Ost-Berliner entschieden die Wahl

Petra Ahne
3 Min

Erstmals seit der Bundestagswahl 1994 ist im Wählerverhalten der Ost- und West-Berliner eine Annäherung spürbar. Das sei für ihn das bemerkenswerteste Ergebnis der Bundestagswahl in Berlin, sagte der stellvertretende Landeswahlleiter Horst Schmollinger am Montag. Auch wenn die Differenzen sich nicht bei allen Parteien verringert hätten, sei die Ost-West-Differenz insgesamt niedriger als bei allen Bundestagswahlen seit 1990. "Das sehe ich als Chance des Wiederbeginns, des Zusammenwachsens", sagte Schmollinger.Am größten war die Annäherung beider Stadteile beim Ergebnis der PDS. Der Vorsprung der Partei in den östlichen Bezirken ging von 27,3 Prozent auf 21,8 Prozent zurück. Im Westteil stagnierte das Ergebnis bei 2,7 Prozent. Die SPD bekam in Ost-Berlin 38,9, in West-Berlin 35,1 Prozent der Stimmen. Vor vier Jahren hatte die Partei im Osten noch 4,5 Prozent weniger Stimmen als im Westteil der Stadt. Die SPD habe ihren Erfolg als stärkste Partei in der Hauptstadt dem Osten Berlins zu verdanken, sagte Schmollinger. Die Berliner CDU, die weit unter dem Bundesergebnis blieb, bekam im Westteil 16,5 Prozent mehr Stimmen als im Ostteil. Das ist zwar eine etwas größere Differenz als bei der letzten Bundestagswahl, 1990 und 1994 lagen die Unterschiede aber weit höher.Bei den Grünen ist die Ost-West-Differenz mit 6,8 Prozent zwar größer als je zuvor. Dafür konnten sie sie in beiden Stadtteilen Stimmen hinzugewinnen, im Westteil, wo sie jetzt bei 17,3 Prozent liegen, noch mehr als im Ostteil, wo 10,6 Prozent für sie stimmten. Insgesamt erzielten die Grünen in Berlin ihr bestes Wahlergebnis seit 1990. Bei der FDP blieb der Unterschied im Wählerverhalten mit 3,4 Prozent etwa auf dem Niveau der früheren Wahlen.Aus den in West und Ost aufgesplitteten Ergebnissen lässt sich laut Statistischem Landesamt auch schließen, dass die Wähler im Ostteil der Stadt den Ausgang der Bundestagswahl entscheidend mitbestimmt haben. Der Einbruch der PDS bei den Ostberliner Wählern und der Verlust von zwei ihrer Direktmandate von 1998 seien, so Horst Schmollinger, mit dafür Verantwortlich, dass die Partei im Bundestag als Fraktion nicht mehr vertreten sein wird.In einigen Bezirken gäbe es außerdem Hinweise auf eine "taktische Wahl", die Rot-Grün stärken sollte. In Steglitz-Zehlendorf zum Beispiel habe Klaus-Uwe Benneter als Direktkandidat der SPD deutlich mehr Stimmen erhalten als die SPD über die Zweitstimme. Schmollinger schloss daraus, dass Grün-Wähler ihre Erststimme Benneter gaben. Ähnliches stellte er in Friedrichshain-Kreuzberg fest, wo die taktischen Wähler wohl Christian Ströbele zum ersten Direktmandat der Grünen verholfen hätten.BERLINER ZEITUNG/ANJA KÜHL Grafik: Bundestagswahl 2002 (Zweitstimmen) in Klammern Ergebnis von 1998.Das Statistische Landesamt veröffentlichte am Montag das vorläufige amtliche Endergebnis.

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