Gesundheit

Spurensuche: Rätsel um Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff alarmiert Behörden weltweit

Drei Menschen starben nach einem Hantavirus-Ausbruch auf der „Hondius“. Behörden weltweit verfolgen nun die Spur einer seltenen Virusvariante, die zwischen Menschen übertragen werden kann.

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Nach dem Hantavirus-Ausbruch mit drei Toten suchen Behörden weltweit nach dem Ursprung der Infektionen auf der „Hondius“.

Nach dem Hantavirus-Ausbruch mit drei Toten suchen Behörden weltweit nach dem Ursprung der Infektionen auf der „Hondius“.

© Elton Monteiro/imago

Während das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ Kurs auf Teneriffa nimmt, durchkämmen argentinische Experten Wälder und Feuchtgebiete am „Ende der Welt“. In der Umgebung von Ushuaia, Argentinien, suchen sie nach Nagetieren, möglichen Infektionsketten und Antworten auf eine Frage, die inzwischen Behörden in mehreren Ländern beschäftigt: Wo begann der Hantavirus-Ausbruch, an dem bereits drei Passagiere starben?

Der Fall entwickelt sich zunehmend zu einem internationalen Kriseneinsatz. Spanien stritt über die Aufnahme des Schiffes, Marokko verweigerte einem Ambulanzflugzeug mit Hantavirus-Patienten eine Tanklandung in Marrakesch. Gesundheitsbehörden in Europa, Afrika und Südamerika verfolgen Kontaktketten, nachdem bei mehreren Patienten offenbar die seltene Andes-Variante nachgewiesen wurde – die einzige bekannte Form des Hantavirus, die in seltenen Fällen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Spurensuche in Patagoniens Wäldern

Im Zentrum der Ermittlungen steht derzeit Ushuaia im äußersten Süden Argentiniens. Die Hafenstadt in Feuerland gilt als südlichste Stadt der Welt und als wichtigster Ausgangspunkt für Kreuzfahrten in die Antarktis. Von dort war die „Hondius“ am 1. April ausgelaufen. Nun reisen Experten des staatlichen Malbrán-Instituts in bewaldete Regionen und Feuchtgebiete rund um Ushuaia, die zuvor von einem niederländischen Ehepaar besucht worden waren. Die beiden Touristen hatten vor der Kreuzfahrt unter anderem Ausflüge in Naturgebiete Patagoniens unternommen und starben später an den Folgen der Infektion.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP konzentrieren sich die Untersuchungen auf bewaldete Hänge und Naturgebiete rund um Ushuaia. Das Paar soll dort an Vogelbeobachtungen und Ausflügen teilgenommen haben. Ermittler rekonstruieren nun ihre Wege durch Patagonien und suchen nach möglichen Kontaktpersonen.

Argentinische Behörden wollen Nagetiere einfangen und genetisch untersuchen. Besonders im Fokus stehen Mäusearten, die als Träger des Virus gelten. Gleichzeitig prüfen Gesundheitsämter, ob es in der Region zuletzt unerkannte Infektionen gab.

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Offiziell betonen die Behörden in Buenos Aires bislang, dass eine Ansteckung in Argentinien nicht bewiesen sei. Die Provinz Feuerland, zu der Ushuaia gehört, habe seit Einführung der Meldepflicht 1996 keinen einzigen registrierten Hantavirus-Fall verzeichnet. Die Ermittlungen sind allerdings kompliziert: Die Inkubationszeit des Virus kann bis zu acht Wochen betragen. Das niederländische Paar war bereits seit November durch Südamerika gereist und hatte neben Argentinien auch Chile und Uruguay besucht.

Auch argentinische Medien verfolgen die Ermittlungen inzwischen intensiv. Die Zeitung La Nación berichtete über die Spurensuche rund um Ushuaia und mögliche Kontaktpersonen der Passagiere. Sender wie TN und Clarín thematisierten die Sorge, dass sich das Virus unbemerkt weiter ausgebreitet haben könnte.

Warum die Andes-Variante Behörden nervös macht

Besonders aufmerksam verfolgen Behörden die Lage, weil offenbar die sogenannte Andes-Variante des Hantavirus nachgewiesen wurde. Nach Angaben spanischer Medien bestätigten südafrikanische Behörden entsprechende Infektionen bei Patienten aus dem Umfeld des Kreuzfahrtschiffs. Das gilt als brisant, weil die Andes-Variante weltweit die einzige bekannte Form des Hantavirus ist, bei der in seltenen Fällen auch Übertragungen zwischen Menschen möglich sind. Normalerweise infizieren sich Menschen durch Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere, etwa über aufgewirbelten Staub mit Urin- oder Kotpartikeln.

Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung gilt dagegen als äußerst selten und setzt nach Angaben von Experten meist engen und längeren Kontakt voraus, etwa innerhalb von Familien oder bei der Pflege Erkrankter. Genau deshalb versuchen Behörden nun international nachzuvollziehen, wer auf dem Schiff engen Kontakt zu Infizierten hatte.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont bislang, das Risiko für die Allgemeinbevölkerung sei gering. Gleichzeitig beobachten Gesundheitsbehörden die Lage mit hoher Aufmerksamkeit, weil sich Passagiere der „Hondius“ inzwischen auf mehrere Länder verteilen.

Streit um das Schiff und verweigerte Landung

Zusätzliche Spannungen löste die Frage aus, welche Länder infizierte oder möglicherweise infizierte Passagiere aufnehmen. Auf den Kanarischen Inseln hatte sich Regionalpräsident Fernando Clavijo zunächst dagegen ausgesprochen, die „Hondius“ auf Teneriffa anlegen zu lassen. Er kritisierte laut Reuters, die Regionalregierung habe zu wenige Informationen über mögliche Risiken erhalten.

Die spanische Zentralregierung hielt dennoch an dem Plan fest. Das Gesundheitsministerium sprach von einer „moralischen und rechtlichen Verpflichtung“, die Menschen an Bord medizinisch zu versorgen. Inzwischen ist das Schiff auf dem Weg nach Teneriffa. Dort sollen Passagiere untersucht und teilweise unter Quarantäne gestellt werden.

Auch Marokko wurde unfreiwillig Teil des internationalen Kriseneinsatzes. Nach Berichten des marokkanischen Mediums Le Desk verweigerte das Land einem Ambulanzflugzeug mit zwei Hantavirus-Patienten eine Tanklandung in Marrakesch. Der Learjet musste daraufhin auf Gran Canaria zwischenlanden. Dort kam es zusätzlich zu technischen Problemen, weshalb die Patienten stundenlang auf ein Ersatzflugzeug warten mussten. Spaniens Gesundheitsministerium bestätigte den Vorfall später laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua.

Warum Argentinien in den Fokus rückt

Parallel wächst in Argentinien die Sorge über einen allgemeinen Anstieg der Erkrankungen. Das Gesundheitsministerium registrierte seit Juni 2025 insgesamt 101 Hantavirus-Fälle. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 57 gewesen. Die Weltgesundheitsorganisation zählt Argentinien seit Jahren zu den am stärksten betroffenen Ländern Lateinamerikas. Besonders die Andes-Variante sorgt immer wieder für schwere Krankheitsverläufe. Nach Angaben der Behörden starb zuletzt fast jeder dritte Infizierte.

Forscher sehen auch einen Zusammenhang mit klimatischen Veränderungen. Der argentinische Infektiologe Hugo Pizzi sagte der AP, steigende Temperaturen und extreme Wetterwechsel veränderten Lebensräume von Nagetieren. Dürreperioden und heftige Regenfälle hätten dazu geführt, dass sich Mäusepopulationen in neue Regionen ausbreiteten.

Der Genetiker Raúl González Ittig von der Nationaluniversität Córdoba erklärte, stärkere Niederschläge führten zu mehr Vegetation und damit zu mehr Nahrung für Nagetiere. Wenn sich infizierte Tiere stärker vermehrten, steige auch das Risiko für Menschen.

Die „Hondius“ lag zuletzt mehrere Tage mit rund 150 Menschen an Bord vor Kap Verde vor Anker. Nach Angaben der WHO starb zunächst am 11. April ein 70 Jahre alter Niederländer an Bord. Seine Ehefrau starb am 26. April, eine deutsche Passagierin am 2. Mai. Insgesamt gelten derzeit acht Menschen als Verdachtsfälle. Eine nach Deutschland ausgeflogene Kontaktperson wird derzeit im Universitätsklinikum Düsseldorf untersucht. Rund 40 Passagiere sind mittlerweile auf der abgelegenen südatlantischen Insel St. Helena von Bord gegangen.

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