„Was zwei Weltkriege und die deutsche Teilung nicht vermochten, hätte diese Führungsriege dann geschafft. Der Platz in den Geschichtsbüchern wäre ihr sicher“, sagt die Vorsitzende der Linksfraktion im Sächsischen Landtag, Susanne Schaper, in Richtung des VW-Vorstandes. Hintergrund sind die Sparpläne des Autobauers und die damit verbundene Diskussion über mögliche Werksschließungen.
Vorstandschef Oliver Blume stellte sich am Mittwoch den Beschäftigten – auf Drängen des Betriebsrates. Auch das kritisierte Schaper scharf mit den Worten „Die katastrophale Krisenkommunikation auch in Richtung der eigenen Leute hat nichts als Wut und Angst produziert. Das ist eine Schande, zumal die Beschäftigten längst ihren Teil zur Kostensenkung beitragen“.
In der Tat ist es 2025 gelungen, die Sparziele umzusetzen und die Montagekosten von 4000 auf 3500 Euro pro Einheit zu reduzieren. Am Ende seiner Transformation möchte der Autobauer bei 3000 Euro landen. Für die Linkspolitikerin ist klar, dass hier nicht mehr nur die Belegschaft gefordert ist, sondern vielmehr der Vorstand. Das Management müsse seinen Job machen und die vielen Millionen an Gehalt und Boni mit einer Strategie rechtfertigen. Im Kern stehe die Frage, mit welchem Modell man mit massentauglichen Preisen an die Erfolge aus dem Golf-Zeitalter anknüpfen wolle.
Eine Antwort blieb der VW-Vorstand schuldig. Seine Botschaft war vielmehr, dass es über 2030 hinaus für das Zwickauer Werk – Stand heute – noch keine entsprechende Auslastung gäbe. Der Standort, der als Musterschüler und Vorzeigeprojekt in Sachsen E-Mobilität gilt, droht ausgemustert zu werden. Ursache dafür sind aber nicht allein Absatzprobleme auf dem heimischen Markt, in China und den USA. Dahinter steht auch die Konzernentscheidung, das Nachfolgemodell des VW ID 3 künftig in Wolfsburg bauen zu lassen. Dass auch die Montage des Schwestermodells Cupra Born abwandert, konnte zunächst verhindert werden.
Im Zwickauer VW-Werk arbeiten 8000 Menschen. Wie lange hier noch Autos gebaut werden, ist offen.
© Jan Woitas/dpa
Für Suanne Schaper liegt die Konzernstrategie auf der Hand. VW laste das effiziente Zwickauer Werk bewusst nicht aus, provoziere damit Verluste, die schließlich als Begründung dafür dienen, dass nach mehr als 120 Jahren Automobilbau in Zwickau alle Lichter ausgeknipst werden.
Fest steht: Eine Schließung des Zwickauer Werks würde dem sächsischen Südwesten immens schaden, zahllose Zulieferer wären betroffen. Nach Berechnungen des Freistaates geht es direkt und indirekt um mehr als 20.000 Jobs. „Wir fordern daher die Konzernleitung auf: Arbeitsplätze vor Rendite! Das Zwickauer Werk und auch die Chemnitzer Fertigung müssen erhalten bleiben. Die Transformation muss mit den Beschäftigten und nicht gegen sie erfolgen“, so Susanne Schaper.
Bernd Rudolph, Landtagsabgeordneter aus der Region und Vorsitzender der BSW-Fraktion im Zwickauer Stadtrat, sieht nun vor allem die Staatsregierung in der Pflicht. Sie müsse sich gemeinsam mit Volkswagen, Arbeitnehmervertretern und der Region mit aller Kraft für eine industrielle Zukunft des Standortes einsetzen. „Zwickau braucht keine Beruhigungspillen, sondern Klarheit und eine belastbare Perspektive über 2030 hinaus“, so Rudolph.
Kritik kommt von dem BSW-Politiker auch an dem vom VW-Konzern kommunizierten Zeitplan. Die deutschen Werke hätten nun die kommenden Monate Zeit, ihre Konzepte zu erstellen. Von sechs bis zwölf Monaten ist dabei die Rede. Für tausende Beschäftigte, ihre Familien, Zulieferer und eine ganze Region gehe es um ihre Zukunft. Sie hätten ein Recht darauf zu erfahren, was tatsächlich auf dem Tisch liegt. Gerüchte und Informationshäppchen hinter verschlossenen Türen seien angesichts der Tragweite völlig unangemessen, so Bernd Rudolph.
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Eine Zukunft des Standortes allein mit dem Kompetenzzentrum für Kreislaufwirtschaft und einem Bruchteil der heutigen Beschäftigten kann für Zwickau aber keine zufriedenstellende Perspektive sein, so der Politiker. VW hat in diesem Jahr bereits ein Pilotprojekt gestartet. Es geht um die Demontage von Autos mit dem Ziel, 80 Prozent der Bauteile und 90 Prozent der Hochvoltbatterien zu recyceln. Die gewonnenen Rohstoffe sollen wieder zurück in die Produktion fließen. 2027 soll das Werk seinen regulären Betrieb aufnehmen. Geplant ist die Demontage von 15.000 Fahrzeugen ab 2030 jährlich. Dafür wären rund 1.000 Beschäftigte nötig.
Enttäuschung gab es nach der außerordentlichen Betriebsversammlung am Mittwoch auch bei den Gewerkschaftsvertretern. Thomas Knabel, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Zwickau, kritisierte deutlich, dass „die entscheidenden Fragen nicht beantwortet wurden“. Die Belegschaft sei hochgradig verunsichert. „Sie musste ohne echte Zukunftssignale nach Hause gehen“, so Thomas Knabel.
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