Bis zum letzten Tag hat Prälat Stephan Reimers in Hamburg noch Kisten und Koffer gepackt. Seit dem Wochenende ist der Theologe nicht mehr Leiter des Diakonischen Werkes in Hamburg, sondern hat eine neue Funktion in Berlin. Sein Titel: Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Gemeinschaft. Der 55-Jährige soll von seinem Amtssitz in der Charlottenstraße mit dem Mitarbeiterstab aus Ost und West Kontakte zu den 221 evangelischen Abgeordneten halten. Vor allem geht es der Kirche darum, ihre Forderungen etwa zum Sonntagsschutz oder zur Abschiebung deutlich zu machen. Auf dem "Botschafterposten der Kirche" wird Reimers zu Gesetzesanhörungen eingeladen. "Ich werde sicherlich nicht nur angenehme Erfahrungen machen", sagt Reimers. Der Kirchenbeauftragte kennt eine "ganze Reihe von der anderen Seite". Zehn Jahre lang hat Reimers für die CDU im Bundestag gesessen. 1993 ist der Theologe aus der CDU ausgetreten "wegen des Demokratieverständnisses der Partei". Sein Leben teilt der 55-Jährige in "Zehnjahresabschnitte" ein. Nach dem Theologiestudium und der Promotion war Reimers zehn Jahre lang Assistent an der Universität. Nach seiner Zeit in der Hamburger Bürgerschaft und im Bundestag wechselte der Vater von zwei Kindern an die Evangelische Akademie. Als Reimers Anfang der 90er Jahre zur Hamburger Diakonie kam, fielen ihm "in fast allen Hauseingängen Menschen auf, die dort übernachten müssen". Reimers gründete die Obdachlosenzeitschrift "hinz und kunzt". Er bezeichnet das Unternehmen als "Hebamme" anderer Projekte. Er initiierte, dass "Kirchenkaten" als Obdachlosenunterkünfte genutzt werden und das Spendenparlament für soziale Projekte. "Tu Deinen Mund auf für die Stummen und für das Recht aller Schwachen", steht in der Berufungsurkunde für den Bundesbeauftragten. Er will auch in Berlin "Lobbyist für Schwache" sein.
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