In Finnland sorgt derzeit eine Reihe rätselhafter Ereignisse für Aufsehen. Mehrere finnische Abgeordnete haben verdächtige Veränderungen in ihren Wohnungen gemeldet und befürchten, dass Unbekannte während ihrer Abwesenheit eingedrungen sind. Die Polizei Helsinki teilte am Donnerstag mit, sie habe nach Hinweisen des Parlaments eine Vorprüfung eingeleitet. Dabei arbeite sie mit der nationalen Kriminalpolizei zusammen. Wer hinter den möglichen Zutritten steckt, ist bislang ungeklärt – die ersten Verdächtigungen stehen jedoch im Raum.
Nach Informationen des öffentlich-rechtlichen Senders Yle geht es um etwas weniger als 20 Verdachtsfälle innerhalb eines Jahres. Manche Abgeordnete fanden in ihren Heimen geöffnete Türen, die sie nach eigener Erinnerung geschlossen hatten. Andere bemerkten eingeschaltete Lichter, obwohl sie sich nicht erinnern konnten, diese angelassen zu haben. Einbruchsspuren wurden nicht festgestellt. Auch gestohlen oder beschädigt wurde offenbar nichts.
Wurden die Hinweise absichtlich hinterlassen?
Parlamentspräsident Jussi Halla-aho bestätigte bei einer Pressekonferenz eine erhebliche Zahl mutmaßlicher Vorfälle. „Es ist möglich, dass die Hinweise absichtlich hinterlassen wurden, damit sie bemerkt werden“, sagte er laut Helsinki Times. Weitere Einzelheiten wollte er mit Blick auf die polizeiliche Prüfung nicht nennen.
Die Beobachtungen könnten demnach darauf abzielen, den Bewohnern zu zeigen, dass jemand Zugang zu ihren privaten Räumen hatte. Ob tatsächlich eine solche Einschüchterung beabsichtigt war, steht jedoch nicht fest. Auch eine Verbindung zwischen den betroffenen Abgeordneten über Parteizugehörigkeit oder Geschlecht ist nach Halla-ahos Angaben nicht bekannt.
Die Parlamentsführung erfuhr in der vergangenen Woche von den Verdachtsfällen. Nachdem die Fraktionsführungen informiert worden waren, meldeten weitere Abgeordnete ähnliche Beobachtungen. Das Parlament verschickte daraufhin ein Schreiben, in dem es seine Mitglieder aufforderte, auf mögliche Hinweise zu achten und diese der Sicherheitsabteilung sowie der Polizei mitzuteilen, wie Yle weiter berichtet.
Blick auf Helsinki bei Sonnenuntergang. In Finnland prüft die Polizei Hinweise auf unbefugte Zutritte zu Wohnungen mehrerer Abgeordneter.
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Spekulationen über ausländische Einflussnahme
Ministerpräsident Petteri Orpo bezeichnete eine Einflussnahme durch einen fremden Staat als mögliche Erklärung. Halla-aho betonte dagegen, dass es bislang keine Grundlage gebe, Verantwortliche zu benennen. Die Klärung liege bei den Sicherheitsbehörden, berichtet die Helsinki Times.
Der militärische Nachrichtendienstchef Pekka Turunen erklärte dem Sender MTV Uutiset, das Eindringen in Wohnungen von Abgeordneten gehöre zum russischen Instrumentarium. Zugleich schränkte er ein, dass diese Methode vor allem innerhalb Russlands eine Rolle spiele. Einen Beleg für eine russische Beteiligung an den finnischen Vorfällen nannte er nicht.
Der finnische Sicherheitsdienst Supo äußerte sich zurückhaltender. Autoritäre Staaten ließen ihre Geheimdienste zwar innerhalb ihrer eigenen Länder Wohnungen betreten. Ihm sei aber nicht bekannt, dass diese Vorgehensweise außerhalb dieser Staaten in Finnland oder anderswo in Europa eingesetzt werde, erklärte Supo gegenüber MTV Uutiset.
Polizei steht noch am Anfang
Bislang geht es um die Prüfung verdächtiger Beobachtungen. Eine förmliche strafrechtliche Untersuchung war laut Yle zunächst nicht eröffnet worden. Eine Quelle des Senders hielt „Missverständnisse“ grundsätzlich für möglich, bei zumindest einigen der gemeldeten Fälle allerdings für unwahrscheinlich.
Präsident Alexander Stubb stellte sich hinter die Parlamentarier. „Ein Angriff auf einen Abgeordneten ist ein Angriff auf die Demokratie“, sagte er laut Yle. Die Polizei erklärte, ihre Vorprüfung befinde sich im Anfangsstadium. Weitere Angaben machte sie zunächst nicht.
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