Die Moskauer Deutsche Zeitung (MDZ) soll bis Ende 2027 nicht mehr als eigenständiges Medium erscheinen. Die Redaktion bestätigte den Stopp auf Anfrage dieser Zeitung. Am 23. Oktober 2026 nahm das russische Justizministerium sowohl die Verlagsgruppe der MDZ, die MaWi Group, als auch den Internationalen Verband der deutschen Kultur (IVDK) in das Register der „ausländischen Agenten“ auf. Als Begründung nannte es unter anderem ausländische Finanzierung und angebliche antirussische Inhalte.
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Deutschsprachige Zeitung in der russischen Metropole
Die MDZ ist eine deutsch-russische Zeitung aus Moskau über Politik, Wirtschaft, Kultur und den russischen Alltag. Ihr Publikum reicht von deutschsprachigen Bewohnern und Geschäftsleuten über Russlanddeutsche bis zu Menschen, die sich für deutsche Sprache und Kultur interessieren. Sie veröffentlicht lokale Nachrichten, Reportagen aus russischen Regionen und Beiträge zur deutsch-russischen Geschichte. Der Chefredakteur Igor Beresin betont, die MDZ sei kein Ableger eines deutschen Mediums, sondern ein in Russland konzipiertes und registriertes Projekt gewesen. Zuletzt hätten ausschließlich russische Staatsbürger dort gearbeitet.
Besonders beliebt war die Zeitung laut Beresin, als die deutsche Wirtschafts- und Expat-Community in Moskau noch größer war. Sie bot auch ein Forum für den Austausch über deutsche Kultur und deutsch-russische Beziehungen. Nach Kriegsbeginn in der Ukraine im Jahr 2022 schrumpfte die deutsche Community in der russischen Hauptstadt stark, da deutsche Firmen abwanderten und Institutionen geschlossen wurden.
Die Juli-Ausgabe der Moskauer Deutschen Zeitung (MDZ): Die Themen reichten von Geschichte über Sport bis zu regionalen Themen.
© MDZ
Von 1870 bis zur Wiedergründung 1998
Die Geschichte der Moskauer Deutschen Zeitung reicht bis 1870 zurück. Sie berichtete über politische Ereignisse, lokale Nachrichten, Theater, Musik und Literatur sowie wirtschaftliche Themen. Mit dem Ersten Weltkrieg endete die historische Ausgabe.
Am 12. April 1998 wurde die MDZ durch den Internationalen Verband der deutschen Kultur wiedergegründet. Sie verband aktuelle Themen mit Geschichte und Kultur. Seit 1998 lag die Auflage bei etwa 25.000 Exemplaren. Nach 2022 ging die Zahl der Druckexemplare allerdings zurück.
Warum wird die MDZ gestoppt?
Anfang Oktober 2026 berichteten russische Medien, die MDZ habe ihre Tätigkeit als Massenmedium bis Ende 2027 ausgesetzt. Chefredakteur Beresin betont, dass die deutschsprachige MDZ und die russischsprachige „Moskovskaja Nemezkaja Gaseta“ (MNG) zwei eigenständige, offiziell registrierte Zeitungen seien. Ausgesetzt worden sei zunächst die deutsche Ausgabe. Die russische Zeitung mit einigen deutschsprachigen Seiten erscheine bislang weiter.
Am 23. Oktober 2026 nahm das russische Justizministerium die MaWi Group, den Verlag der MDZ, und den Internationalen Verband der deutschen Kultur in das Register „ausländischer Agenten“ auf. Laut einer kurzen Mitteilung des Ministeriums habe MaWi Group ausländische Finanzierung erhalten und angeblich unzutreffende Informationen über Entscheidungen russischer Behörden und das Wahlsystem verbreitet. Dem Kulturverband warf das Ministerium ausländische Unterstützung sowie die Finanzierung von Aktivitäten zur Verbreitung „antirussischer“ Materialien vor.
Was der Redaktion konkret vorgeworfen wird und auf welcher Rechtsgrundlage der Stopp erfolgte, ist noch offen. Auf eine Presseanfrage hieß es, man warte auf eine offizielle Stellungnahme.
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Wie hat sich die Berichterstattung seit 2022 verändert?
Seit Beginn des russischen Angriffs gegen die Ukraine im Februar 2022, den die russische Führung als „Spezialoperation“ bezeichnet, haben sich nach Angaben der Redaktion sowohl das Leben als auch die Bedingungen journalistischer Arbeit verändert. „Es geht nicht nur um Gesetze oder Verbote. Es ist viel schwieriger geworden, in Russland mit Menschen zu sprechen, wenn man sich als Mitarbeiter einer deutschen Zeitung vorstellt (und als Journalist überhaupt)“, so Igor Beresin. Erschwert sei zudem die Kommunikation mit deutschen Behörden und Organisationen, wenn man eine Moskauer Zeitung vertrete.
Das erschwert die Berichterstattung über den Alltag und die Kultur in der russischen Metropole. Der mögliche Wegfall der deutschen MDZ-Ausgabe betrifft mehr als einen Zeitungstitel. Über Jahrzehnte dokumentierte das Medium das Leben in Moskau und deutsch-russische Geschichte. Wie es weitergeht, bleibt offen.
Aus Transparenzgründen wird an dieser Stelle erwähnt, dass der Autor des Artikels 2021 einen Gastbeitrag in der Moskauer Deutschen Zeitung veröffentlichte.
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