Homophobie

Regenbogenflagge weht über dem Reichstag – Verband beklagt Hasskriminalität

Anlass ist der Internationale Tag gegen Homophobie. Queere Verbände warnen vor einer Verzehnfachung der Straftaten gegen sexuelle Minderheiten.

3 Min
Zum Internationalen Tag gegen Homophobie wurde am Sonntag auf dem Reichstagsgebäude in Berlin die Regenbogenflagge gehisst.

Zum Internationalen Tag gegen Homophobie wurde am Sonntag auf dem Reichstagsgebäude in Berlin die Regenbogenflagge gehisst.

© Rolf Zoellner/epd

Der Bundestag hat für einen Tag die Regenbogenflagge über dem Reichstagsgebäude in Berlin gehisst. Anlass ist der Internationale Tag gegen Homophobie, der zugleich der Jahrestag der vom Parlament 2002 beschlossenen Rehabilitierung homosexueller Opfer der NS-Justiz ist. Damit gebe es einen klaren parlamentarischen Anlass – anders als beim Berliner Christopher Street Day (CSD), hatte das Büro von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) zuvor erklärt.

Im vergangenen Jahr hatte es Streit gegeben, weil Klöckner sich geweigert hatte, die Regenbogenfahne auch zum CSD zu hissen – anders als ihre Amtsvorgängerin Bärbel Bas (SPD). Klöckner verwies auf die Neutralitätspflicht der Bundestagsverwaltung und betonte, die Bundesflagge in Schwarz-Rot-Gold stehe für Freiheit, Menschenwürde und Gleichheit vor dem Gesetz – dazu zähle auch das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte das Vorgehen verteidigt und gesagt: „Der Bundestag ist ja nun kein Zirkuszelt“, auf dem man beliebig Fahnen hisse. Auch diese Äußerung hatte Kritik hervorgerufen.

Verband beklagt Anstieg queerfeindlicher Straftaten

Der Verband Queere Vielfalt (LSVD+) kritisierte ein Versagen staatlicher Behörden bei der Bekämpfung von Hasskriminalität gegen sexuelle Minderheiten. „Innerhalb weniger Jahre hat sich die queerfeindliche Hasskriminalität zahlenmäßig nahezu verzehnfacht. Jeder einzelne Fall ist für eine freiheitliche Gesellschaft beschämend“, sagte Bundesvorstand Andre Lehmann.

Der Verband fordert eine Ergänzung des Artikels 3 des Grundgesetzes. „Bis heute sind queere Menschen die einzige Verfolgtengruppe des Nationalsozialismus, die dort nicht wortwörtlich unter den Schutz unserer Verfassung gestellt ist“, so Lehmann. Das Bundeskriminalamt hatte im Mai 2025 mitgeteilt, dass sich die Zahl der Straftaten in den Bereichen „Sexuelle Orientierung“ und „Geschlechtsbezogene Diversität“ seit 2010 nahezu verzehnfacht habe. Die Berliner Beratungsstelle Maneo registrierte im vergangenen Jahr 723 Fälle und Hinweise auf Anfeindungen in der Hauptstadt und geht von einem Dunkelfeld von 80 bis 90 Prozent aus.

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Neue Gedenkstätte in Berlin-Schöneberg

Auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg wurde am Sonntag zudem eine neue Grab- und Gedenkstätte für lesbische, schwule, bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und queere Menschen (LSBTIQ) eingeweiht. An der Eröffnung nahmen nach Angaben der Schwulenberatung Berlin etwa 150 Gäste aus der queeren Community, aus Politik und Stadtgesellschaft teil.

Das rund 30 Quadratmeter große, vom Bildhauer Ulrich Vogl und dem Architekten Christoph Wagner gestaltete Areal bietet Raum für Urnen- und Sarggräber. Auf einer Friedhofsmauer aus verschiedenfarbigen Steinen sollen die Namen der Verstorbenen erscheinen. Zudem gibt es einen „Kissing Stone", auf dem mit Lippenstift Kussmünder hinterlassen werden können – in Anlehnung an die Tradition an den Gräbern von Oscar Wilde und Simone de Beauvoir.

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