Regionalliga

„Meister müssen aufsteigen!“ Die Regionalliga-Reform vor der Entscheidung

Fünf Regionalligen, aber nicht jeder Meister steigt direkt auf. Im DFB-Bundestag wird am 18. Dezember über eine Reform des Aufstiegs in die 3. Liga entschieden.

Michael Jahn
5 Min
Lok Leipzig ist weiterhin Regionalligist - trotz Meisterschaft in der Vorsaison.

Lok Leipzig ist weiterhin Regionalligist - trotz Meisterschaft in der Vorsaison.

© IMAGO/Lucas Walter

Ganz ehrlich, wer weiß schon genau, was ein „Schienenspieler“, eine „abkippende Sechs“ oder eine „falsche Neun“ ist? Die Sprache im Fußball treibt oft kuriose Blüten und wenn es um taktische Dinge geht, fallen eben solch verwirrende Begriffe, die vor allem die Trainer verwenden. Inspiriert vom letzteren Begriff, der die Rolle des „Neuners“, eines zentralen Mittelstürmers, beschreibt, der sich allerdings häufig ins Mittelfeld zurückfallen lässt, gibt es seit 2019 die beliebte Fußball-Internet-Plattform „Die Falsche 9“. Dort heißt eine ständige Rubrik „Stand jetzt!“.

Es geht dabei um Meisterschaften, Auf- und Abstiege, wenn die Saison in den Ligen eins bis vier jetzt beendet wäre. Ein Beispiel: Stand jetzt (23. Oktober) wäre beim Blick auf die Tabellen natürlich wieder der FC Bayern München der Deutsche Meister – wer auch sonst? Direkt absteigen in die 2. Liga müssten der 1. FC Union Berlin und Borussia Mönchengladbach. Direkte Aufsteiger ins Oberhaus wären Hertha BSC und der 1. FC Nürnberg.

Über den direkten Aufstieg in die 3. Liga, um den in der anstehenden Regionalligareform gestritten wird, könnten sich der Chemnitzer FC (Regionalliga Nordost), der SGV Heilbronn (Südwest) und Rot-Weiß Oberhausen (West) freuen. Zwei Relegationsspiele müssten turnusmäßig Weiche 08 Flensburg (Nord) gegen den FC Memmingen (Bayern) spielen. All das ist auf der „Falschen 9“ allerdings nur eine schöne Spielerei für Fans, die sich natürlich oft von Spieltag zu Spieltag ändert.

Fünf Meister, aber nicht fünf Aufsteiger

Kein lockeres Spielchen, sondern bitterer Ernst ist dagegen die Tatsache, dass bei den fünf bestehenden Regionalligen – also an der Schwelle vom Amateur- zum Profidasein – nicht jeder Meister seiner Liga direkt aufsteigen kann. Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit, die nichts mit der viel beschworenen Fairness zu tun hat.

Die Frage nach den Aufsteigern in die 3. Liga bewegt die Vereine schon seit einer Ewigkeit. Nach Einführung von fünf Regionalligastaffeln 2012 kam es dann erst 2019 zu einer zweifelhaften und unsportlichen Festlegung, die bis zum heutigen Tag gilt: Die Meister der Staffeln West und Südwest steigen immer direkt auf. Die Champions der Staffeln Nordost, Nord und Bayern spielen nach einem Rotationsschlüssel in Relegations-Duellen die anderen Aufsteiger aus.

Fans von Lokomotive Leipzig bekunden ihre Meinung zur Regionalligareform.

Fans von Lokomotive Leipzig bekunden ihre Meinung zur Regionalligareform.

© Sven Sonntag/IMAGO

Warum sind der Westen und der Südwesten so privilegiert? Die Begründung lautet: Sie sind die mitgliederstärksten Verbände und kommen aus den bevölkerungsreichsten Gebieten. Na und? Deshalb darf doch dieser Modus nicht in Stein gemeißelt sein! Mit Chancengleichheit für die ambitionierten Vereine aus dem Nordosten, in dem die halbe ehemalige DDR-Oberliga vertreten ist, aus dem Norden und aus Bayern hat das nichts zu tun. Die logische Folge: Der Osten begehrte endlich auf und startete als Vorreiter die Initiative „Meister müssen aufsteigen“.

Der Druck auf viele alteingesessene Funktionäre wurde zuletzt immer größer, und zwei Modelle wurden kontrovers diskutiert: Das vom Osten favorisierte „Kompassmodell“ (künftig vier Staffeln mit je 20 Teams nach geografischen Gesichtspunkten zusammengestellt mit kurzen Entfernungen) oder das „Regionen-Modell“ (dort sollen die Staffeln Nord, Nordost und Bayern zu zwei Staffeln zusammengeschnitten werden). Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) mit seinen sechs Landesverbänden erreichte nun mit viel Druck die Einberufung eines außerordentlichen DFB-Bundestages am 18. Dezember, an dem eine Entscheidung fallen soll.

Traditionsklubs, Derbys und volle Stadien

Fakt ist, dass die Regionalliga Nordost die mit Abstand attraktivste aller fünf Ligen ist und mit diesem gewaltigen Pfund bei der Abstimmung der rund 260 Delegierten punkten sollte. Allein sechs bis acht Mannschaften – vom Chemnitzer FC bis zur VSG Altglienicke – kämpfen vehement um den Aufstieg. Die Ausgeglichenheit ist enorm. In den anderen Ligen streiten maximal zwei bis drei Vereine ernsthaft um den Aufstieg.

Im Nordosten sorgen unzählige Traditionsderbys für ständige Spannung, allen voran das Leipziger Derby zwischen dem 1. FC Lok und Chemie Leipzig, das schon 76 Mal die Fans begeisterte. Oder das berühmte Thüringenderby zwischen Rot-Weiß Erfurt und dem FC Carl Zeiss Jena. Beide Vereine duellierten sich schon 96 Mal, allein in 63 Spielen in der DDR-Oberliga.

Sagenhafte acht Teams starteten einst im Europacup, die zusammen auf 277 EC-Begegnungen kommen – an der Spitze steht Jena mit 87 oft unvergessenen Auftritten gegen europäische Größen. Solche Meriten haben die privilegierten Ligen West und Südwest nicht aufzuweisen. Hinzu kommt das Zuschauerinteresse. Auch da liegt der Nordosten meilenweit vor allen anderen Staffeln.

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Nun könnten die Verfechter des Status quo anführen, dass die Meister aus dem Nordosten in den unsäglichen Relegationsspielen seit 2020 gleich fünfmal gescheitert sind (dreimal Lok Leipzig, einmal Energie Cottbus, einmal der BFC Dynamo) und selbst schuld sind an ihrem Unglück. Doch das ändert nichts an der berechtigten Forderung, dass alle Meister ohne Wenn und Aber aufsteigen müssen. Ein Meistertitel nach einer langen und erfolgreichen Saison in der Regionalliga ohne folgenden Aufstieg ist und bleibt ein Muster ohne Wert.

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