Der Trinkbeutel-Hersteller Capri-Sun hat eine Online-Petiton für die Rückkehr des Plastikstrohhalms gestartet. Auf der Plattform change.org sammelt das Unternehmen Unterschriften, um die Strohhalme aus Plastik zurückzubringen. Das Ziel sind insgesamt eine Million Unterschriften. Sie sollen dann an die EU-Kommission weitergereicht werden.
Capri-Sun-Chef Roland Weening hatte vor rund zwei Wochen der Schweizer Sonntagszeitung gesagt, er wolle auf eine Ausnahmegenehmigung bei der EU für das Verbot von Einweg-Plastikstrohhalmen hinwirken.
Auf Instagram teilte Capri-Sun mit, es sei 2021 zu Papierstrohhalmen gewechselt. Allerdings sei das Trennen von Trinkhalm und Beutel zur Wiederverwertung oft unpraktisch. Auch das Einstechen des Papierstrohhalms in den Beutel sei schwieriger. Das Unternehmen sei überzeugt, dass es eine bessere Lösung sei, die Plastikstrohhalme zurückzubringen, die dann gemeinsam mit dem Beutel recyclet werden können. Bis zum Mittwochnachmittag hatten über 6400 Menschen die Petition unterschrieben.
Adriana Neligan, Expertin für Kreislaufwirtschaft beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, sagte allerdings: „Ich glaube nicht, dass es für ein Unternehmen eine Ausnahmegenehmigung geben wird.“ Andreas Hermann vom Öko-Institut in Darmstadt sagte, die Richtlinie diene dem Umweltschutz, Trinkhalme aus Kunststoff seien verboten – „und in der Richtlinie sind keine Ausnahmen vorgesehen“.
Umweltschützer sahen das Vorhaben von Capri-Sun äußerst kritisch. „Das Produkt an sich ist schon eine Einweg-Katastrophe, es wird direkt zu Müll – das passt nicht mehr in unsere Zeit, in der sich die Politik und die Menschen weltweit für eine nachhaltige Zukunft einsetzen“, sagte Viola Wohlgemuth vom Bündnis Exit Plastik. „Eine Wiedereinführung des Plastikstrohhalms wäre ein Schritt zurück ins vergangene Jahrhundert.“
Plastikstrohhalme seit 2021 verboten
Expertin Neligan sagte, sie erwarte zudem keine Rückabwicklung des EU-Verbots von Einweg-Kunststoffartikeln aus dem Jahr 2021. Seit Juli 2021 dürfen Trinkhalme aus Plastik EU-weit nicht mehr verkauft werden. Hintergrund ist die im Jahr 2019 beschlossene EU-Einwegplastik-Richtlinie, die zur Verringerung von Plastikmüll beitragen soll.
Allerdings äußerte sich Neligan auch kritisch zu Papierstrohhalmen, die teilweise kaum eine einzige Nutzung überstehen würden. „Die Frage ist: Wie häufig kann ich ein Produkt nutzen? Und damit verbessert sich natürlich die Ökobilanz.“ So würden etwa recycelte Plastiktüten von der Ökobilanz her besser abschneiden als Papiertüten.
Aktuell prüft Capri-Sun laut einer Sprecherin eine Möglichkeit, dass der Verbraucher künftig Trinkbeutel und Strohhalm – beides aus Polypropylen – zusammen in den recyclefähigen Plastikmüll werfen kann. Polypropylen ist ein Kunststoff. Derzeit enthält der Trinkbeutel in der klassischen 200-Milliliter-Variante auch noch Aluminium. In einem nächsten Schritt soll der Trinkbeutel nur noch aus Polypropylen bestehen.
Kunden genervt: Capri-Sun will zurück zum Plastikstrohhalm
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