phänomenbereichen angewachsen. Das geht aus dem Verfassungsschutzbericht hervor, den der Senat auf Vorlage von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Dienstag zur Kenntnis genommen hat. Die Senatorin stellte den Bericht am Dienstag bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit dem Leiter der Abteilung für Verfassungsschutz Michael Fischer vor. Extremistische Gruppierungen versuchten zunehmend, Jugendliche und junge Erwachsene zu radikalisieren, erklärte Spranger. Diese Entwicklung sei „besonders besorgniserregend“.
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Rechtsextremismus mit neuer Netzkultur
Die Zahl der Rechtsextremisten stieg laut Bericht auf 1480 Personen (2024: 1450). Erstmals führt der Verfassungsschutz dabei die „Gewaltorientierten rechtsextremistischen Netzkulturen“ als eigene Kategorie auf. Deren Aktivitäten hätten die Wahrnehmung des Rechtsextremismus in Berlin im vergangenen Jahr wesentlich geprägt und dazu beigetragen, dass die Szene aggressiver auftrete, heißt es in dem Bericht. Als weitere zentrale Akteure nennt die Behörde die Partei Der Dritte Weg, deren Jugendorganisation Nationalrevolutionäre Jugend, die Partei Die Heimat sowie die verfassungsschutzrelevante Neue Rechte.
Im Linksextremismus zählt der Verfassungsschutz 3950 Personen (2024: 3800). Erstmals seit mehreren Jahren wuchs auch der gewaltorientierte autonome und postautonome Teil der Szene. Verdeckt agierende Kleingruppen verübten Gewalt gegen staatliche Einrichtungen, Unternehmen und kritische Infrastruktur. Der gravierendste Brandanschlag ereignete sich am 9. September 2025 im Ortsteil Johannisthal. In der Folge waren zehntausende Berlinerinnen und Berliner mehrere Tage ohne Strom. Die zugrunde liegende Ideologie des „Öko-Anarchismus“ habe spürbar zur Radikalisierung beigetragen.
Salafistische Propaganda erreicht junge Menschen
In der islamistischen Szene zählt der Verfassungsschutz 2590 Personen (2024: 2440). Der Anstieg gehe vor allem auf salafistische Bestrebungen zurück. Internationale Terrororganisationen und salafistische Prediger hätten ihre Online-Aktivitäten intensiviert und professionalisiert. Die Propaganda erreiche über soziale Medien vor allem immer mehr junge Menschen und habe sich zu einem zentralen Radikalisierungstreiber entwickelt.
Im Bereich des auslandsbezogenen Extremismus zählt die Behörde rund 1700 Personen (2024: 1680). Davon werden 1100 weiterhin der PKK zugerechnet. Prägend sei eine israelfeindliche Szene, zu der unter anderem das Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee, BDS Berlin und die Gruppierung Young Struggle gehörten.
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