Gesundheit

Pest-Verdacht in Russland: Trump kündigt Telefonat mit Putin an

Nach dem Tod einer Labormitarbeiterin bleiben viele Fragen offen. Russland meldet negative Tests, die USA verlangen weitere Informationen, die WHO gibt eine Risikoeinschätzung ab.

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US-Präsident Donald Trump spricht am 6. Oktober nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus mit Journalisten.

US-Präsident Donald Trump spricht am 6. Oktober nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus mit Journalisten.

© Alex Wroblewski/AFP

US-Präsident Donald Trump hat wegen eines möglichen Pestfalls in Russland ein Telefonat mit Präsident Wladimir Putin angekündigt. „Ich habe ein Telefongespräch geplant. Es wird sehr bald stattfinden“, sagte Trump laut der russischen Agentur Interfax auf die Frage, ob er die in der Region Irkutsk festgestellte Infektion mit Putin besprochen habe. Einen Termin nannte er nicht. Eine Pestinfektion ist bislang nicht bestätigt.

Hintergrund ist der Tod einer Mitarbeiterin des Irkutsker Instituts zur Pestbekämpfung für Sibirien und den Fernen Osten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation starb sie am 2. Oktober an einer schweren Lungenentzündung. Russische Medien identifizierten sie als die 28-jährige Darja Schipilowa. Die Behörden haben diese persönlichen Angaben bislang nicht bestätigt.

Das Institut untersucht gefährliche Krankheitserreger, darunter Pestbakterien. Ob die Erkrankung der Frau mit ihrer Arbeit zusammenhing, ist ungeklärt. Die russischen Behörden sprechen von einer Lungenentzündung unbekannter Ursache.

Washington fordert Aufklärung

Die US-Regierung bereitet nach einem Bericht der Washington Post eine diplomatische Anfrage an Russland vor. Washington will zusätzliche Informationen zu dem Infektionsfall erhalten.

US-Außenminister Marco Rubio forderte Russland am Dienstag zu mehr Offenheit auf. „Wir ermutigen Russland, transparent zu sein und mehr Informationen mit der Welt zu teilen, damit wir alle entsprechend und angemessen reagieren können“, sagte er laut einem AFP-Bericht bei RTÉ. Trump hatte zuvor amerikanische Unterstützung angeboten.

Ein Mitarbeiter des US-Außenministeriums erklärte gegenüber NBC News, Washington stehe seit Freitag mit der russischen Regierung in Kontakt. Daran seien auch Gesundheitsexperten des Außenministeriums beteiligt. Die US-Gesundheitsbehörde CDC sieht derzeit keine Hinweise auf eine weitergehende Bedrohung für die Vereinigten Staaten.

Erst ein Teil der Kontaktpersonen getestet

Nach russischen Behördenangaben waren bis Dienstag 60 Prozent der identifizierten Kontaktpersonen getestet, wie NBC News berichtete. Dabei seien zwei Covid-19-Fälle und zwei Rhinovirusinfektionen festgestellt worden. Andere Infektionserreger seien nicht nachgewiesen worden. Russische Medien berichteten, nahezu 200 Kontaktpersonen seien vorsorglich unter medizinische Beobachtung gestellt worden.

Gouverneur Igor Kobsew erklärte laut NBC News, im Körper der Verstorbenen seien keine Mikroorganismen gefunden worden, die mit ihrer beruflichen Tätigkeit zusammenhingen. Eine unabhängige Bestätigung dieser Angaben liegt nicht vor.

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Die Gesundheitsaufsicht Rospotrebnadsor teilte laut Interfax mit, Untersuchungen hätten keinen Zwischenfall beim Umgang mit krankheitserregenden Mikroorganismen ergeben. Eine zusätzliche Expertenkommission habe diesen Befund bestätigt. Wegen der beruflichen Tätigkeit der Frau seien vorsorglich umfassende Schutzmaßnahmen eingeleitet worden. Lokale Medien hatten zuvor von einem Unfall mit einem zersprungenen Reagenzglas berichtet.

WHO wartet auf Klärung der Todesursache

Die WHO erklärte am Dienstag, die Todesursache sei noch nicht offiziell bestätigt. Die Behörden prüften, ob Lungenpest den Tod verursacht habe. Die Organisation wartet auf eine Bestätigung, welcher Erreger die tödliche Lungenentzündung ausgelöst hat.

Russland teilte der WHO mit, in der Stadt Irkutsk sei kein Pestfall registriert worden. Die Organisation bewertet das Risiko für Irkutsk vorläufig als mäßig bis gering, für Russland insgesamt als gering und für die europäische WHO-Region als sehr gering. Bei neuen Erkenntnissen werde die Einschätzung aktualisiert.

Eine stationäre Einrichtung in Schelechow wurde unter Quarantäne gestellt. Die regionale Gesundheitsaufsicht dementierte jedoch laut NBC News Berichte über strenge Beschränkungen in der gesamten Region. Solche Entscheidungen seien bislang nicht getroffen worden.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten sieht nach den begrenzten verfügbaren Informationen keine Hinweise auf Folgefälle oder eine anhaltende Übertragung zwischen Menschen. Lungenpest kann bei engem Kontakt über Tröpfchen übertragen werden, lässt sich bei frühzeitiger Behandlung aber mit Antibiotika heilen.

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