Das ausgediente Weltraumteleskop „Swift“ der US-Raumfahrtbehörde Nasa wird voraussichtlich am Mittwoch in die Erdatmosphäre eintreten. Nach Berechnungen der US-Forschungseinrichtung Aerospace Corporation wird der Wiedereintritt gegen 10.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit erwartet. Der tatsächliche Zeitpunkt kann bis zu 26 Stunden vor oder nach dem berechneten Termin liegen. Wo genau die Sonde abstürzt, ist noch offen.
„Swift“ wiegt rund 1,5 Tonnen und umkreist die Erde seit fast 22 Jahren. Der größte Teil des Satelliten dürfte beim Wiedereintritt verglühen. Einzelne schwere Bauteile, darunter Teile der Spiegel und Komponenten aus Wolfram, könnten jedoch die Erdoberfläche erreichen. Das berichtete der US-Sender WRAL unter Berufung auf den wissenschaftlichen Leiter der Mission, Brad Cenko.
Absturzort noch ungewiss
Die Umlaufbahn des Satelliten ist gegenüber der Äquatorebene um etwa 21 Grad geneigt. Ein Wiedereintritt ist deshalb nur zwischen dem 21. nördlichen und dem 21. südlichen Breitengrad möglich. In diesem Bereich liegen unter anderem Teile Hawaiis, Puerto Ricos und Südmexikos, aber auch große Meeresflächen.
Der genaue Zeitpunkt lässt sich nur schwer berechnen. Die Dichte der oberen Atmosphäre schwankt und beeinflusst, wie stark der Luftwiderstand „Swift“ abbremst. Die Nasa untersucht in einem Forschungsprojekt, wie sich der Absturzzeitpunkt von Satelliten genauer vorhersagen lässt.
Rettungsversuch im All gescheitert
Die Nasa hatte zuvor versucht, die Umlaufbahn des Teleskops anzuheben und so einen vorzeitigen Absturz zu verhindern. Im Juli startete das US-Unternehmen Katalyst Space Technologies die Robotersonde „LINK“. Sie sollte sich „Swift“ nähern und den Satelliten in eine höhere Umlaufbahn bringen.
„LINK“ wurde mit einer Pegasus-XL-Rakete von Northrop Grumman ins All gebracht. Das Trägerflugzeug „Stargazer“ setzte die Rakete in rund 12.000 Metern Höhe über dem Kwajalein-Atoll auf den Marshallinseln aus. Die Nasa hatte Katalyst Space Technologies mit dem Einsatz beauftragt und zahlte dafür nach Angaben der Nachrichtenagentur AP 30 Millionen US-Dollar.
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Nach Problemen mit der Flugsteuerung geriet „LINK“ jedoch ins Trudeln. Die Ingenieure konnten die Sonde später teilweise wieder steuern. Dennoch wurde der Rettungsversuch im August abgebrochen. „LINK“ näherte sich dem Teleskop später noch einmal und fotografierte es.
Die Nasa betrachtete den Rettungsversuch zugleich als Test für künftige Wartungseinsätze im All. Er sollte zeigen, ob sich ältere Satelliten ohne eigene Vorrichtungen für solche Einsätze nachträglich auf eine höhere Umlaufbahn bringen lassen. Katalyst entwickelte nach damaligen AP-Angaben bereits ein größeres Robotersystem für höher fliegende Satelliten.
Sonnenaktivität beschleunigt den Absturz
Beschleunigt wurde der Höhenverlust durch verstärkte Sonnenaktivität. Sie erwärmt die obere Erdatmosphäre, die sich dadurch ausdehnt und Satelliten stärker abbremst. Am 20. Oktober war „Swift“ auf eine Höhe von 275 Kilometern gesunken.
Das Teleskop konnte den zunehmenden Luftwiderstand nicht mehr ausgleichen und schaltete in den Sicherheitsmodus. Die Nasa beendete daraufhin den Betrieb, wie sie am 23. Oktober mitteilte.
Fast 22 Jahre im All
„Swift“ war am 20. November 2004 gestartet und ursprünglich für zwei Jahre ausgelegt. Das Teleskop beobachtete vor allem Gammastrahlenausbrüche, besonders energiereiche Explosionen im Weltall. Daneben untersuchte es Supernovae, Schwarze Löcher und andere Himmelsobjekte. Seine Messungen bildeten die Grundlage für zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen.
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