Milliarden-Geschäft

Offshore-Konverter aus Rostock: Neptunwerft holt zweiten Milliarden-Auftrag

Die Neptun Werft in Rostock kann den zweiten Großauftrag an Land ziehen. 2,5 Milliarden Euro stehen für zwei Nordsee-Plattformen im Raum. Was das für Jobs bedeutet?

5 Min
Die Offshore-Konverterplattform DolWin gamma 2017 für die Anbindung von Nordsee-Windparks im Dock der Warnow-Werft in Rostock.

Die Offshore-Konverterplattform DolWin gamma 2017 für die Anbindung von Nordsee-Windparks im Dock der Warnow-Werft in Rostock.

© Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Die Neptunwerft in Rostock bekommt für Jahre Arbeit: In der Hansestadt sollen künftig gewaltige Offshore-Konverter für die Nordsee entstehen – riesige Plattformen, die Windstrom vom Meer in das deutsche Stromnetz einspeisen.

Der Netzbetreiber 50Hertz hat dafür jetzt den zweiten Milliarden-Auftrag an das Rostocker Konsortium Neptun Smulders Offshore Renewables (NSORe) vergeben. Konkret geht es um das Nordsee-Netzanbindungsprojekt LanWin3. Für die Region bedeutet das gut bezahlte Industrie- und Ingenieursarbeitsplätze – und eine langfristige Perspektive für die Werft. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig spricht von einem „wichtigen Signal“. Das Besondere: Solche Plattformen wurden bislang vor allem in China gebaut. Nun entstehen sie in Mecklenburg-Vorpommern.

„Wir haben heute die Vertragsverhandlungen abgeschlossen“, erklärte Henrich Quick, Leiter des Bereichs Offshore bei 50Hertz heute auf der Neptunwerft in Warnemünde. Mit der Unterschrift ist der Weg für das zweite Großprojekt frei, dessen Schlüsselkomponenten bei NSORe gefertigt werden.

Manuela Schwesig (SPD) in Warnemünde im Gespräch mit Azubis der Neptunwerft, bevor sie öffentlich über den neuen Großauftrag für die Werft informiert.

Manuela Schwesig (SPD) in Warnemünde im Gespräch mit Azubis der Neptunwerft, bevor sie öffentlich über den neuen Großauftrag für die Werft informiert.

© Bernd Wüstneck/dpa

Bereits im Juni war ein Milliardenauftrag für das Nordsee-System LanWin6 an NSORe gegangen. Zusammengerechnet beträgt der NSORe-Anteil an beiden Konverteranlagen rund 2,5 Milliarden Euro. Ein Großteil davon fließt laut Netzbetreiber in Produktion und Dienstleistungen in Mecklenburg-Vorpommern.

Für die Hochspannungs-Technik und den Innenausbau bleibt Siemens Energy verantwortlich. Bereits 2024 hatte 50Hertz das Unternehmen damit für beide Konverter-Plattformen beauftragt. „Auch das ist noch einmal ein Volumen von 2,5 Milliarden Euro“, so ein Sprecher des Unternehmens.

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Wo gebaut wird – und wie schwer die Plattformen sind

Die Arbeit verteilt sich auf zwei Standorte. In Rostock-Warnemünde entstehen wesentliche Bauteile, darunter die sogenannte Topside – das Hauptgebäude der Offshore-Plattform. Die stählerne Unterkonstruktion, das „Jacket“, fertigt der Partner Smulders im niederländischen Vlissingen.

Damit die Fertigung gelingen kann, investiert das Konsortium kräftig in den Standort Warnemünde. „Wir investieren hier knapp 200 Millionen Euro“, erklärt Malte Poelmann, einer der beiden NSORe-Geschäftsführer, im Gespräch mit der OAZ. „Wir brauchen für die Offshore-Konverter-Einheiten teilweise andere Fertigungsmethoden. Wir investieren hier in Anlagen, um Stahl zu brennen, zu schweißen und am Ende des Tages müssen die Plattformen, die ja mehr als 30.000 Tonnen wiegen, auch auf dieser Fläche hier transportiert werden.“

Dafür werde auch eine Schwerlastfläche am Hafen geschaffen und das Konsortium beteilige sich am Hafenausbau. Eine neue Halle müsse nicht gebaut werden, bei den bestehenden Hallen würde sich das Konsortium mit der Neptunwerft und dem Schiffbaugeschäft arrangieren. Auf dem Gelände des Marinearsenals dürfen außerdem bis 2040 Hallen vom Bundesamt für Immobilienaufgaben angemietet werden, um dort fertigen zu können „So dass wir in der Lage sind, hier zwei komplett autarke Schiffbau- und Offshore-Produktionen aufzubauen“, so Malte Poelmann.

Was das für die Neptunwerft und die Region bedeutet

Für den Standort Rostock-Warnemünde und die Beschäftigten bedeutet der Auftrag Stabilität und Arbeitsplätze. „Das Konzept basiert darauf, dass wir langfristig an unseren Erfolg glauben. Wir haben eine Neptun-Smoulders-Engeneering-Einheit aufgebaut mit schon heute über 150 Mitarbeitern, weil wir die Konverter-Plattformen konstruieren möchten. Wir glauben, dass wir hier langfristig auf der Werft und in der Region für Arbeit sorgen können.“

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig verwies darauf, dass die beiden Aufträge für die Konverter-Plattformen nicht nur 500 zusätzliche Arbeitsplätze auf der Neptunwerft bedeuten würden, sondern weitere 500 in den Zuliefererbetrieben. „Deshalb ist das heute ein so wichtiger Tag. Seit vielen Jahren arbeiten wir an der Weiterentwicklung der maritimen Industrie. Nach der Wende waren wir hier nur die verlängerte Werkbank des Westens. Wir haben daran gearbeitet, das zu ändern. Die Werftstandorte haben jetzt überall in MV eine Zukunft.“

Manuela Schwesig (m.) mit den Bossen von 50Hertz und NSORe sowie Azubis der Neptunwerft und Mitgliedern einer Delegation aus Vlissingen vor einer Halle auf dem Gelände der Neptunwerft in Rostock.

Manuela Schwesig (m.) mit den Bossen von 50Hertz und NSORe sowie Azubis der Neptunwerft und Mitgliedern einer Delegation aus Vlissingen vor einer Halle auf dem Gelände der Neptunwerft in Rostock.

© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine

Sie betonte, wie wichtig es sei, dass sich Deutschland unabhängig mache im Energiebereich und solche Plattformen nun hier produziert werden. Auf die Frage, wie die beiden Milliarden-Aufträge nach Rostock geholt werden konnten, sagte sie im Gespräch mit der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung: „Ich habe mich dafür eingesetzt, dass dieses Areal hier auf der Werft erweitert wird, damit dieser Plattformbau hier überhaupt stattfinden kann. Und wir haben mit 50Hertz ein ganz solides Unternehmen, das dieses Aufträge vergibt und das auch hier in Rostock angesiedelt ist. Investitionen für den Standort, Werbung und eine gute Partnerschaft mit allen, die daran arbeiten, das ist das Erfolgsgeheimnis“, antwortete sie.

Doch das wichtigste sei das Können der Leute auf der Neptunwerft. „Und unsere Männer und Frauen können das und diese Azubis hier werden die Fachkräfte von morgen sein.“ Darum freue sie sich vor allem für die Menschen am Standort über diese gute Perspektive. „Deshalb sage ich auch ganz klar: Wer die erneuerbaren Energien abbauen und stattdessen Atomkraftwerke bauen will, vernichtet genau hier diese Arbeitsplätze und die Zukunft für solche Betriebe.“

50Hertz-Chef Stefan Kapferer richtet den Blick nach Berlin: Politisch müsse es nun darum gehen, das Wind-auf-See-Gesetz so nachzuschärfen, dass es beim Bau der Offshore-Windparks „Planungssicherheit und keinen Verzug“ gebe.

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