Mitten im Südpazifik hat die Begegnung mit einer Gruppe Pottwale vier Segler in einen stundenlangen Kampf ums Überleben gestürzt. Ihre Yacht wurde bei einer Kollision so schwer beschädigt, dass sie schließlich sank. Erst rund 18 Stunden später nahm ein 143 Meter langer Frachter die Besatzung aus einem Rettungsfloß auf.
Die 16 Meter lange Tai Tam war Medienberichten zufolge am vergangenen Wochenende auf dem Weg von Fidschi nach Neuseeland. Rund 250 Seemeilen, etwa 460 Kilometer, nördlich der abgelegenen Norfolkinsel geschah es.
„Da waren sechs bis acht Wale“
Jemma Cooper stand am Steuer, als plötzlich ein heftiger Schlag durch das Boot ging. Die Australierin wurde nach eigenen Angaben vom Steuerrad fortgeschleudert. Zunächst habe niemand gewusst, was die Yacht getroffen hatte. Dann sah die Crew mehrere Wale neben dem Boot.
„Wir schauten auf unsere Backbordseite und da waren sechs bis acht, eine Gruppe Wale“, schilderte Cooper der Nachrichtenagentur AFP. Die Besatzung identifizierte die Tiere als Pottwale. Die neuseeländischen Behörden bestätigen eine Kollision mit einem Wal, machen aber keine Angaben zur Art.
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Nach dem Aufprall dringt Wasser in die Yacht
Coopers Ehemann Jeremy hatte unter Deck geschlafen und wurde durch den Aufprall geweckt. Schnell wurde deutlich, wie schwer die Tai Tam beschädigt war. Teile der Steueranlage waren zerstört, der Rumpf hatte mehrere Schäden erlitten und Wasser strömte ins Innere.
„Es war ziemlich direkt klar, dass es sehr ernst war“, sagte Jeremy Cooper der AFP. Der französische Mitsegler Martin Jaffre berichtete von mehreren Beschädigungen und einem Riss in der Glasfaserstruktur. Weil die Steuerung ausgefallen war, ließ sich die Yacht nicht mehr kontrollieren, so Cooper.
Die vierköpfige Besatzung versuchte zunächst, das Boot zu retten. Jaffre dichtete beschädigte Stellen unter anderem mit Montageschaum ab und tauchte nach Angaben seiner Mitsegler sogar unter die Yacht, um den Rumpf zu kontrollieren. Die anderen pumpten und schöpften Wasser aus dem Boot.
Auch gegenüber dem neuseeländischen Sender 1News beschrieben Jeremy und Jemma Cooper die Schäden als katastrophal. Nach ungefähr einer halben Stunde sei klar geworden, dass die Yacht nicht mehr aus eigener Kraft weiterfahren könne.
Gegen 13 Uhr neuseeländischer Zeit aktivierte die Crew ihren Seenotsender. Das Rescue Coordination Centre New Zealand empfing das EPIRB-Signal und leitete eine groß angelegte Rettungsaktion ein. Nach Angaben der neuseeländischen Streitkräfte befand sich die Tai Tam zu diesem Zeitpunkt rund 250 Seemeilen nördlich der Norfolkinsel.
Militärmaschine sucht die Segler im Südpazifik
Die neuseeländische Luftwaffe schickte eine P-8A Poseidon in das Seegebiet. Die Besatzung des Patrouillenflugzeugs stellte Funkkontakt mit den Seglern her und koordinierte gemeinsam mit den Rettungsstellen die Hilfe. Auch Schiffe in der Umgebung wurden zur Unglücksstelle umgeleitet, berichtet die New Zealand Defence Force.
Die vier Segler blieben zunächst auf ihrer beschädigten Yacht und kämpften weiter gegen das eindringende Wasser. Erst spät am Abend gaben sie die Tai Tam endgültig verloren und stiegen bei inzwischen ruhiger See in ihr Rettungsfloß.
In den frühen Morgenstunden mussten sie eine weitere Entscheidung treffen. Die Yacht sank immer tiefer. Aus Angst, von dem Boot mit unter Wasser gezogen zu werden, kappten sie die Verbindung zwischen Floß und Tai Tam. Kurz darauf verschwand die Yacht nach Darstellung der Besatzung im Meer.
Riesiger Frachter nähert sich dem Rettungsfloß
Gegen sechs Uhr am Sonntagmorgen kam schließlich die MV Sofrana Surville in Sicht. Der 143 Meter lange Frachter war von den Rettungskräften umgeleitet worden und erreichte die vier Schiffbrüchigen als erstes großes Schiff. Die New Zealand Defence Force bestätigte, dass alle vier Besatzungsmitglieder sicher aufgenommen wurden.
Doch selbst die Rettung wurde noch einmal zur Belastungsprobe. Jeremy Cooper schilderte der AFP, wie bedrohlich es gewirkt habe, als sich der riesige Frachter ihrem kleinen Floß näherte. Innerhalb von etwa einer halben Stunde gelang es allen vier, über eine Leiter an Bord zu klettern.
Dort bekamen die Schiffbrüchigen schließlich heißen Kaffee und konnten dem Kapitän erzählen, was ihnen in den Stunden zuvor widerfahren war.
Der Neuseeländer Terry Hetherington sprach gegenüber 1News von einer „enormen Erleichterung“, als die Crew schließlich an Bord des Frachters gelangte. Zu diesem Zeitpunkt sei das Wetter ruhig gewesen. Wäre die Kollision 24 Stunden früher passiert, hätte der Ausgang nach seiner Einschätzung deutlich anders sein können.
Auch die Rettungszentrale lobte die Vorbereitung der Segler. Die frühe Aktivierung des Seenotsenders sei entscheidend dafür gewesen, die Crew schnell zu lokalisieren, erklärte Mike Clulow vom Rescue Coordination Centre New Zealand laut New Zealand Defence Force. „Vorbereitet zu sein, wenn man aufs Meer fährt, kann einem das Leben retten.“
Für Jeremy und Jemma Cooper endete damit eine mehrmonatige Segelreise durch den Pazifik. Ihre Yacht konnten sie nicht retten. „Es war wundervoll, wundervoll und einfach ein schreckliches, schreckliches Ende“, sagte Jeremy Cooper der AFP. Entscheidend sei jedoch etwas anderes gewesen: Niemand kam ums Leben.
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