Ernährungsmythen

Popeye hat uns belogen: Die 5 größten Lebensmittel-Lügen, auf die fast jeder reinfällt

Lebensmittel-Mythen im Faktencheck: Eisen im Spinat, brauner Zucker, Mindesthaltbarkeitsdatum, Tiefkühlgemüse und „ohne Zuckerzusatz“ einfach erklärt.

4 Min
Ein Blick aufs Etikett lohnt sich: Viele Lebensmittel-Mythen halten sich seit Jahrzehnten, vom Haltbarkeitsdatum bis „ohne Zuckerzusatz“ (Symbolbild).

Ein Blick aufs Etikett lohnt sich: Viele Lebensmittel-Mythen halten sich seit Jahrzehnten, vom Haltbarkeitsdatum bis „ohne Zuckerzusatz“ (Symbolbild).

© Elena Shishkina/imago

Frischer Spinat aus dem Kühlschrank hat nach vier Tagen nur noch ein Fünftel seines Vitamin C. Tiefgekühlter Spinat verliert in derselben Zeit praktisch nichts.

Das ist nur einer von vielen Irrtümern, die in deutschen Küchen seit Jahrzehnten weitergegeben werden. Fünf davon kosten besonders viel Geld oder Gesundheit.

Lüge 1: Spinat hat besonders viel Eisen

Popeye öffnet die Dose, und die Muskeln wachsen. Tatsächlich liefert frischer Spinat rund 3,5 bis 4 Milligramm Eisen pro 100 Gramm. Das ist ordentlich, aber kein Spitzenwert. Petersilie etwa liegt deutlich darüber.

Die berühmten 35 Milligramm gelten für getrockneten Spinat, der kaum noch Wasser enthält. Hinzu kommt die Oxalsäure in den Blättern. Sie bremst, wie viel Eisen der Darm überhaupt aufnimmt.

Kurios: Auch die Erklärung für den Mythos wackelt. Die Geschichte vom verrutschten Komma in einer alten Nährwerttabelle gilt inzwischen selbst als Legende. Gesund bleibt Spinat trotzdem, vor allem wegen Folsäure und Vitaminen.

Lüge 2: Abgelaufenes MHD heißt verdorben

Hier verlieren Haushalte das meiste Geld. Das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt laut Verbraucherzentrale nur an, bis wann der Hersteller garantiert, dass das ungeöffnete Produkt Geruch, Geschmack und Nährwert behält.

Ein Joghurt oder eine Packung Nudeln ist danach oft noch einwandfrei. Supermärkte dürfen solche Ware sogar weiter verkaufen, wenn sie sie vorher prüfen.

Ernst wird es beim Verbrauchsdatum. Steht „zu verbrauchen bis“ auf Hackfleisch oder frischem Geflügel, ist an diesem Tag Schluss.

Bei allem anderen entscheiden Augen, Nase und Zunge. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat dafür eine Checkliste für rund 30 Lebensmittel von Butter bis Mehl erstellt.

Lüge 3: Brauner Zucker ist gesünder

Er wirkt natürlicher und schmeckt nach Karamell. Häufig ist brauner Zucker aber einfach weißer Zucker, dem nachträglich dunkler Sirup zugesetzt wurde, wie die Hamburger Verbraucherschützer in einem Vergleich der Zuckersorten erklären.

Auch echter Rohrohrzucker enthält nur winzige Mengen zusätzlicher Mineralstoffe. Für die Versorgung spielen sie keine Rolle. Rund 400 Kilokalorien pro 100 Gramm haben alle Sorten.

Wer braunen Zucker wegen des Aromas mag, soll ihn nehmen. Wer ihn für gesünder hält, bezahlt für eine Farbe.

Lüge 4: Tiefkühlgemüse ist zweite Wahl

Tiefkühlgemüse wird meist wenige Stunden nach der Ernte schockgefrostet. Frisches Gemüse dagegen verliert auf dem Weg über Lkw, Regal und Kühlschrank jeden Tag Vitamine.

Das Bundeszentrum für Ernährung hat das am Spinat durchgerechnet: Bei Raumtemperatur ist das Vitamin C nach vier Tagen komplett weg. Tiefgekühlt sind nach vier Monaten erst rund 15 Prozent verloren.

Warum Gemüse aus dem Froster generell unterschätzt wird, hat die Berliner Zeitung bereits ausführlich erklärt. Wichtig ist nur: gefroren in Topf oder Pfanne geben, nicht lange auftauen lassen.

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Lüge 5: „Ohne Zuckerzusatz“ heißt wenig Zucker

Rechtlich bedeutet der Hinweis nur, dass bei der Herstellung kein zusätzlicher Zucker zugegeben wurde. Ein Smoothie darf so werben und trotzdem sehr süß sein.

Der Trick wirkt, wie eine Studie im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigt. Ein Beeren-Müsli ohne Werbeaussage hielten 55,6 Prozent der Befragten für gesund. Mit dem Satz „Ohne Zuckerzusatz. Süße nur aus Früchten“ waren es 69,6 Prozent.

Das Oberlandesgericht Frankfurt verbot einem Hersteller, eine Mandarinen-Konserve so zu bewerben, weil in der Dose zuckerhaltiger Kakisaft steckte.

Den Höhepunkt lieferte ein Kindersnack: Für die „Obsties“ von Alete gab es 2024 den Negativpreis „Goldener Windbeutel“ der Verbraucherorganisation Foodwatch. Auf der Packung stand „ohne Zuckerzusatz“, im Produkt steckten fast 72 Prozent Zucker.

So durchschauen Sie jede Verpackung

Drehen Sie die Packung um. Die Vorderseite ist Werbung, die Rückseite ist Information. Entscheidend ist in der Nährwerttabelle die Zeile „davon Zucker“.

Und beim nächsten abgelaufenen Joghurt gilt: erst die Nase fragen, dann den Mülleimer.

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