Für die umstrittene Erweiterung der Anbauflächen von Karls Erdbeerhof bei Rövershagen laufen die Arbeiten bereits. Obwohl die Stadt Rostock und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegen das Vorhaben vorgehen. Das bestätigt Karls-Chef Robert Dahl auf Anfrage der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung.
„Für die Erweiterung der Stellagenanlage liegt eine rechtsgültige Baugenehmigung vor“, erklärt Robert Dahl. Die Einwände von Stadt und Umweltverband nimmt der Unternehmer aber ernst: „Die Hansestadt Rostock und der BUND haben Beschwerden beim Landkreis Rostock eingelegt. Wir respektieren selbstverständlich das Recht, behördliche Entscheidungen überprüfen zu lassen.“
Gleichzeitig macht der Erdbeerkönig deutlich, dass Karls an dem Projekt festhält. „Wir sind jedoch weiterhin von der Rechtmäßigkeit der erteilten Genehmigung und der Umweltverträglichkeit unserer Anbaumethode überzeugt.“
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Bei dem umstrittenen Projekt geht es um eine erhebliche Erweiterung des Erdbeeranbaus bei Rövershagen in Mecklenburg-Vorpommern. Auf zusätzlichen 40 Hektar – das entspricht knapp 60 Fußballfeldern – errichtet Karls eine Stellagenanlage. Die Erdbeerpflanzen wachsen dabei nicht mehr unmittelbar im Ackerboden, sondern in Pflanzrinnen mit Substrat in etwa 1,30 Meter Höhe.
Überspannt werden die Reihen von rund neun Meter breiten Folientunneln. Der Anbau kann dadurch technisch gesteuert werden; zugleich lassen sich die Früchte im Stehen pflücken. Nach Angaben des BUND existieren bei Rövershagen bereits auf rund 34 Hektar Folientunnel für Erdbeeren.
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Für Robert Dahl ist Rövershagen der Ursprungsort seiner heutigen Unternehmensgruppe. 1992 startete er dort seinen eigenen Erdbeeranbaubetrieb, zunächst auf zehn Hektar. Aus dem landwirtschaftlichen Betrieb mit Hofverkauf wurde 1993 der erste Karls Erlebnis-Hof des Unternehmens und schließlich das heutige Karls Erlebnis-Dorf. Rövershagen ist damit bis heute nicht nur das „Erdbeerhauptquartier“ von Karls, sondern auch das Vorbild für die weiteren Erlebnis-Dörfer in mehreren Bundesländern.
Rostock legt Widerspruch gegen Baugenehmigung ein
Bereits im Sommer hat die Stadt Rostock Beschwerde beim Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt sowie beim Ministerium für Inneres und Bau gegen das Vorhaben eingelegt. Kürzlich sei außerdem offiziell Widerspruch beim Landkreis Rostock erhoben worden, um die dafür geltenden Fristen zu wahren. Der Landkreis hat die Baugenehmigung erteilt.
„Die Hanse- und Universitätsstadt Rostock hat sich mit einem Widerspruchsverfahren gegen die Entscheidung der Genehmigungsbehörden beim Landkreis Rostock gewandt“, teilte die Stadt auf Anfrage der Redaktion mit.
Sorge um Wasserhaushalt der Rostocker Heide
Grund für das Vorgehen ist die Sorge um die unmittelbar benachbarte Rostocker Heide. Die Stadt geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die 40 Hektar große Anlage zum intensivierten Erdbeeranbau eine erhebliche Auswirkung auf den Wasserhaushalt hat. Dies könne sich negativ auf den Wasserhaushalt der Rostocker Heide mit ihren „klimabedingt vorgeschädigten Wäldern und Mooren“ auswirken.
Rostock ist seit dem Jahr 1252 Eigentümerin der Heide. Die Stadt will deshalb überprüfen lassen, ob die befürchteten Auswirkungen tatsächlich eintreten könnten. Eine abschließende Bewertung sei bislang jedoch nicht möglich. „Das können wir ohne Akteneinsicht nicht abschätzen“, erklärt die Stadt. Zunächst wolle sie Zugang zu den Genehmigungsunterlagen erhalten und anschließend prüfen, „ob die Annahmen plausibel sind“.
Die Folientunnel für die Erweiterung von Karls Erdbeerhof bei Rövershagen nehmen Formen an.
© Karls
Der Widerspruch bedeutet allerdings nicht, dass Karls die Arbeiten bis zur Klärung des Verfahrens einstellen muss. Die Stadt weist ausdrücklich darauf hin, dass Widerspruch und Anfechtungsklage eines Dritten gegen die bauaufsichtliche Zulassung eines Vorhabens keine aufschiebende Wirkung haben.
„Der Hansestadt geht es nicht darum, das Vorhaben grundsätzlich infrage zu stellen“, heißt es in der Antwort. Sollten die Genehmigungsunterlagen zeigen, dass der Schutz der Rostocker Heide gewährleistet ist, seien die Bedenken der Stadt ausgeräumt.
Als mögliche Lösung bringt Rostock ein gemeinsames Kontrollsystem ins Gespräch: „Dazu wäre zum Beispiel auch ein gemeinsames Monitoring denkbar, das den Wasserhaushalt über die kommenden Jahre im Blick behält.“
Robert Dahl widerspricht Kritik am Wasserhaushalt
„Unsere Stellagenanlage bedeutet keineswegs, dass die landwirtschaftliche Fläche versiegelt wird“, erklärt Dahl. Die Erdbeeren wüchsen in erhöhten Pflanzrinnen unter Folientunneln. Diese seien etwa neun Meter breit. Regen, der auf die Folien fällt, werde nach Darstellung des Unternehmens nicht von der Anbaufläche abgeleitet.
„Das Regenwasser fällt auf die Folien, läuft seitlich ab und gelangt zwischen den Tunneln in den Boden“, sagt Robert Dahl. „Das natürliche Regenwasser bleibt somit auf der Fläche und kann dort versickern.“
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Nach Angaben Dahls wird in den Wintermonaten überschüssiges Oberflächenwasser aus Gewässern entnommen und in einem Regenrückhaltebecken gespeichert. Während der Anbausaison soll dieses Wasser für die Bewässerung der Erdbeerpflanzen genutzt werden.
„Neben dem Regenwasser, das ohnehin auf die Fläche fällt, führen wir der Fläche zusätzlich gespeichertes Oberflächenwasser zu“, erklärt Dahl. Daher gelange nach Einschätzung des Unternehmens „mehr Wasser auf die Fläche als ohne die Stellagenanlage“. Karls geht davon aus, dass sich dies positiv auf die Grundwasserneubildung auswirkt.
Ob diese Einschätzung zutrifft, ist allerdings genau der Punkt, den die Stadt Rostock anhand der bislang nicht vorliegenden Genehmigungsunterlagen überprüfen will.
Karls sieht Vorteile für Umwelt und Beschäftigte
„Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens wurde eine Eingriffs- und Ausgleichsbilanzierung durchgeführt“, erklärt der Unternehmer. Dabei seien auch die Auswirkungen des Vorhabens auf geschützte Tier- und Pflanzenarten untersucht worden.
„Der moderne Stellagenanbau ermöglicht es uns, regionale Sonderkulturen wie Erdbeeren unter zeitgemäßen ökologischen und sozialen Bedingungen wirtschaftlich anzubauen“, sagt der Karls-Chef außerdem.
So sehen die Erdbeer-Stellagen aus. Auf 34 Hektar baut Karls sie so bereits an der Grenze zur Rostocker Heide an.
© Karls
Damit würden Voraussetzungen geschaffen, auch künftig hochwertige Lebensmittel direkt in der Region zu produzieren. Andernfalls drohe eine zunehmende Abhängigkeit von Importen, beispielsweise aus Marokko oder Südspanien. Dort erfolge die Produktion jedoch teilweise „unter ökologisch und sozial problematischen Bedingungen“.
Weil die Erdbeeren erhöht wachsen und keinen Kontakt zum Erdboden haben, seien sie zudem weniger anfällig für Fäulnis. „Wir benötigen keine Herbizide zur Unkrautbekämpfung in den Pflanzrinnen und können den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegenüber dem früheren Anbau deutlich reduzieren“, sagt Dahl.
Karls: Stellagenanbau gut für Nachhaltigkeit
Darüber hinaus könne durch die Anbaumethode die Lebensmittelverschwendung verringert werden. Erdbeeren, die auf oder unmittelbar über dem Boden wachsen, seien stärker von Verschmutzung und Fäulnis bedroht. Beim Stellagenanbau blieben die Früchte nach Darstellung des Unternehmens sauberer und gesünder. Dadurch könne ein größerer Teil der Ernte tatsächlich als Lebensmittel genutzt werden.
Auch die Arbeitsbedingungen der Erntehelfer führt Dahl als Argument für das Projekt an. Die Helfer könnten die Erdbeeren im Stehen pflücken, statt über Stunden in gebückter Haltung arbeiten zu müssen. „Wir sind überzeugt, dass moderner, regionaler Erdbeeranbau nicht das Problem, sondern ein wichtiger Teil der Lösung für eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion in Deutschland ist“, erklärt der Karls-Chef.
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