Die Petition zur Untersuchung möglicher Altlasten auf dem ehemaligen Orgacid-Gelände in Halle-Ammendorf wird auch in der kommenden Legislaturperiode weiterverfolgt. Das hat der Petitionsausschuss des Landtags von Sachsen-Anhalt beschlossen. Nach jahrelangen Debatten über Zuständigkeiten, Eigentumsverhältnisse und Untersuchungsbedarf sehen die Ausschussmitglieder inzwischen Fortschritte bei der Aufarbeitung des Standorts.
Die Petition der Bürgerinitiative um Erich Gadde beschäftigt den Landtag bereits seit mehreren Jahren. Sie fordert eine umfassende Untersuchung und gegebenenfalls Sanierung des ehemaligen Werksgeländes, auf dem bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs der chemische Kampfstoff Lost produziert wurde.
In der jüngsten Sitzung verwiesen die Berichterstatterinnen Nadine Koppehel (AfD) und Elrid Pasbrig (SPD) auf die bisherigen Erkenntnisse und die bereits erfolgte fachliche Befassung durch den Ausschuss für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt. Dieser hatte sich Anfang 2024 in einem Fachgespräch mit Experten von Stadt, Landesbehörden, Gutachtern und Wissenschaft intensiv mit dem Gelände beschäftigt.
Weitere Untersuchungen unumgänglich
Damals kamen mehrere Fachleute zu dem Schluss, dass weitere Untersuchungen erforderlich seien, um Ausmaß und Ausbreitung möglicher Belastungen genauer bestimmen zu können. Der Umweltausschuss empfahl daraufhin zusätzliche Grundwasser- und gegebenenfalls Bodenuntersuchungen. Außerdem regte er an, die Frage einer möglichen finanziellen Beteiligung des Bundes weiterzuverfolgen.
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Im Petitionsausschuss wurde nun deutlich, dass diese Empfehlungen schrittweise umgesetzt werden. Nach Angaben aus der Sitzung sollen noch in diesem Jahr weitere Maßnahmen zur Gefährdungsabschätzung vorbereitet werden. Dazu gehört unter anderem die Prüfung zusätzlicher Grundwassermessstellen auf dem Gelände. Ziel bleibt die zentrale Frage, ob von möglichen Altlasten tatsächlich eine Gefährdung für Mensch und Umwelt ausgeht.
„Das Ziel dürfen wir nicht aus den Augen verlieren: Liegt eine Gefährdungslage vor?“, betonte die SPD-Abgeordnete Elrid Pasbrig während der Beratung. Auch Ausschussvorsitzende Monika Hohmann zeigte sich optimistisch. „Wir sind jetzt kurz vorm Ziel“, sagte sie mit Blick auf die laufenden Untersuchungen.
Orgacid-Petition bleibt auf der Agenda
Die Stadt Halle verweist bislang darauf, dass zwar einzelne lost-typische Verbindungen im Grundwasser nachgewiesen wurden, daraus aber noch keine konkrete Gefährdungslage abgeleitet werden könne. Für eine abschließende Bewertung seien weitere Untersuchungen notwendig. Geplant sind unter anderem zusätzliche Messkampagnen sowie die fachliche Bewertung von Stoffen, für die bislang keine geeigneten Vergleichs- und Grenzwerte vorliegen.
Lost vs. lost-typische Verbindungen
Lob gab es im Ausschuss für den Petenten Erich Gadde. Mehrere Mitglieder würdigten dessen Beharrlichkeit und sein langjähriges Engagement für die Aufarbeitung der Geschichte des Geländes. Nach Einschätzung des Ausschusses habe die Petition dazu beigetragen, dass sich die zuständigen Stellen intensiver mit dem Standort beschäftigen.
Am Ende der Beratung sprach sich der Ausschuss dafür aus, die Petition aufrechtzuerhalten und das Verfahren „wohlwollend“ weiter zu begleiten. Mit dem Ende der aktuellen Legislaturperiode wird das Anliegen damit nicht abgeschlossen. Stattdessen soll die Petition in der kommenden Wahlperiode weiterverfolgt werden – bis die offene Frage nach einer möglichen Gefährdung des ehemaligen Orgacid-Geländes abschließend geklärt ist.
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