Rund 3350 Tonnen Gold lagern in den Beständen der Bundesbank. Chinas Notenbank meldet knapp 2390 Tonnen. Auf dem Papier liegt Deutschland fast 1000 Tonnen vorn.
Doch Pekings Zahlen sind womöglich zu niedrig. Für Juli meldete China einen Zukauf von 20 Tonnen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs schätzt, dass es tatsächlich 35 Tonnen waren.
Das berichtet das Fachportal Kitco. Die Differenz von 15 Tonnen entspricht beim aktuellen Kurs rund 1,8 Milliarden Euro.
Goldreserven China: 35 statt 20 Tonnen im Juli
Offiziell kauft Peking seit 22 Monaten ununterbrochen Gold, in den ersten acht Monaten 2026 laut Staatsdaten rund 80 Tonnen. Allein die Goldman-Schätzung für Juli liegt fast halb so hoch.
Die Analysten Lina Thomas und Daan Struyven kommen für alle Notenbanken weltweit auf 44 Tonnen im Juli. Vor 2022 lag der Schnitt bei 17 Tonnen im Monat.
Wie Goldman die verdeckten Käufe aufspürt
Die Bank verlässt sich nicht auf offizielle Meldungen. Sie verfolgt, wie viel Gold über den Londoner Handel in heimische Tresore oder zu Verwahrstellen abfließt.
Ein Indiz: Die Bank of England verwahrte im Juli 63 Tonnen mehr Gold für ausländische Notenbanken. Das ist mehr, als im selben Zeitraum aus New York abgezogen wurde. Goldman schließt daraus auf weitere Käufer, die nicht gemeldet haben.
Deutsches Gold in New York bleibt ein Thema
Für Deutschland ist die Verschiebung nach London heikel. Rund 37 Prozent der deutschen Reserven liegen bei der US-Notenbank in New York.
Die Niederlande haben zuletzt 86 Tonnen aus den USA und Kanada nach London geholt. Die Bundesbank sieht dafür bislang keinen Anlass.
Goldpreis-Prognose: 4900 Dollar bis Jahresende?
Am Donnerstagmorgen kostete eine Feinunze rund 4285 Dollar, umgerechnet etwa 3760 Euro. Das Allzeithoch vom Januar lag bei 5598 Dollar.
Bis zum Goldman-Ziel fehlen gut 14 Prozent. Für einen Krügerrand wären das beim heutigen Wechselkurs gut 500 Euro mehr.
Die Bank erwartet, dass Notenbanken 2026 im Schnitt 50 Tonnen pro Monat kaufen und private Anleger in Gold-ETFs zurückkehren. Sie warnt aber vor stärkeren Schwankungen in beide Richtungen.
Fed-Zinserhöhung: der Haken an der Prognose
Goldman setzt eine abwartende Fed voraus. Die US-Notenbank hat den Leitzins am 16. September aber auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben, erstmals seit Juli 2023.
Laut der Landesbank Baden-Württemberg neigt die große Mehrheit der Notenbanker zu einem weiteren Schritt bis Jahresende. Höhere Zinsen machen Gold, das keine Zinsen abwirft, weniger attraktiv.
Gold verkaufen: Steuern, Verluste, Aufschlag
Gewinne aus Barren und Münzen sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Wer früher verkauft, muss sie versteuern, sofern alle privaten Verkaufsgewinne im Jahr 1000 Euro erreichen.
Wer im Frühjahr zum Rekordpreis gekauft hat, liegt heute im Minus. Solche Verluste lassen sich innerhalb der Jahresfrist mit Gewinnen aus anderen privaten Verkäufen verrechnen, etwa aus Silber oder Kryptowährungen.
Beim Kauf verlangen Händler laut Gold.de meist zwei bis sechs Prozent Aufschlag auf den Börsenpreis. Kleine Kursgewinne sind damit schnell aufgezehrt.
Die nächsten Signale kommen im Oktober. Anfang des Monats meldet Pekings Notenbank ihre Septemberzahlen, am 28. Oktober entscheidet die Fed erneut. Wie Experten die Lage sahen, als Gold im Januar auf die 5000-Dollar-Marke zulief, lesen Sie in unserem Gold-Ratgeber vom Jahresbeginn.
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