Russland hat als Reaktion auf angekündigte zusätzliche ukrainische Angriffe auf seine Ölraffinerien eine Verschärfung der Attacken auf die Ukraine angedroht. Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Sonntag, Angriffe auf militärische Einrichtungen, Rüstungsbetriebe und zugehörige Infrastruktur in Kiew und anderen Regionen würden verstärkt.
Zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj angekündigt, auf russische Angriffe mit weiteren Schlägen gegen Raffinerien zu antworten.
Das Ministerium machte Selenskyj für die angekündigte Eskalation verantwortlich, erklärte die Behörde laut einem Politico-Bericht. Moskau warf Kiew zudem vor, mit Angriffen auf zivile Ziele die russischen Parlamentswahlen im September gestört zu haben. Die Vorwürfe sind nicht unabhängig bestätigt.
Selenskyj verweist auf neue russische Strategie
In einem am Samstag veröffentlichten Interview mit Reuters hatte Selenskyj erklärt, die Ukraine müsse auf die Angriffe reagieren. Als Ziele nannte er vor allem Raffinerien und andere Anlagen, die Russland Geld für den Krieg einbrächten. Zugleich versicherte er, Kiew werde nicht gezielt zivile Infrastruktur angreifen.
Nach Selenskyjs Darstellung haben ukrainische Geheimdienste Dokumente erhalten, denen zufolge Präsident Wladimir Putin vor dem Winter eine Ausweitung der Angriffe auf zivile Ziele erlaubt habe. Moskau wolle Menschen zum Verlassen Kiews und anderer Städte zwingen. Diese Darstellung ist bislang nicht unabhängig bestätigt. Der Kreml war laut Reuters zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Die russische Ankündigung folgt auf eine bereits laufende Verschärfung der Angriffe auf Kiews Infrastruktur. Zuletzt wurden auch Brücken über den Dnipro getroffen. Nach einem Bericht der Associated Press beschädigte ein russischer Angriff am Samstag die Nordbrücke und führte zu Einschränkungen des Verkehrs.
Warnung an ausländische Diplomaten
Bereits am Samstag hatte das russische Außenministerium ausländische Staatsbürger und Diplomaten erneut aufgefordert, Kiew zu verlassen und Reisen in die Ukraine zu unterlassen. Es kündigte weitere massive Angriffe an, die es als Vergeltung für ukrainische Attacken bezeichnete. Moskau behauptet, militärische Ziele anzugreifen.
Am Sonntag wurde die Nordbrücke nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko erneut getroffen. Der Angriff fiel mit einem Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Kiew zusammen. Er hatte in diesem Zuge ein neues deutsches Militärhilfspaket von rund einer Milliarde Euro angekündigt. Weitere 350 Millionen Euro sollten Generatoren, Umspannstationen und Reparaturmaterial für das angegriffene Stromnetz finanzieren.
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