Der Landkreis Mittelsachsen und die Hochschule Mittweida haben in dieser Woche ein gemeinsames Pilotforschungsprojekt „TransferLotse“ gestartet. Mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung am Mittwoch wurde der offizielle Startpunkt gesetzt. Ziel ist die Entwicklung und Erprobung eines digitalen Assistenzsystems, das Unternehmen künftig dabei unterstützen soll, passende wissenschaftliche Kompetenzen, Ansprechpartner, Transferangebote und mögliche Kooperationspartner schneller zu finden.
Sven Krüger, parteiloser Landrat in Mittelsachsen, erklärt, warum auch er seine Wirtschaftsförderung in diesem Pilotprojekt verortet hat: „Wir brauchen die Idee, Künstliche Intelligenz einzusetzen, um auch Firmen schneller und besser zu vernetzen. Große Firmen bringen das vielleicht auf den Weg, aber in unserem Kreis haben die Firmen im Schnitt vierzig Mitarbeiter. Da sind die Unternehmer oft fest ins Tagesgeschäft eingebunden. Die Hochschule soll helfen, den Transfer von Erkenntnissen in die Wirtschaft zu erleichtern.“
Bislang sei der Kelch großer Insolvenzen noch gut an der Region Mittelsachsen vorbeigegangen, die Arbeitslosenquote sei stabil, manche Ecken des Kreises hätten sogar Einwohnerzuwachs. Hochschulrektor Prof. Dr. Volker Tolkmitt weiß, worum es geht: „Das Wirtschaftsleben ist hart, wir als Hochschule müssen für Ansiedlungen und Wachstum ein Experimentierfeld sein. Die hochschulische Bildung gibt es hier am Standort seit 160 Jahren und wir haben das stets so gehalten.“ Seine Kollegen aus der Fakultät für angewandte Computer- und Biowissenschaften, Prof. Matthias Baumgart und Prof. Christian Roschke, wollen beweisen, dass es möglich ist, mit KI-Unterstützung die Mittelständler der Region zu vernetzen – und am Ende vielleicht gemeinsam neue Produkte zu entwickeln.
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Basis für große Investitionen in Sachsen wird gebaut
„Vielleicht gibt es ja irgendwann deshalb die Millionen-Investition“, hofft Katrin Haußmann von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Mittelsachsen. Die Grundidee sei bereits vor drei Jahren entstanden. Es gäbe bereits viele Netzwerke. Bei der digitalen Plattform „TransferLotse“ stünden aber ganz klar Kooperationen und eine tiefere Wertschöpfung im Mittelpunkt. „In Mittelsachsen verfügen wir über hoch spezialisierte Unternehmen und starke wissenschaftliche Partner. Trotzdem ist für Unternehmen nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, wer bei einer konkreten Fragestellung weiterhelfen kann. Genau hier wollen wir ansetzen. Künstliche Intelligenz soll dabei kein Selbstzweck sein, sondern helfen, die richtigen Menschen schneller zusammenzubringen“, erklärt Landrat Sven Krüger.
Christian Roschke, Professor für Digitale Transformation und Angewandte Medieninformatik, ist ein Experte mit Forschungsschwerpunkt unter anderem bei Künstlicher Intelligenz, intelligenter Datenverarbeitung und der Überführung technischer Verfahren in anwendungsnahe Systeme. Sein Kollege Matthias Baumgart verbindet Informatik und maschinelles Lernen mit Prozessmanagement und langjähriger Erfahrung im Forschungs-, Wissens- und Technologietransfer.
Eine digitale, KI-basierte Plattform soll schon bald die Mittelständler im Industriezentrum zwischen Dresden und Chemnitz vernetzen.
© IMAGO/Christian Ohde
„Wir haben bei der Entwicklung des TransferLotsen von Anfang an die Unternehmen und ihre Bedürfnisse im Fokus. Dafür müssen unterschiedliche Informationen so strukturiert und intelligent ausgewertet werden, dass daraus für die Unternehmen tatsächlich hilfreiche Vorschläge entstehen. Entscheidend ist dabei nicht möglichst viel KI, sondern eine Lösung, die nachvollziehbar ist und sich an realen Anwendungssituationen orientiert“, erklärte Roschke bei der Projektvorstellung.
Kooperation soll mehr Wertschöpfung bringen
Und Matthias Baumgart ergänzt: „Technik allein reicht dafür nicht aus. Wir müssen verstehen, wie Unternehmen heute nach Wissen und geeigneten Partnern suchen. Genau deshalb beginnt das Projekt mit dem direkten Austausch mit den Unternehmen.“ In der ersten Projektphase werden deshalb 15 Unternehmen aus Mittelsachsen für Interviews gesucht. Die Gespräche finden direkt in den Betrieben statt. Dabei geht es unter anderem darum, wie Unternehmen bislang nach Wissen und Partnern suchen, wo Schwierigkeiten entstehen und was ein digitales Assistenzsystem leisten müsste, damit es im Unternehmensalltag tatsächlich hilfreich ist.
„Am Ende des Pilotprojektes soll ein niederschwelliges Angebot für die Firmen entstehen, das sie einfach nutzen können, um durch Kooperation ihre Wertschöpfung zu erhöhen“, sagt Katrin Haußmann, die das Projekt seitens der Wirtschaftsförderung begleitet. Für Unternehmen, die zunächst mehr über das Vorhaben erfahren möchten, findet am 7. Oktober eine Online-Informationsveranstaltung statt. Interessierte Unternehmen können sich sowohl für die Interviews als auch für die Online-Informationsveranstaltung direkt unter [email protected] anmelden.
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