Gesundheit

Pest-Tod in Russland? Kreml reagiert erstmals auf Spekulationen über Laborunfall

Der Tod einer 28-jährigen Mitarbeiterin eines russischen Pestinstituts löste international Spekulationen aus. Moskau weist Berichte über einen Ausbruch zurück, doch Fragen bleiben offen.

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Kremlsprecher Dmitri Peskow

Kremlsprecher Dmitri Peskow

© Ulf Mauder/dpa

Nach tagelangen Spekulationen über einen möglichen Pestfall in Sibirien hat sich nun auch der Kreml eingeschaltet. Präsidentensprecher Dmitri Peskow forderte am Montag dazu auf, sich ausschließlich an den Angaben der russischen Gesundheitsaufsicht Rospotrebnadsor zu orientieren.

Man solle auf die offiziellen Erklärungen der Behörde hören und nicht auf „verschiedene Gerüchte“ und „verschiedene Spekulationen“, sagte Peskow nach Angaben russischer Medien. Bei Rospotrebnadsor arbeiteten auf diesem Gebiet „hochqualifizierte Fachleute“.

Auslöser der Aufregung ist der Tod einer 28 Jahre alten Mitarbeiterin des Anti-Pest-Forschungsinstituts in Irkutsk. Die Frau war Ende September mit einer schweren Lungenentzündung in ein Krankenhaus im nahe gelegenen Schelechow eingeliefert worden und starb in der Nacht zum 2. Oktober. Unbestätigte russische Medienberichte brachten ihren Tod anschließend mit einer möglichen Infektion mit dem Pesterreger Yersinia pestis in Verbindung.

Russische Behörde: Keine Pest-Erreger in Proben nachgewiesen

Die russische Gesundheitsaufsicht widerspricht diesen Berichten. Die Diagnose der verstorbenen Frau laute „Lungenentzündung unbekannter Herkunft“, erklärte Rospotrebnadsor. Bei erweiterten Untersuchungen seien in ihren Proben keine Mikroorganismen gefunden worden, die mit ihrer beruflichen Tätigkeit in Verbindung stünden.

Damit bleibt allerdings auch nach der offiziellen Erklärung offen, welcher Erreger die tödliche Lungenentzündung tatsächlich verursacht hat.

Rospotrebnadsor widersprach zudem Berichten über einen Unfall im Labor. Eine Kommission habe die Einhaltung der biologischen Sicherheitsvorschriften überprüft und keine Unfälle beim Umgang mit krankheitserregenden Mikroorganismen festgestellt. Zuvor hatten lokale Medien berichtet, der Laborantin sei möglicherweise ein Reagenzglas mit Pestbakterien heruntergefallen. Für diese Darstellung gibt es bislang keine unabhängige Bestätigung.

Rund 200 Kontaktpersonen unter Beobachtung

Die Vorsichtsmaßnahmen nach dem Todesfall fielen dennoch umfangreich aus. Rund 200 Personen, die möglicherweise Kontakt zu der Frau hatten, wurden nach Medienberichten medizinisch überwacht. Das Krankenhaus in Schelechow wurde zeitweise unter Quarantäne gestellt. Auch über Einschränkungen in weiteren medizinischen Einrichtungen und die Isolation von Mitarbeitern des Instituts wurde berichtet.

Nach Angaben der Behörden gibt es bislang keine Hinweise auf eine weitere Ausbreitung. Bei Kontaktpersonen seien keine Pestinfektionen nachgewiesen worden. Rospotrebnadsor bezeichnet die epidemiologische Lage in Irkutsk und Schelechow als stabil.

Die ungewöhnlichen Vorsichtsmaßnahmen und zunächst widersprüchlichen Angaben hatten dennoch international Aufmerksamkeit ausgelöst. Axios berichtet, der Fall habe in sozialen Netzwerken Ängste und Vergleiche mit dem Beginn der Corona-Pandemie hervorgerufen. Für einen solchen Vergleich gibt es nach dem derzeitigen Stand allerdings keine medizinische Grundlage: Ein Pestfall ist laut offiziellen Stellen nicht bestätigt, ebenso wenig eine Übertragung von Mensch zu Mensch.

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USA verlangen von Russland mehr Transparenz

Auch die US-Regierung verfolgt den Fall. Das Außenministerium erklärte, es beobachte die Berichte gemeinsam mit der Gesundheitsbehörde CDC und weiteren Stellen. Viele Einzelheiten seien weiterhin nicht bestätigt. Washington forderte die russischen Behörden auf, „schnell und offen“ genaue Informationen bereitzustellen.

Die Lungenpest gehört zu den gefährlichsten Formen der Pest. Sie wird durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht und kann bei engem Kontakt über Atempartikel übertragen werden. Anders als zu Zeiten historischer Pestpandemien lässt sich die Erkrankung heute jedoch mit Antibiotika behandeln. Entscheidend ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ein möglichst früher Therapiebeginn.

Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass Lungenpest in Deutschland normalerweise nicht vorkommt. Einzelne eingeschleppte Fälle seien grundsätzlich möglich, Deutschland verfüge jedoch über spezialisierte Diagnostik und Strukturen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

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