Kultur

Restitution: SLUB Dresden gibt Raubgut an Erben von Julius Hellmann zurück

43 Bücher und sieben Exlibris des als Jude verfolgten Berliner Bankiers sind nach Jahrzehnten in Bibliotheksregalen jetzt bei seiner Familie in Israel.

Redaktion
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Rückgabe: Die SLUB Dresden gab sechs Bücher aus ihrem Bestand an die Familie von Julius Hellmann zurück.

Rückgabe: Die SLUB Dresden gab sechs Bücher aus ihrem Bestand an die Familie von Julius Hellmann zurück.

© Sylvio Dittrich/imago

Sechs der Bücher stammen aus dem Bestand der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB), 37 Bücher und die sieben losen Exlibris aus der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB), wie die SLUB Dresden am Donnerstag mitteilte. Die Nachfahren des Bankiers und Generalkonsuls Julius Hellmann nahmen die Werke in Berlin entgegen. Zugeordnet wurden die Bände über das Exlibris, mit dem Hellmann seine umfangreiche Bibliothek kennzeichnete.

Hellmann, 1877 in Freiburg im Breisgau geboren, arbeitete als Bankier und Generalkonsul in Berlin. Die Nationalsozialisten verfolgten ihn als Juden. Er floh zunächst nach Südafrika, 1938 in die Niederlande, wo ihn ab 1942 die Widerstandsbewegung in Amsterdam und Amstelveen versteckte. 1948 wanderte er in die USA aus und starb 1956 in New York.

Spur führt zu einem Ankauf der Berliner Stadtbibliothek 1951

Wann seine Bibliothek entzogen wurde, ist ungeklärt. Belegt ist nur die Zwangsversteigerung seiner Wohnungseinrichtung Anfang 1936, Bücher tauchen in der Liste nicht auf. Der Verdacht auf NS-Raub erhärtete sich durch einen Ankauf der Berliner Stadtbibliothek, heute Teil der ZLB, aus dem Jahr 1951: Sie erwarb damals 1028 Titel vom Berliner Magistrat und der Verwaltungsstelle für Sondervermögen und trug sie im Zugangsbuch als „eine beschlagnahmte Bibliothek“ ein. Die Herkunft der Berliner Bände und Hunderte weitere Bücher desselben Lieferanten prüft die ZLB noch.

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Nach Dresden kamen die Bücher über Umwege. Die Sächsische Landesbibliothek, Vorgängerin der SLUB, kaufte einen Teil 1972 beim Norddeutschen Antiquariat, weitere Bände erhielt sie von der Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände, die in der Forschung als Verteilerin von NS-Raubgut nach 1945 gilt. Zwei Bände tragen einen Aussonderungsstempel der Stadtbibliothek Berlin. Die Details stehen im Falldossier der SLUB.

SLUB Dresden sucht Erben in 300 weiteren Raubgut-Fällen

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Generaldirektorin Katrin Stump sagte: „Im Fall von erwiesenem NS-Raubgut betrachten wir uns nicht als Eigentümer.“ Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste unterstützt die SLUB bei der Ermittlung Erbberechtigter in 300 noch offenen Fällen. Hellmanns Urenkelin reiste nach Berlin und traf das Forschungsteam; die Bücher sind inzwischen bei der Familie in Israel.

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